Searching for Sugar Man Kritik

Searching for Sugar ManDer Dokumentarfilm „Searching for Sugar Man“ erzählt die unglaubliche Geschichte eines amerikanischen Folk-Pop-Sängers, dessen Alben und Songs zum Soundtrack der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika wurden. In dem von der Außenwelt völlig isolierten Land wurde dieser Sänger zum Idol einer ganzen Generation, seine Alben verkauften sich sensationell. Das Kuriose an der Geschichte: von all dem Erfolg und Hype um seine Person, bekam der betreffende Künstler nichts mit, bald machten sogar Gerüchte die Runde, er habe sich auf der Bühne erschossen. Dem Engagement und der akribischen Recherchearbeit zweier südafrikanischer Fans des Sängers ist zu verdanken, dass er am Ende auch in seiner amerikanischen Heimat doch noch den wohlverdienten, späten Ruhm erntete.

Zu Beginn der 70er-Jahre veröffentlichte Sixto Rodriguez, 1942 geborener Sohn mexikanischer Einwanderer, das von der Kritik hervorragend aufgenommene Album „Cold Fact“, das sich musikalisch irgendwo zwischen dem Polit-Folk eines Bob Dylan und dem eingängigen Folk-Pop eines Cat Stevens bewegte. Rodriguez wurde in seiner Heimatstadt Detroit von dem Produzenten Mike Theodore bei einem Clubgig entdeckt. Theodore vermittelte ihn anschließend an Sussex Records, ein Sublabel des damaligen Musikgiganten „A&M Records“ weiter. Wenig später war Theodore auch als ausführender Produzent tätig und nahm gemeinsam mit Rodriguez dessen Debüt „Cold Fact“ auf. Das Album erwies sich in den USA jedoch als Ladenhüter. Kurze Zeit später spielte Rodriguez noch ein zweites Album ein, doch auch dieses Werk geriet zum absoluten Flop. Auch wenn die Presse und Kritik in ihm einen neuen Dylan mit bestechenden lyrischen Fähigkeiten sahen – niemand wollte die Platten des talentierten Sängers kaufen. Kurz darauf wurde er von seinem Label fallen gelassen. Rodriguez verschwand wieder in der Versenkung und ging bald wieder seinem Alltag als Abrissarbeiter in der zunehmend zerfallenden Metropole Detroit nach. Doch damit ist die Geschichte um den charismatischen, poetischen Liedermacher noch lange nicht zu Ende erzählt.


Zufällig und auf verschlungenem Weg gelangten Kopien von seinem Debüt „Cold Fact“ nach Südafrika, ein von der Außenwelt völlig abgeschotteter und von der Apartheid gebeutelter Staat. Mit seinen gesellschaftskritischen Texten, die soziale Ungleichheiten und Missstände anprangerten, sprach er vielen weißen Südafrikanern aus der Seele. Die Folge: Das Album verkaufte sich rasend schnell erlangte innerhalb weniger Wochen Kultstatus. Die Musik von Rodriguez wurde zur Begleitmusik des weißen Widerstandes im Südafrika der Apartheids-Ära. Über den Künstler selbst war indes fast nichts bekannt, bald machte das Gerücht die Runde, Rodriguez habe sich auf der Bühne erschossen oder bei lebendigem Leib angezündet. Nach dem Ende des Apartheid-Regimes Mitte der 90er-Jahre, machten sich die beiden Rodriguez-Fans, Stephen ‘Sugar’ Segerman und Craig Bartholomew-Strydom, auf die Suche nach ihrem großen Idol und fanden bald heraus: Rodriguez lebte und erfreute sich bester Gesundheit, alle Gerüchte und Mythen um seinen Suizid erwiesen sich als falsch.

Die wahre Geschichte hinter „Searching for Sugar Man“ ist derart unglaublich, dass sie sich wohl nicht einmal die kreativsten Drehbuch-Autoren Hollywoods hätten ausdenken können. Das Kino-Debüt des schwedischen Filmemachers Malik Bendjelloul erzählt in drei Abschnitten von Beginn an diese kuriose Story um den in Südafrika wie ein Superstar verehrten Song-Poeten Rodriguez, der von seinem Star-Kult und den vielen verkauften Einheiten seiner Alben rein gar nichts mitbekam. Im ersten Drittel des Films wird die Geschichte ausführlich von hinten aufgerollt, zahlreiche Personen aus dem Musikbusiness und damaligen direkten Umfeld von Rodriguez – Produzenten, Musiker, Platten-Bosse – kommen zu Wort und gehen der Frage nach, wieso sich die Musik in seiner amerikanischen Heimat nicht durchsetzen konnte. Im zweiten Drittel kommen vor allem die beiden Fans zu Wort, die sich ab Mitte der 90er-Jahre verstärkt der Frage widmeten, was aus ihrem Helden von einst geworden ist. Und dann, nach etwa 45 Minuten, tritt der große Unbekannte schließlich selbst vor die Kamera und erzählt von seinen (zunächst erfolglosen) Versuchen, im Musik-Business Fuß zu fassen. Rodriguez erscheint dabei als schüchterner, introvertierter aber äußerst intelligenter und sympathischer Gesprächspartner.

Das letzte Drittel der spannenden Dokumentation geht dann auf Rodriguez‘ späten Erfolg und Ruhm ein. Über 25 Jahre nach dem Erscheinen seines Debüts, erlebte Rodriguez bei seiner Reise nach Südafrika im Jahr 1998 ausverkaufte Hallen und begeistere Fans, die ihren großen Helden frenetisch feierten. Großartige Original-Aufnahmen von seinen Auftritten vermitteln einen Eindruck davon, wie viel Begeisterung Rodriguez nach all den Jahren immer noch entgegengebracht wurde. Durch den Film „Searching for Sugar Man“ erhielt Rodriguez 2012 einen erneuten Popularitäts-Schub, was sich in Form von kleinen Tourneen durch die USA und Großbritannien niederschlug. Im August war er sogar Gast in der legendären David Letterman-Show.

Der Film wurde beim diesjährigen Sundance Film Festival uraufgeführt und erhielt den Preis für den Besten Ausländischen Dokumentarfilm, wenig später wurde er mit dem Publikumspreis auf dem Melbourne Filmfestival ausgezeichnet.

Fazit: „Searching for Sugar Man“ erzählt auf unterhaltsame und spannende Weise die unglaubliche Geschichte eines Folk-Pop-Musikers, der, ohne davon zu erfahren, zu einem der wichtigsten Künstler der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika wurde.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Regie:
Malik Bendjelloul

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