Lieber verliebt

Lieber VerliebtLiebeskomödien erfreuen sich seit jeher großer Beliebtheit. Mehrheitlich zwar unter weiblichen Zuschauern; doch so mancher Film dieses Genres findet auch sein männliches Publikum. Leinwandtraumpaare wie Katherine Hepburn und Spencer Tracy bzw. Meg Ryan und Tom Hanks in den 1990er Jahren sind hingegen selten anzutreffen. Zu oft werden die Darsteller der Filme ausgetauscht – gleich bleiben indes die Plotzutaten: Mann trifft Frau, die beiden verlieben sich ineinander, aus irgendeinem Grund scheitert die Beziehung, nur, um schlussendlich in einem Happy End zu münden. Abspann.

Mit „Lieber verliebt“ macht sich eine weitere Liebeskomödie daran, sein Publikum zu finden. Catherine Zeta-Jones (Michael Douglas’ Ehefrau) und Justin Bartha („Hangover“) spielen ein ungleiches Paar, das langsam, aber sicher zueinander findet. Ob dieser Film zu empfehlen ist oder man sich doch lieber nicht in ihn verlieben sollte, erfahrt ihr in nachfolgender, völlig unromantischer Kritik.

Weiblich, geschieden, alt sucht …
Sandy (Catherine Zeta-Jones) könnte mit ihrem Leben ganz zufrieden sein: Sie ist mit einem scheinbar tollen Mann verheiratet, Mutter von Sadie (Kelly Gould) und Frank (Jake Cherry) und wohnt in einem hübschen Haus in einer Kleinstadt. Doch zufällig gerät ihr ein verräterisches Video in die Finger, welches die Untreue ihres Mannes aufdeckt. Für Sandy ist der Fall klar: Sie packt ihre Kinder in den Wagen und flüchtet nach New York! In der für sie ungewohnten Großstadt muss sie sich erst einmal zurecht finden. Glücklicherweise ergattert sie schon rasch einen guten Job.

Wie es das Schicksal will, trifft sie im Rahmen eines Selbstverteidigungskurses für Frauen den etwas naiven Studenten Aram (Justin Bartha). Als sie einen Babysitter braucht um ein Date wahrnehmen zu können, entsinnt sie sich des netten jungen Mannes und bietet ihm die Stelle an. Prompt sagt Aram zu. Während sich Sandys Rendezvous zum Fiasko entwickelt, sind ihre Kinder vom männlichen Babysitter ganz begeistert. In weiterer Folge nimmt sich Aram immer wieder sowohl der Kinder, als auch Sandy an und wird zu einem Teil der Familie. Nicht geplant war freilich, dass sich die 40jährige Mutter und der 25jährige ineinander verlieben …

Sind 15 Jahre Altersunterschied zu viel?
Der Plot ist natürlich denkbar unoriginell und dennoch überraschend selten anzutreffen. Während Altersunterschiede kaum eine Rolle spielen, wenn der Mann weitaus älter als die Frau ist, ruft dies im umgekehrten Falle zumindest Verwirrung, wenn nicht gar völlige Ablehnung hervor. Derlei Liebesverhältnisse enden zumal meist wenig glücklich: Man denke an „Die Reifeprüfung“ oder „Harold and Maude“.

In „Lieber verliebt“ – übrigens ein heißer Anwärter auf die dümmlichste Titel-Übersetzung des Jahres – beträgt der Altersunterschied zwischen der reifen zweifachen Mutter und dem hinter den Ohren noch grünen Studenten 15 Jahre. Was vor 40 Jahren noch für Aufsehen gesorgt hätte, ist heutzutage wohl kaum noch jedwede Aufregung wert.

Die wahre Crux des Filmes liegt jedoch ganz woanders. Die Chemie zwischen Catherine Zeta-Jones und Justin Bartha stimmt einfach nicht. Während Zeta-Jones ihre Rolle als völlig unglamouröse Mutter sehr gut meistert, ist Bartha ein fast unablässig grinsender, blasser Teenager im Körper eines Erwachsenen. Was diese attraktive, weltgewandte und kluge Frau an dem komplett witzlosen und uninteressanten Charakter finden soll, erschließt sich nicht. Ebenso wenig wie der Umstand, dass ausgerechnet in den USA jemand eine männliche Nanny engagieren sollte

Kacken, kotzen, Obszönitäten & Co. in einer Romantikkomödie?
Dass die Entwicklung des Plots so vorhersehbar wie die Neujahrsansprache eines beliebigen Politikers ist – geschenkt! Von Romantikkomödien dieser Art erwartet man sich keine verblüffenden Wendungen oder komplexen Charakterzeichnungen.

