Parfum des Lebens Kritik

Guillaume Favre (Grégory Montel) hat schon bessere Tage erlebt. Erst die Scheidung von seiner Frau und nun droht er zudem das Sorgerecht für seine Tochter zu verlieren. Damit es nicht soweit kommt, ist er dringend auf seinen Job als Chauffeur angewiesen. Jedoch ist sein Chef alles andere als nachsichtig und einige der Kunden, die Guillaume fährt, zeigen doch arg seltsame Verhaltensweisen. Darunter Anne Walberg (Emmanuelle Devos), die Guillaume zunächst nicht nur äußerst abschätzig behandelt, sondern bedingt durch ihren Job (Anne ist Geruchsberaterin) auch noch extrem skurrile Geschichten von sich gibt. Doch hinter der unnahbaren, harten Fassade, schlummert eine melancholische Frau, die einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten hatte.

Über ein halbes Jahr nachdem die Tragikomödie in Frankreich in den Kinos startete, kommt „Parfum des Lebens“ bei uns in die Kinos. Weltpremiere feierte der im Jahre 2018 im Elsass gedrehte Film bereits Ende 2019 auf dem Saint-Jean de Luz International Film Festival. Hauptdarstellerin Emmanuelle Devos zählt seit den 80er-Jahren zu Frankreichs populärsten TV- und Kinoschauspielerinnen. Ihre größten Erfolge feierte sie in den frühen 00er-Jahren, unter anderem mit dem Thriller „Lippenbekenntnisse“ und dem Drama „Ein perfektes Leben“.

Mit viel Leichtigkeit und entspanntem Witz begleitet der Zuschauer in „Parfum des Lebens“ zwei Menschen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite der stets um das Wohl seiner Tochter besorgte, selbstlose Guillaume, auf der anderen die sozial benachteiligte, schroff wirkende und exzentrische Anne. Regisseur Grégory Magne nimmt sich Zeit, um im Umgang der beiden Hauptfiguren miteinander deren individuelle Besonderheiten und prägende Charakterzüge herauszuarbeiten – so dass wir allmählich echte Sympathien für die Handlenden entwickeln. Auch für Anne.

Denn Anne, so stellt sich im Laufe der Handlung heraus, arbeitete früher als Parfum-Entwicklerin für einige der bekanntesten Marken der Welt. Dann verlor sie tragischerweise ihren Geruchssinn – und die Unternehmen allmählich das Vertrauen in ihre Künste und Fähigkeiten. Noch heute, viele Jahre nach diesem Vorfall, merkt man Anne die Verbitterung und die Trauer darüber an. Sie durchziehen nahezu jede Szene des ersten Drittels, wenn Anne ihren Chauffeur Guillaume wieder einmal (grundlos) beschimpft, ihn ihre Koffer tragen oder andere Aufgaben übernehmen lässt, die er als ihr Fahrer eigentlich nicht machen müsste.

Doch Guillaume muss diese Strapazen über sich ergehen und sich herabwürdigen lassen. An dieser Stelle streut Magne ein weiteres dramatisches Element in den Film ein, dass gar an ein klassisches Sozialdrama gemahnt. Denn Guillaume (feinfühlig und ausdrucksstark: Grégory Montel) spürt den beständigen Druck der Behörden im Nacken, unbedingt seinen Job behalten zu müssen um das Sorgerecht nicht zu verlieren. In der zweiten Hälfte dominieren dann aber der Humor und jene vergnügliche Heiterkeit, wenn sich die beiden Figuren (freundschaftlich) näherkommen und sich gegenseitig unterstützen. Dramaturgisch und inhaltlich verzichtet der Film zwar auf große Überraschungen, doch die schrulligen Protagonisten wachsen einem derart ans Herz, das man diesen Umstand schnell vergisst.

Fazit: Leichtfüßige, sympathische Tragikomödie über einen in finanziellen Sorgen steckenden Chauffeur und seine spleenig-überkandidelte Kundin, die sich langsam einander annähern und schließlich voneinander profitieren.

Bewertung: 7,5/ 10

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