Ich – Einfach Unverbesserlich Filmkritik

Ich - Einfach Unverbesserlich FilmkritikNun wagt also auch „Universal“ den Sprung ins 3D-Animationskino. Warum auch nicht, waren doch bislang fast alle 3D-Filme seit „Avatar“ sichere Kassenerfolge. Vermutlich wird es nicht mehr allzu lange dauern, bis auch Uwe Boll eine Computerspielverfilmung in 3D produzieren wird.
Mit „Ich – Einfach Unverbesserlich“ ging „Universal“ immerhin ein Wagnis ein: Weder basiert die Story auf einer populären Vorlage, noch wird damit eine erfolgreiche Reihe fortgesetzt oder – Plan B – auf ein Remake gesetzt. Finanziell zahlte sich das Risiko aus: Der knapp 70 Millionen Dollar teure Animationsstreifen spielte alleine in den USA eine Viertelmilliarde Dollar ein. Wenn das mal nicht nach Teil 2 riecht …

Natürlich freuen wir uns alle darüber, wenn ein warmer Geldregen auf die notleidenden Studiobosse niederfällt. Aber wie sieht es mit der Qualität des Filmes aus? Kann „Ich – Einfach Unverbesserlich“ mit Genreprimus Pixar mithalten? Die Antwort auf diese Frage findet ihr hier, bei eurem unverbesserlich genialen Filmkritiker!

Mondsüchtig
Schlimme Zeiten für den stets dunkel gekleideten und gebückt laufenden Superschurken Gru (Originalstimme: Steve Carell). Ein junger Emporkömmling namens Vektor (Originalstimme: Jason Segel) hat ihm den Rang des fiesesten Bösewichts auf Erden abgelaufen. Während Gru lediglich die Las-Vegas-Nachbildungen der Freiheitsstatue und des Eiffelturms stehlen konnte, ist Vektor der ganz große Coup geglückt: Er tauschte heimlich die Pyramide von Gizeh gegen ein aufblasbares Gummi-Imitat aus.

Bösewicht Gru - Photo Credit: Universal Pictures and Illumination Entertainment

Verärgert plant Gru das schier Unmögliche: Er will den Mond stehlen und somit in die Geschichtsbücher eingehen! Rein technisch wäre dies möglich. Doch auch ein Schurke braucht zur Umsetzung seiner Pläne Geld – und ausgerechnet in diesem wichtigen Moment verweigert ihm seine Hausbank (die „Bank of Evil“) den hierfür nötigen Kredit, weil er angeblich zu alt und unfähig sei. Aber Gru gibt nicht auf. Mit Hilfe der drei Waisenmädchen Margot (Originalstimme: Miranda Cosgrove), Agnes (Originalstimme Fisher) und Edith (Originalstimme: Dana Gaier) hofft er, doch noch den angestrebten Erfolg zu erzielen. Wohl oder übel muss er die drei Plagegeister adoptieren – sehr zum Missfallen seines treuen Wissenschaftskollegen Dr. Nefario (Originalstimme: Russell Brand), der mit wachsender Unruhe feststellen muss, dass die Kinder Grus kaltes Herz zum Schmelzen bringen und dadurch das ganze Projekt gefährdet ist …

Fieser, netter Schurke
Die Idee, anstatt des strahlenden Helden den Schurken ins Zentrum des Filmes zu stellen, erweist sich als goldrichtig. Gleich zu Beginn des Filmes wird der Zuschauer Zeuge von Grus Boshaftigkeit. Er schenkt einem Jungen, der sein Eis auf den Boden fallen hat lassen, zum Trost einen Luftballon. Nur, um diesen wenige Sekunden später mit einer Nadel zerplatzen zu lassen, woraufhin der Junge mit entsetztem Gesichtsausdruck wie erstarrt auf seinem Platz verharrt. Fast könnte man einen philosophischen Unterton in dieser Sequenz vermuten.

Photo Credit: Universal Pictures and Illumination Entertainment

Trotzdem ist Gru kein Monster, sondern lediglich ein exzentrischer Misanthrop. Schuld daran trägt wohl seine ebenfalls fiese Mutter (Im Original von der „Mary Poppins“-Nanny Julie Andrews gesprochen!), die ihrem einstmals aufgeweckten Jungen jegliche Freude vergällte und ihn mit permanentem Liebesentzug bestrafte. Kein Wunder also, dass aus Gru ein verbitterter Eigenbrötler wurde. Vielleicht liegt es ja tatsächlich an dieser küchenpsychologischen Erklärungen für seine Boshaftigkeit, weshalb man Sympathien für Gru entwickelt und selbst dann lacht, wenn er gegenüber seinen Mitmenschen mal wieder richtig gemein war.

