Surrogates

SurrogatesScience-Fiction-Filme über Roboter, Androiden oder Cyborgs gibt es mittlerweile wie lügende Politiker. John Mostows erster Streifen nach mehrjähriger Pause beleuchtet die Hass-Liebe des Menschen zu künstlichen Gegenstücken von einer weniger prominenten Seite: In „Surrogates“ dienen die Roboter als ferngesteuertes Werkzeug das seinen Besitzern erlaubt, geheimste Wünsche und Sehnsüchte folgenlos ausleben zu können.
Was nach einer erstrebenswerten Utopie klingt, wendet sich durchaus traditionell gegen die Schöpfer und endet in einer die gesamte Menschheit bedrohenden Verschwörung. Nur einer kann die Zivilisation noch retten: Bruce Willis.

Ob John Mostow nach dem eher misslungenen „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ seine eigene Regiekarriere retten kann, wird nachfolgend erläutert. Natürlich handgeschrieben von eurem Filmkritiker! Oder stammen die folgenden Zeilen doch von einem Avatar? Wer weiß, wer weiß …

Erst ein Avatar macht das Leben wunderbar
In nicht allzu ferner Zukunft: Surrogate, künstliche Nachbildungen von Menschen, erlauben es ihren Besitzern, von zu Hause zu arbeiten, einzukaufen oder sich zu vergnügen, ohne die eigene Wohnung jemals verlassen zu müssen. Verbrechen sind in dieser Welt beinahe gänzlich unbekannt, bis zwei Surrogates vor einem Nachtklub zerstört aufgefunden werden, deren Benutzer bei dem Anschlag gleichfalls getötet wurden. Pikanterweise handelt es sich bei einem der Opfer um den jungen Jarod Canter (James Ginty), Sohn des Erfinders der Surrogates Dr. Lionel Canter (James Cromwell).

Deshalb werden die beiden FBI-Agenten Tom Greer (Bruce Willis) und Jennifer Peters (Radha Mitchell) auf den ungewöhnlichen Fall angesetzt um herauszufinden, welche Waffe dazu in der Lage ist, den mit seinem Surrogate verbundenen Besitzer mittels Zerstörung des Roboters zu ermorden. Da mittlerweile fast alle Menschen Surrogates einsetzen droht somit eine neue Form des Verbrechens.

Nur wenige Menschen lehnen den Einsatz der ferngesteuerten Roboter kategorisch ab und haben sich in von der technologisierten Umgebung abgeschotteten Siedlungen zusammengeschlossen. Ihr Anführer ist der „Prophet“ (Ving Rhames), der in die Mordfälle involviert zu sein scheint. Als Greer auf die Spur des mutmaßlichen Attentäters Strickland (Jack Noseworthy) stößt, dringt er in das Hoheitsgebiet des „Propheten“ ein. Dabei wird sein Surrogate zerstört. Entschlossen setzt Greer seine Nachforschungen auch ohne künstliches Double fort und stößt schon bald auf eine Verschwörung ungeheuren Ausmaßes, die zum Todesstoß für den größten Teil der Menschheit ansetzt …

Perfekte künstliche Doubles für nicht perfekte Menschen
Das Drehbuch zu „Surrogates“ basiert auf einer mehrbändigen Comicreihe von Robert Venditti und Brett Weldele, in welcher „Surrogates“ genannte Avatare den persönlichen Kontakt der Menschen untereinander völlig ersetzt haben. Bereits die Bezeichnung für die Roboter deutet auf die grundsätzliche Problematik dieser technologischen Revolution hin: Unter einem Surrogat versteht man einen „Ersatz“. Dadurch wird es möglich, praktisch völlig gefahrlos Verhaltensweisen an den Tag zu legen, die kein verantwortungsbewusster Bürger seinem Körper zumuten würde. Denn: Wird ein Surrogat defekt, ersetzt man dieses ganz einfach.

Der größte Reiz aus dieser Weltdarstellung entwächst dem Umstand, dass der Protagonist beschließt, auf eigene Faust in die reale Welt vorzudringen, anstatt sich wie fast alle anderen auch auf die Dienste eines künstlichen Menschen zu verlassen und im heimischen Bett dahinzuvegetieren.