Was man sich hingegen erwarten würde wären eine liebevolle Regie sowie akzeptable Gags. In beiden Punkten erweist sich „Lieber verliebt“ als grandioser Fehlschlag. Die Regie lässt in ihrer Statik eher an Fernsehfilmchen denken und versteht es nicht, aus der New Yorker Kulisse Kapital zu schlagen.
Weitaus ärgerlicher sind hingegen die „Witze“. Verglichen mit diesem Streifen stellen die „American Pie“-Filme höchst niveauvolle Unterhaltung mit hintersinnigem Humor dar. Die Fäkalgags schmerzen doppelt: Sie sind nicht nur schlecht, sondern zudem grausam an den Haaren herbeigezogen oder zumindest vorhersehbar wie die Streckenführung einer Fluglandebahn. Beispiel gefällig? Nun, was könnte wohl geschehen, wenn einem Jungen speiübel ist und ihn seine Schwester mit allerlei Abscheulichkeiten aufzieht? Richtig: Er kotzt sie an. Meine Damen und Herren: Humor vom Feinsten!

Apropos: Sandys Kinder zählen zum Nervigsten, das die Leinwand je ertragen musste. Es mag ja zwischendurch lustig sein, wenn ein naseweises Kind herzhaft flucht oder unanständige Wörter von sich gibt. Allerdings scheint es, als wären die beiden Kinder einzig deshalb im Film, um die zulässige Quote an „schlimmen“ Worten zu erfüllen. Dass die Nervensägen ihre Mutter und ihre männliche Nanny beim Doktorspiel überraschen und dies entsprechend kommentieren, versteht sich wohl von selbst.
Der einzige gelungene Witz des ganzen Filmes fällt in die Kategorie „unbeabsichtigter Gag“: Gleich bei ihrer Ankunft in New York werden Sandy und die Kinder Opfer eines Exhibitionisten in klassischer Pennerkleidung. Was kommt zum Vorschein, als der ungepflegte Mann den Mantel öffnet? Ein entblößter Oberkörper … wie pervers …

Fazit: Wer seine Liebeskomödie nicht nur vorhersehbar, sondern auch fäkalorientiert und ohne jeglichen Anflug von Humor wünscht, ist mit „Lieber verliebt“ bestens bedient. Alle anderen sollten diesen Film höchstens als Lehrstück dafür studieren, wie man einen Film komplett vergurkt und die tolle Catherine Zeta-Jones geradezu vorführt.


Darsteller

  • Catherine Zeta-Jones … Sandy
  • Justin Bartha … Aram Finklestein
  • Kelly Gould … Sadie
  • Jake Cherry … Frank Junior
  • Steve Antonucci … Waiter
  • Megan Byrne … Molly Foster
  • John Schneider … Sandys Datepartner
  • Robert Bizik … Sportsprecher
  • Marc Alan Austen … Rabbi
  • Peter Francis James … Arzt

Regie
Bart Freundlich

Produktionsland, Jahr
USA, 2009

Lieber verliebt Trailer



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Ein Kommentar

  1. Also ich könnte diese Filmkritik geradezu in die tonne kloppen, es ist ein genre typischer film und jeder weiß was zu erwarten ist. Ich finde den film sehr unterhaltsam bin 22 und männlich und der großteil meiner freunde findet ihn ebenfalls sehr gelungen und zum nochmal schaun. Die charactere sind ausgeklügelt und der film sprüht vor witz und szenen die einem zum lächeln bringen. Achja bevor ich es vergesse, die filmmusik ist auserordentlich passend geweählt.
    Entschuldigt meine rechtschreibung ich kann noch nicht lange deutsch und versuche mein bestes , aber dieses Text zu lesen macht mich wütend!

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