Moffie Kritik

Südafrika 1981: Die Apartheid wütet im Land und wird brutal vom unterdrückenden Regime durchgesetzt. Die Regierung bereitet einen Kriegseinsatz in Angola vor um dabei mitzuhelfen, dass sich der verhasste Kommunismus nicht noch weiter auf dem Kontinent verbreitet. Wie alle jungen weißen Männer muss Nicholas (Kai Luke Brummer) seinen Militärdienst ableisten. In der Kaserne darf niemand wissen, dass der 18-Jährige, der heimlich für seinen Kameraden Dylan Stassen (Ryan de Villiers) schwärmt, homosexuell ist. Würde dies bekannt, müsste Nicholas die restliche Zeit seines Militärdienstes in der Psychiatrie verbringen. Zu all der Angst und den versteckten Gefühlen kommen die Schikanen des rigorosen Ausbilders Sergeant Brand (Hilton Pelser), der die Soldaten schikaniert und psychisch bricht.

Der Begriff „Moffie“ ist ein abwertender Ausdruck in der kolonial-niederländischen Sprache Afrikaans für „schwul“. In Südafrika wird das Wort bis heute benutzt, um homosexuelle Männer zu beleidigen und öffentlich zu brandmarken. Der Film „Moffie“ basiert auf wahren Begebenheiten. Regisseur Oliver Hermanus orientierte sich am 2006 erschienen, auto-biografischen Roman „Moffie: A Novel“ von André Carl van der Merwe. Darin berichtet er über seine Zeit in der südafrikanischen Armee. Der Film debütierte 2019 auf dem Filmfest in Venedig.

Filmemacher Hermanus, der mit „Moffie“ sein viertes filmisches Werk vorlegt, gelingt mit seinem Hybrid aus Militär-, Kriegs und Geschichtsfilm sowie queerem Coming-of-Age-Drama auf mehreren Ebenen ein kleines Meisterwerk. Zum einen kreiert er eine meisterhafte Milieustudie über den harten Alltag im südafrikanischen Militär und die herabwürdigenden Methoden der sadistischen Ausbilder. Zu einer Zeit, als Homosexualität als Todsünde galt und „Betroffene“ ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden. Die Rekruten in „Moffie“ dürfen nicht den Hauch von Schwäche oder femininem Verhalten zeigen, da man aus ihnen harte, unnachgiebige, echte (heißt: Testosteron-geschwängerte) Kampfmaschinen machen will.

Wie groß die Sorgen der Männer und ihr inneres Leid sind, fängt „Moffie“ in subtilen Momenten, einfühlsamen Beobachtungen und oft nur mittels Gestik und Mimik ein. Hier sagen ein schwermütiger Blick, ein gesengter Kopf oder herunterbaumelnde Schultern mehr als tausend Worte. Diese Unsicherheiten und das beständige Gefühl der Bedrohung spiegeln sich vor allem in der Figur des Nicholas wieder, herausragend verkörpert von Kai Luke Brummer. Stets wirkt er verschlossen und schweigsam – was genau in ihm vorgeht muss sich der Betrachter denken. Doch anhand seiner verschüchterten nonverbalen Kommunikation lassen sich darauf am Ende dann doch recht leicht Rückschlüsse ziehen.

Sehr gut gelungen sind zudem die Ambivalenz und die Unterschiedlichkeit von Ausbildungs- und Kriegseinsatz-Szenen in Sachen Stimmung, Stil und Ästhetik. Während Hermanus die Momente und Ereignisse im Training zumeist mittels starrer Einstellungen und in hellstem Licht einfängt, dominieren in den meist mit Handkamera eingefangenen Kampfhandlungen das Chaos, Verwirrung und Dunkelheit. Ein dringlicher, mitreißender Kontrast. Und zu guter Letzt ist es Oliver Hermanus hoch anzurechnen, dass er zwei hochbrisante, aber lange verschwiegene Ereignisse bzw. Sachverhalte auf die Leinwand bringt: die schonungslose, menschenverachtende militärische Ausbildung in Südafrika jener Jahre und den insgesamt 27 Jahre andauernden, blutig-brutalen Bürgerkrieg in Angola.

Fazit: Intensiver, gnadenlos ehrlicher und phantastisch gespielter Film über verborgene Neigungen, innere Konflikte und entmenschlichende Militärs. 

Bewertung: 9,5/10

Das könnte dir auch gefallen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.