Leider schaffen es John Mostow und die Drehbuchautoren nicht, diese potenziell faszinierende Welt mit ihrem offensichtlichem Widerspruch aus Hochglanzoptik der künstlichen Welt sowie sozialer Verelendung der Surrogates-Benutzer überzeugend auf die Leinwand zu bannen. Die hierbei porträtierte Welt unterscheidet sich von unserer Gegenwart nur marginal. Selbst die Autos haben sich zumindest äußerlich nicht im Geringsten verändert (inklusive Zündschlüssel, abzüglich Airbags, die offenbar als unnütz betrachtet werden), ganz zu schweigen von Kleidung, Geschäften oder Computern. Vom Standpunkt der Produzenten aus gesehen eine clevere Entscheidung, musste doch nicht viel Aufwand für Setdesigns oder futuristische Produktgestaltungen betrieben werden. Darunter leidet jedoch die Glaubwürdigkeit des Filmes, der über weite Strecken hinweg den optischen Charme eines Fernsehfilms versprüht.

Wie auf Schienen dahingleitender Plot
Was „Surrogates“ jedoch zum lahmen B-Movie statt würdigem Nachfolger etwa eines „Total Recall“ degradiert, ist der schlichtweg spannungslose Plot. Völlig geradlinig hangelt sich die Handlung von Punkt A zu Punkt B zu Punkt C und mündet schließlich in einem unspektakulären Showdown, der im langen Nachsinnen darin besteht, welche Taste auf einem Keyboard betätigt werden soll. Wer das als ungemein spannend erachtet: Willkommen in „Surrogates“!

Niemand fordert von einem Hollywood-Blockbuster künstlerischen Anspruch oder eine enorm komplexe Handlung. Was John Mostow abliefert ist jedoch Massenware von der Stange. Angesichts der potenziell interessanten Vorlage bedauerlich, andererseits angesichts der Filmlänge von nicht einmal 90 Minuten (!) nachvollziehbar. Im Eilzugtempo hetzt Mostow Bruce Willis durch den Film, was kaum Zeit für Charakterisierungen oder eingehende Beschäftigungen mit den Grundproblematiken einer solchen Technologie zulässt. Dabei wirft der Basisplot ungemein fesselnde Fragen auf: Wie gestaltet sich in einer solchen Gesellschaft Familienleben? Wie lernen sich Paare kennen? Verfügen auch Kinder und Jugendliche – die in dieser Welt offenbar überhaupt nicht präsent sind – über Surrogates?

Stattdessen wirkt das Drehbuch unausgegoren und wie ein überhastet hingekritzelter Entwurf. Lieblos werden die Szenen runtergespult, wobei selbst Actionfans nicht auf ihre Kosten kommen: Die präsentierten Verfolgungsjagden zu Fuß oder per Auto wurden bereits vor zig Jahren ungleich mitreißender und mit geringeren Budgets verfilmt. Auch in diesem Punkt erweist sich „Surrogates“ als perfekt aufs Fernsehen zugeschnittener Hauptabendfilm.

Actionstar Bruce Willis wird in seiner Rolle gnadenlos unterfordert und liefert entsprechend eine seiner schwächsten Performances seit langem ab. Dem Rest der Darstellercrew wird nicht minder wenig abverlangt, zumal die Figuren klischeehaft gezeichnet sind: Der verbitterte alte Erfinder, die vom Tod ihres Sohnes gebrochene Ehefrau, der dicke und ungustiöse Computergeek, etc.

Fazit: „Surrogates“ ist ein weiterer belangloser Sci-Fi-Thriller von der Stange, der ohne die Mitwirkung des zugträchtigen Namens seines Hauptdarstellers wohl gänzlich unbeachtet in den Kinos gelaufen wäre. Ärgerlich daran ist der Umstand, dass die Story enormes Potenzial für eine spannende und ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vorzügen wie auch Gefahren neuer Technologien geboten hätte. Das Endresultat ist hingegen eine bittere Enttäuschung für Fans des Genres. Und John Mostow sollte sich endlich Gedanken darüber machen, ob er tatsächlich der richtige Mann für Science-Fiction-Stoffe ist.


Darsteller

  • Bruce Willis … Tom Greer
  • Radha Mitchell … Peters
  • Rosamund Pike … Maggie
  • Boris Kodjoe … Stone
  • Ving Rhames … Der Prophet
  • James Ginty … Jarod Canter
  • James Cromwell … Dr. Lionel Canter
  • Jack Noseworthy … Strickland
  • Michael Cudlitz … Colonel Brendon
  • Jeffrey De Serrano … Armando
  • Helena Mattsson .. JJ
  • Devin Ratray … Bobby

Regie
John Mostow

Produktionsland, Jahr
USA, 2009

Surrogates Trailers



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