Angeblich leitet sich der Name von den Initialen des russischen Geheimdienstes GRU (Glavnoye Razvedyvatel’noye Upravleniye) ab, was den deutlichen russischen Akzent in seiner Stimme erklärte. Verwirrenderweise kommt die Originalversion mit Steve Carells Stimme ohne diesen Akzent aus …

Gags und Anspielungen en masse
Natürlich steht auch in „Ich – Einfach Unverbesserlich“ nicht die Story im Vordergrund. Der Plot ist ein alter Hut und vorhersehbar: Kinderfeind wird mit drei Exemplaren noch nicht ausgereifter Menschen konfrontiert und beginnt mit der Zeit sie zu mögen, was für allerlei Komplikationen, wie einer kurzfristigen Trennung, sorgt. So weit, so klischeehaft. Die gute Nachricht ist: Das spielt überhaupt keine Rolle! Denn das „Was“ wird deutlich vom „Wie“ überragt. Kurzum: Der Plot ist Nebensache, reichlich absurd und physikalisch der blanke Irrsinn. Aber gerade das macht gute Filme aus: Es bleibt dem Zuschauer keine Zeit über die Ungereimtheiten und Klischeehaftigkeiten nachzugrübeln. Denn auf der Leinwand – respektive dem Fernseher – jagt ein Gag den nächsten.

Und hierbei muss man „Universal“ ein Kompliment machen: Es wurden keine halben Sachen gemacht und so richtig hineingelangt in die Gagkiste! Neben den mittlerweile in Animationsfilmen gewohnten Albernheiten finden sich auch schwarzhumorige Stellen und Anspielungen auf das Tagesgeschehen. So befindet sich etwa über der „Bank of Evil“ eine Plakette die darüber informiert, dass es sich um die ehemalige „Lehman Brothers“-Bank handle. Ob man darüber lachen kann, wenn ein kleines Mädchen in eine „Eiserne Jungfrau“ gerät, die zuschnappt, woraufhin eine rote Flüssigkeit aus dem Deckel quillt, ist Geschmackssache. Um schockierte Leser zu beruhigen: Das Mädchen wurde bei dem Stunt nicht verletzt.

Photo Credit: Universal Pictures and Illumination Entertainment

Auch wenn sich die Kinder dankenswerterweise nicht wie in den meisten ähnlich gearteten Filmen als Nervensägen entpuppen: Die heimlichen Stars des Streifens hören auf den Namen „Minions“ und sind die tüchtigen Helferchen des Superschurken Gru. Ihre seltsame Sprache versteht man zwar nicht, doch das ist auch nicht nötig. Ihre Gesten und Laute sagen mehr als Worte! Wann immer sie auftauchen ist Lachen angesagt – und zwar von Anfang bis Ende des rund 90 Minuten langen Animationsfilmes.

Kurzum: Was kann man von einem gelungenen Film mehr erwarten? Ja, sicher: Eine komplexe Story, die einen noch lange nach dem Angucken beschäftigt, kultige One-Liner und dergleichen mehr. „Ich – Einfach Unverbesserlich“ ist mit Sicherheit kein Meisterwerk der Animationskunst geworden. Trotzdem macht der Film einfach ungeheuren Spaß und ist keine Sekunde lang unerträglich schmalzig oder fade geraten. Und, ja: Das ist als Seitenhieb auf „Für immer Shrek“ zu verstehen …



Sprecher

  • Steve Carell … Gru (Originalstimme)
  • Jason Segel … Vector (Originalstimme)
  • Russell Brand … Dr. Nefario (Originalstimme)
  • Julie Andrews … Gru’s Mom (Originalstimme)
  • Will Arnett … Mr. Perkins (Originalstimme)
  • Kristen Wiig … Miss Hattie (Originalstimme)
  • Miranda Cosgrove … Margo (Originalstimme)
  • Dana Gaier … Edith (Originalstimme)
  • Elsie Fisher … Agnes (Originalstimme)
  • Pierre Coffin … Tim der Minion / Bob der Minion / Mark der Minion / Phil der Minion / Stuart the Minion (Originalstimme)
  • Chris Renaud … Dave der Minion (Originalstimme)
  • Jemaine Clement … Jerry der Minion (Originalstimme)
  • Jack McBrayer … Carnival Barker / Touristenvater (Originalstimme)
  • Mindy Kaling … Touristenmutter (Originalstimme)
  • Danny McBride … Fred McDade (Originalstimme)

Regie
Pierre Coffin, Chris Renaud

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

Ich – Einfach Unverbesserlich Filmkritik Trailer



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