Abseits des Lebens Kritik

Abseits des Lebens Kritik

Edee (Robin Wright) hat eine ebenso mutige wie gefährliche Entscheidung getroffen: Sie will sich von den Menschen isolieren und ein Leben abseits jeglicher Zivilisation in den Rocky Mountains führen. Grund dafür ist eine Familientragödie, die sie glaubt in der Einsamkeit besser verarbeiten zu können. Anfänglich kommt Edee in der unwirtlichen, wunderschönen Natur gut zurecht. Doch der unerbittliche, harte Winter bringt sie an den Rand der völligen Erschöpfung. Doch sie hat Glück und überlebt, da sie der Jäger Miguel (Demian Bichir) und seine Schwester Alawa (Sarah Dawn Pledge) finden und retten. Im Laufe der Zeit entwickelt sich zwischen Edee und dem sensiblen Miguel eine tiefe Freundschaft, zumal er ihr einige wichtige Tipps und Trainingseinheiten zum Überleben in der Wildnis gibt. Doch genügt das, um ganz allein in der Natur zu überleben? Und wird sie ihre Erinnerungen je verarbeiten können?

„Abseits des Lebens“, der im Original den minimalistischen aber passenden Titel „Land“ trägt, ist das Langfilm-Regie-Debüt von Schauspielerin Robin Wright. Erste Erfahrungen hinter der Kamera sammelte sie ab 2013, als sie einige Episoden der Serie „House of Cards“ inszenierte. Mit ihrem Team drehte sie „Abseits des Lebens“ im Herbst 2019 an nicht einmal 30 Tagen an Originalschauplätzen in den Rockys. Seit den frühen 90er-Jahren zählt Wright zu den führenden Charakterdarstellerinnen Hollywoods und spielte in Klassikern wie „Im Vorhof zur Hölle“, „Forrest Gump“ und „Crossing Guard“.

Ganz im Stil von Survival- und Natur-Dramen wie „Into the wild“ oder „Wild“ schildert Wright den Kampf einer starken Hauptfigur mit ihren inneren Dämonen und ums Vergessen. Wie in den genannten Filmen dienen Natur und Landschaft auch in „Abseits des Lebens“ als symbolhafte Entsprechungen des inneren Seelenzustands von Edee, einer schweigsamen, in sich gekehrten Endvierzigerin, die sich Menschen gegenüber nicht öffnen kann. Robin Wright verleiht ihrer Figur eine ungemeine, fast unerträgliche psychologische Tiefe und agiert dabei mit würdevoller Zurückhaltung und Feinfühligkeit.

An ihr liegt es sicher nicht, dass „Abseits des Lebens“ insgesamt leider nicht mehr ist als ein durchschnittlicher, solider Mix aus Charakter- und Aussteiger-Drama, Abenteuer und Selbstfindungsstudie. Anders formuliert: Es liegt nicht an ihrer schauspielerischen Leistung. Ihre Entscheidungen als Regisseurin hingegen tragen durchaus ihren Teil dazu bei. Denn Wright setzt zum einen zu sehr auf altbekannte, abgenutzte Survival- und Abenteuerfilm-Klischees. Da gibt es die obligatorische, lebensbedrohliche Begegnung mit einem Bären, den Sturz von einem Felsen und das unnachgiebige Wetter. Ergänzend kommen Hunger und Durst hinzu. Das ist zu wenig, um zu überraschen oder gar zu fesseln.

„Abseits des Lebens“ ist als poetische, ruhige Meditation über Trauer und (Selbst-)Heilung angelegt, übertreibt es aber mit seiner Stille und Ereignislosigkeit. Fast eine Stunde geschieht in dem ohnehin äußerst dialogarmen Film nämlich praktisch gar nichts und als Kinozuschauer wartet man letztlich viel zu lang (nämlich bis zum Schluss) darauf, dass wirklich etwas Gehaltvolles passiert. Die Folge ist, dass sich die eigentlich überschaubare Laufzeit von 80 Minuten eher wie zwei Stunden anfühlt.

Fazit: Phantastisch gespieltes, in schwärmerischen Landschaftaufnahmen schwelgendes Drama, dessen Drehbuch zu unausgereift erscheint und dessen Ereignislosigkeit sowie Monotnie spätestens ab der Hälfte nur noch langweilen.

Bewertung: 5/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.

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