Beflügelt – Ein Vogel namens Penguin Bloom Kritik

Beflügelt - Ein Vogel namens Penguin Bloom Kritik

Die Krankenschwester Sam Bloom (Naomi Watts) hat ein ruhiges, sorgenfreies Leben. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Fotografen Cameron (Andrew Lincoln), und den drei Söhnen Rueben (Felix Cameron), Noah (Griffin Murray-Johnston) und Oli (Abe Clifford-Barr) in einem großen Haus, das idyllisch am Strand gelegen ist. Das Schicksal wendet sich jedoch gegen Sam, als sie im Familienurlaub in Thailand schwer verunglückt: Wegen eines wackeligen Balkongitters stürzt sie ungebremst aus über sechs Metern in die Tiefe. Sie überlebt den Sturz zwar, ist fortan aber querschnittgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. In der Folge zieht sich Sam immer mehr in die innere Isolation zurück und wird depressiv. Erst als Noah eines Tages mit einer flugunfähigen Elster nach Hause kommt, ändert sich Sams Leben allmählich. Langsam baut sie eine Beziehung zu dem Tier auf, das auf den Namen „Penguin“ getauft wird – und Sam schöpft neue Kraft und Hoffnung.

„Beflügelt“ erzählt eine herzerwärmende Geschichte mit tragischem Hintergrund. Das Drama ist mit seiner emotionalen, zum Kitsch neigenden Prämisse eigentlich wie gemacht für ergreifendes, großes Gefühls-Kino – doch die Story dahinter beruht tatsächlich auf wahren Begebenheiten. Der Unfall der echten Sam Bloom ereignete sich 2013. Penguin lebte insgesamt zwei Jahre bei den Blooms und entwickelte sich in dieser Zeit zu einem echten Online-Phänomen mit eigenem Instagram-Account. Nachdem Sam ihre schwere Depression überwunden hatte, entwickelte sie sich zudem zu einer erfolgreichen Parakanutin. Bei den Sommer-Paralympics 2016 in Rio errang sie einen hervorragenden siebten Rang.

Der australische Filmemacher und Drehbuchautor Glendyn Ivin legt bei seiner Verfilmung dieser unglaublichen Geschichte großen Wert auf Wahrhaftigkeit und Authentizität. Das fängt bereits damit an, dass er seine Schauspieler in einem realistischen Setting und Umfeld auftreten lässt. Denn die Drehs der Innenaufnahmen im Haus der Familie fanden im echten Haus der Familie Bloom statt. Zu diesem hohen Grad an Realismus zählt auch, dass Ivin auf jeglichen Anflug von Überemotionalisierung sowie übertrieben sentimentale, affektierte Momente und Szenen verzichtet.

Er zeigt alles so, wie es sich in Wahrheit abgespielt hat. Die echten Blooms waren an den Dreharbeiten beteiligt und von Anfang bis Ende in die Produktion involviert. Ivins großer Vorteil ist auch, dass er über einen bestechenden Cast verfügt, der die Empfindungen und Befindlichkeiten seiner Figuren jederzeit glaubwürdig darstellt. Allen voran die phantastische Naomi Watts, deren Gefühlslagen und (psychische) Zustände radikal schwanken und von Extremen gezeichnet sind: von Verbitterung, Tobsuchtsanfällen und gegen ihren Mann gerichteten Zynismus über kurze Momente des Glücks bis hin zum langsamen Erwachen der alten Lebensfreude und des Glücks. Watts‘ Dringlichkeit und Intensität ihrer Darbietung ist fast körperlich spürbar und sie führt einen mit ihrem virtuosen Spiel tatsächlich an die Grenze des Erträglichen.

Auch die Szenen mit Penguin kommen ohne Kitsch und aufgesetzte Rührseligkeit aus. Stattdessen schließt man den Vogel schnell ins Herz und erfreut sich an seinen Fortschritten – und den positiven Auswirkungen auf Sams Zustand sowie Gemütslage. Und ebenso visuell beeindruckt „Penguin Bloom“. Dabei bilden die in magisches Licht getauchten Bilder vom Strand, dem Meer und der Natur einen optisch starken Kontrast zum – dunklen – Seelenzustand der Hauptfigur. Die verheißungsvoll-unbeschwerten Augenblicke des Glücks, als die Familie vor dem Unfall sorgenfrei am Strand tobte, ebenso wie die Rückblenden wirken im Angesicht des gegenwärtigen Schicksals um Sam umso mächtiger und dringlicher.

Fazit: Eine reichlich detaillierte und schmerzhaft realistische, bildgewaltige Charakterstudie über eine Frau, die nach einem schweren Unfall dank eines verletzten Vogels neuen Lebensmut gewinnt und ihr Schicksal allmählich annimmt.

Bewertung: 9/10

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