Dark Shadows Kritik

Das neueste Werk von Regie-Visionär Tim Burton („Batman“, „Mars Attacks!“) basiert auf der Gothic-Seifenoper „Dark Shadows“, die von 1966 bis 1971 im US-amerikanischen TV lief. Die Serie, die der Sender ABC täglich in den Nachmittagsstunden ausstrahlte, entwickelte sich schnell zum Publikumsrenner und besitzt heute Kultstatus. Burton war in seiner Jugend selbst ein großer Anhänger der Serie, die in Deutschland erst spät in den 90er-Jahren gezeigt wurde. Mit „Dark Shadows“ kehrt Burton wieder zu seinen filmischen Wurzeln zurück. In seinem mittlerweile achten Werk mit Lieblingsschauspieler Johnny Depp, verbindet Burton eine düster-schaurige Optik und detailverliebte Settings und Ausstattungen mit abgedrehten, schrägen Charakteren. Heraus kommt eine extrem unterhaltsame Mischung aus Horror-Mär und komödiantischen Elementen, die mit viel Ironie und Slapstick angereichert wurden. In dieser Kombination erinnert „Dark Shadows“ an Burtons Schauermärchen „Beetlejuice“ und „Sleepy Hollow“.

Die Hauptrolle in „Dark Shadows“ verkörpert erneut Burtons Haus- und Hofhauptdarsteller Johnny Depp, der schon als Kind davon träumte, eines Tages die Hauptfigur der Serie, Vampir Barnabas Collins, spielen zu dürfen. Depp war derart angetan von dem Projekt, dass er schließlich auch die Produktion übernahm. Bereits 2007 sicherte sich das Filmstudio Warner Brothers die Rechte an der Verfilmung, doch der Ausstieg des ursprünglichen Drehbuchautoren sorgte schließlich dafür, dass Depp erst jetzt als Vampir auf der großen Leinwand seinen Blutdurst stillen darf.

Im Jahre 1772 ist Barnabas Collins (Johnny Depp) Herr von Collinwood Manor im US-Bundesstaat Maine und genießt sein dekadentes Leben als unverbesserlicher Frauenheld. Das ändert sich, als er der ebenso verführerischen wie bösartigen Hexe Angelique Bouchard (Eva Green) das Herz bricht. Aus Rache treibt Angelique die große Liebe von Barnabas in den Selbstmord, verwandelt ihn in einen Vampir und lässt ihn lebendig begraben. Durch einen großen Zufall gelingt es Barnabas zwei Jahrhunderte später, sein Grab zu verlassen. Nach so langer Zeit unter der Erde, kommen ihm die frühen 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts doch reichlich fremd und obskur vor. Ebenso wie seine letzten Nachfahren, die er auf seinem alten Anwesen antrifft, das mittlerweile völlig verfallen ist. Unter der Herrschaft von Familienoberhaupt Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer) leben in den Ruinen nun die Abkömmlinge der einst reichen und mächtigen Collins-Familie. Und alle, von der Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) über die Geschwister Roger Collins (Jonny Lee Miller) und Carolyn Stoddard (Chloe Moretz) bis zum Angestellten Willie Loomis (Jackie Earle Haley), hüten ihre eigenen, finsteren Geheimnisse.


Auf herrlich skurrile Art lässt Burton den 200 Jahre lang vergrabenen Vampir Barnabas Collins im Jahre 1972 auf seine verschrobenen Nachfahren treffen, die so rein gar nichts mehr gemein haben mit der damaligen Familie des Vampirs. Da ist zum einen das gestrenge Familienoberhaupt Elizabeth Collins Stoddard (Michelle Pfeiffer), die – reichlich überfordert und verbittert – mit letzter Kraft versucht, das alte Familienanwesen vor dem Verfall zu bewahren und die Familie zusammenzuhalten. Oder ihr nichtsnutziger Bruder Roger (Jonny Lee Miller), der die Erziehung seines zehnjährigen Sohnes David längst aufgegeben hat, seitdem dieser den Geist der vor Jahren verstorbenen Mutter sieht. Um ihn von seinen Visionen zu befreien, hat die Familie die trinkfeste, schrille Psychiaterin Dr. Julia Hoffman (Burton-Frau Helena Bonham Carter) engagiert, die sich schon bald mehr für Barnabas Blut als die Heilung von David interessiert. Nicht zu vergessen die aufmüpfige, rebellische Teenie-Tochter Carolyn (Chloe Grace Moretz), die Barnabas mit Tipps zur Fraueneroberung versorgt und ihn mit der Musik von Schock-Rocker Alice Cooper vertraut macht.

