Last Dance

last danceWann immer eine Diskussion darüber ansteht, ob die USA tatsächlich der Nährboden der Demokratie darstellen, dessen Dünger wenn nötig mit Gewalt in alle Welt verstreut werden muss, oder doch nur ein reaktionäres Staatengebilde sind, fällt mit Sicherheit ein Begriff: Todesstrafe. Immerhin stellt die Praxis, Menschen, die des Mordes beschuldigt werden, jahrelang hinter Gittern zu zermürben und, wenn sie im „falschen“ Bundesstaat einsitzen, sich keine guten Anwalt leisten können und zu allem Überfluss auch noch nicht-Weiße sind, hinzurichten, den augenscheinlichsten Unterschied zwischen Westeuropa und dem großen Bruder jenseits des Atlantiks dar.

Meinungsumfragen bestätigen immer wieder, dass die Todesstrafe von der Mehrheit der Amis befürwortet wird. Dass dabei auch Unschuldige ihr Leben verlieren und mit Sicherheit kein abschreckender Effekt existiert, wird geflissentlich übersehen. Solange es einen selber nicht betrifft …

Kein Wunder, dass Filme, die sich kritisch mit der Todesstrafe auseinander setzen, zumindest in den USA einen schweren Stand haben. Als bester Film, der sich dieses Themas annimmt, gilt zu Recht Dead man walking, 1995 von Tim Robbins mit Sean Penn und Susan Sarandon in Szene gesetzt.
Dreifach für den Oscar nominiert, erhielt Susan Sarandon den Oscar für ihre mitreißende Darstellung der katholischen Schwester Helen Prejan, während Sean Penn, der den Todeskandidaten Matthew Poncelet zum Besten gab, aus unerfindlichen Gründen leer ausging.

Nur ein Jahr später versuchte Bruce Beresford, der mit Miss Daisy und ihr Chauffeur 1989 einen immerhin vierfach nominierten Film zuwege brachte, das gleiche Thema anspruchsvoll zu verarbeiten. Lieferte schon Dead Man Walking finanziell zumindest in den USA eine bescheidene Performance, so war Last Dance an den Kinokassen ein Fiasko.
Wenigstens hierbei bewiesen die Amis Geschmack, denn diese beiden Filme zu vergleichen hieße, einen James-Cameron-Reißer mit einem typischen Roger-Corman-Machwerk in einen Topf zu werfen.

Geradezu ärgerlich simpel zieht sich der Plot um den Anwalt Rick Taft (Rob Morrow), der gegen den Widerstand aller die des grausamen Mordes überführte Cindy Liggott (Sharon Stone) vor der drohenden Hinrichtung retten möchte.
Es ist kaum zu glauben, dass dieser Film nicht das RTL-Movie des Monats oder die Beverly Hills 90210-Version zum Thema Todesstrafe darstellt.
Sharon Stone bemüht sich zwar mit all ihren Fähigkeiten, der Todeskandidatin Leben einzuhauchen, allein, sie wirkt einfach nicht überzeugend.

Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass sich in dieser Schmonzette die schöne Delinquentin und der gleichfalls aparte Anwalt ineinander verlieben.
Dem Fass den Boden schlägt aber die „Rehabilitierung“ der Mörderin aus, die als herzensguter Mensch präsentiert wird, der als Teenager zwar zwei Menschen ermordete, aber, Gottchen, sie hatte halt keine andere Chance.
Tatsächlich erklärt ihr Anwalt, sie hätte keine Chance gehabt und sei auch nur ein Opfer der Umstände gewesen, schließlich lebte sie in bitterer Armut, während ihre ermordete Freundin, reich und arrogant war. Na, dann hat sie es ja verdient …

Für Sharon Stone mag dieser Film ein weiterer Versuch gewesen sein, das Image der männermordenden Blondine abzustreifen – doch in dieser Rolle hätte selbst Susan Sarandon versagt. Wobei diese sicher klug gewesen wäre, die Rolle abzulehnen.
Die edlen Gesinnungen des Films in Ehren – mit solch langweiligem, sozialromantisch verklärtem Klitsch bringt man das Publikum nicht zum Nachdenken, sondern zum Einschlafen.


Darsteller

  • Sharon Stone … Cindy Liggott
  • Rob Morrow … Rick Taft
  • Randy Quaid … Sam Burns
  • Peter Gallagher … John Hayes

Regie
Bruce Beresford

Produktionsland, Jahr

USA, 1995

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