Hochwald Kritik

Hochwald Kritik

Lenz (Noah Saavedra) und sein Freund Mario (Thomas Prenn) haben etwas gemeinsam: Sie haben das Leben in der Einöde ihrer Südtiroler Bergdorf-Gemeinde satt und möchten ihre großen Träume verwirklichen. Lenz will Schauspieler werden und Mario träumt seit langem davon, eine Karriere als Tänzer zu beginnen. Gesagt, getan: Lenz ergreift die Initiative und entschließt sich dazu, nach Rom zu gehen. Lenz‘ Ehrgeiz und Aufbruchsstimmung reisen auch Mario mit, der seinem Freund folgt. In der italienischen Hauptstadt angekommen, ereignet sich eine Tragödie: In einem LGBT-Club werden die Beiden Opfer eines islamistischen Terroranschlags, bei dem Lenz ums Leben kommt. Geschockt von dem Erlebnis, kehrt der traumatisierte Mario zurück in sein Heimatdorf. Und findet dort ausgerechnet Trost bei Nadim (Josef Mohamed), einem gläubigen Moslem, und seiner Clique.

Die Südtirolerin Evi Romen zählt seit den 90er-Jahren zu den besten Editoren ihrer österreichisch-italienischen Heimat. Seit ihren Anfängen vor gut 30 Jahren wirkte sie an zahlreichen prämierten (meist deutschsprachigen) TV- und Kinoproduktionen mit, darunter dem Wiener „Tatort“, „Mein bester Feind“ oder „Mein stiller Freund“. „Hochwald“ ist ihr Debüt als Regisseurin. Für den Mix aus Heimatfilm, Drama und Gesellschaftsstudie schrieb sie auch das Drehbuch.

„Eigentlich sollte ich tot sein“, sagt der von dem Erlebnis in Italien schwer getroffene, untröstliche Mario in einer Szene, die sein Innerstes deutlich auf den Punkt bringt. Mario hadert mit sich, dem Tod seines Freundes bzw. Liebespartners Lenz (eine genaue Definition der Beziehung der Beiden liefert der Film nicht) sowie der Tatsache, dass er überlebt hat und Lenz nicht. Ablehnung und Misstrauen schlagen ihm nach seiner Rückkehr in der Heimat entgegen.

Diese bedrückende Stimmung der um sich greifenden Skepsis und des argwöhnischen Begutachtens nimmt im Laufe des Films immer weiter zu und allmählich auch den Zuschauer gefangen. Dabei erfährt Mario (menschlich glaubhaft und hochemotional: Thomas Prenn) nicht nur von Lenz‘ Hinterbliebenen Ablehnung, sondern muss sich auch noch gegenüber seiner eigenen Mutter und dem Dorfpfarrer rechtfertigen. Nicht zuletzt deshalb, da der Anschlag in einer Schwulenbar passierte – und Mario sich mit Lenz zum Zeitpunkt des Terroranschlags dort aufhielt.

„Hochwald“ gefällt durch seinen harmonischen Bildaufbau und die suggestive Bildsprache, hinzu kommen atemberaubende Aufnahmen der Tiroler Bergwelten und poetische Traumsequenzen. Vor allem letztere stehen für die zunehmende psychische Fragilität der Hauptfigur, die mit widerstreitenden Gefühlen hadert. In erster Linie und ab der Mitte des Films dem Moslem Nadim gegenüber. Von ihm und dem Islam fühlt sich Mario angezogen.

Das Problem des Films ist, dass er zu viele Thematiken und Inhalte lediglich andeutet und bruchstückhaft behandelt. Das führt dazu, dass die Kernthemen und eigentlichen, wichtigen Fragen zunehmend verwässern. Geht es im Kern um eine homophobe, rückständige Dorfgemeinschaft? Eine unerfüllte Liebe zwischen zwei jungen Männern? Die Unterschiede zwischen Stadt- und Landleben oder doch eher um Fragen nach religiösen Ansichten und dem Hang zu extremen Ansichten? Ganz eindeutig lässt sich dies leider zu keinem Zeitpunkt beantworten.

Fazit: Rührende, besonnen erzählte Charakterstudie über eine vielschichtige, ambivalente Hauptfigur, die an vielen Stellen jedoch zu vage und ungenau bleibt.

Bewertung: 6,5 / 10

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