Es ist die schrullige Familie, die mit ihren unterschiedlichen Akteuren und deren individuellen Wesenszügen und Eigenarten, einen großen Reiz des Films ausmacht. Die Sippe erinnert nicht zufällig an Familien wie die „Die Monsters“ oder „Die Addams Family“ (ebenfalls Lieblingsserien von Burton), deren Mitglieder alle eines verbindet: ihre abnormen Verhaltensweisen, die für etliche amüsante und komische Momente sorgen. So auch in „Dark Shadows“. Dabei schart Burton eine ganze Reihe hochkarätiger Darsteller um sich: von Michelle Pfeiffer und Helena Bonham Carter über Christopher Lee (in einer kleinen Nebenrolle als Fischer) und Chloe Grace Moretz (bekannt aus „Hugo Cabret“) bis hin zu Eva Green, die sich als sinnlich-verführerische, exzentrische Hexe Angelique Bouchard ordentlich austoben darf und sich dabei als Idealbesetzung erweist. Im Mittelpunkt steht freilich Johnny Depp als sympathischer, liebenswürdiger Vampir, der sich mit den Gepflogenheiten der 70er-Jahre erst vertraut machen muss. Hier nutzt der Film das große Potential, dass ihm die Vorlage bietet: wenn Vampir Barnabas allmählich die frühen 70er-Jahre in all ihren Facetten (Musik, Happenings, Fast-Food-Ketten etc.) kennenlernt, so sorgt dies für viele originelle und heitere Momente, die in ihrer Gesamtheit bei weitem nicht so seicht und abgedroschen daherkommen, wie der Trailer befürchten ließ.

Optisch überzeugt „Dark Shadows“ durch seine finstere, dämmrige Bildsprache die auch dann nichts von ihrem Gothic-Touch verliert, wenn die 70-Jahre mit ihrem Glitzer, Glanz und ihrer Farbenpracht visuell Einzug halten. Die Farben passen sich den düsteren Bildern dabei stets an, sind nicht zu aufdringlich und so zieht durch den gesamten Film konsequent eine Symbiose aus Burton-typischer Horror-Optik und (dezent gehaltenem) buntem 70er-Jahre-Look. Diese Verbindung funktioniert ausgezeichnet und macht „Dark Shadows“ auch visuell reizvoll. Burton konzipierte eine liebevolle, detailreiche 70er-Jahre-Welt, die der Zuschauer aus der Sicht des entwurzelten Vampirs aus dem 18. Jahrhundert erleben und erkunden darf. Gelungen ist auch die musikalische Untermalung des Films, die mit ausgewählten Songs und Künstlern (Alice Cooper, T-Rex, Barry White etc.) den damaligen Zeitgeist und das Lebensgefühl überzeugend einfängt. Am Ende zündet Burton dann sogar ein effektreiches Action-Feuerwerk, wenn es auf dem Anwesen der Familie zum finalen Showdown zwischen Barnabas und Angelique kommt und dabei Erinnerungen an „Der Tod steht ihr gut“ von Robert Zemeckis und Danny de Vitos „Der Rosenkrieg“ wach werden. Alles in allem ist es erfreulich, dass Burton mit „Dark Shadows“ – vor allem visuell – wieder zu seinen filmischen Anfängen zurückkehrt, nachdem sein knallbuntes, überdrehtes Effekte-Spektakel „Alice im Wunderland“ 2010 nicht voll überzeugte.

Fazit: Mit „Dark Shadows“ gelingt Tim Burton eine schrille, amüsante Horror-Komödie, die durch ihre verschrobenen Charaktere und der gelungenen Mischung aus psychedelischer 70er-Jahre- und düsterer Horror-Optik besticht.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Johnny Depp
  • Eva Green
  • Michelle Pfeiffer
  • Jonny Lee Miller
  • Chloë Grace Moretz
  • Gulliver McGrath
  • Helena Bonham Carter
  • Jackie Earle Haley
  • Bella Heathcote
  • Hannah Murray
  • Christopher Lee
  • Thomas McDonell

Regie:
Tim Burton

Erscheinungsjahr:
2012


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Filmbulletin said

    Mai 22 2012 @ 20:44

    Ich habe die TV-Serie vor etwa 20 Jahren gesehen, damals auf RTL. Kann sich da noch jemand dran erinnern?;-) Ich fand den neuen Film jedenfalls sehr unterhaltsam und großartig gespielt (wie immer) von Johnny Depp, der wahrscheinlich bis an sein Lebensende mit Tim Burton Filme machen wird. Gut so:)

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