Tides (2021) Kritik

Tides 2021 Kritik

Aufgrund einer globalen Naturkatastrophe ist die Erde unbewohnbar geworden. Riesige Wassermassen haben den Planeten unter sich begraben und fast alle Menschen in den Tod gerissen. Einige Bewohner, die es sich leisten konnte, flohen damals auf den Planeten Kepler 209 und entwickelten dort eine neue Zivilisation. Mehr als 200 Jahre sind seitdem vergangen und nun wird eine Expedition, die Ulysses I, zur Erde geschickt, um die Lebensmöglichkeiten und die Situation auf dem Heimatplaneten zu erkunden. Jahre zuvor verschwand bereits die Mission Ulysses II spurlos auf der Erde. Auf dieser macht die Astronautin und Wissenschaftlerin Louise Blake (Nora Arnezeder), die Teil der neuen Expedition ist, Entdeckungen die sich nicht nur möglich hielt.

Zehn Jahre ließ sich der Schweizer Regisseur Tim Fehlbaum Zeit, nachdem er mit seinem Debüt im Jahr 2011 für Furore sorgte. Und schon in seinem Erstling, dem in gleißendes Licht getauchten Endzeit-Drama „Hell“, befasste er sich mit dem Überlebenskampf in einer postapokalyptischen Welt. Er und sein Team aus internationalen Darstellern drehten „Tides“ vor allem im Hamburger Wattenmeer und im Studio Babelsberg in Potsdam. Die deutsche Premiere erfolgte im Sommer 2021 beim Filmfest München.

In einer Szene des Films, sie ist Teil einer Rückblende in der Louises Vater und Louise als Kind zu sehen sind, verweist Fehlbaum überdeutlich auf die zentrale Botschaft von „Tides“. Darin spricht der Vater über ein kleines Gebiet auf der Erde, das noch nicht vom Menschen zerstört und ausgebeutet worden sei. Wenig später macht sich die erste Ulysses-Delegation auf, diesen Ort zu finden und alles für die Rückkehr der Menschen auf die Erde vorzubereiten. Louises Vater wird diese Mission leiten.

Um auf die zentrale Öko-Message von „Tides“ zu verweisen, hätte es diese Szene gar nicht gebraucht. Denn die Kernbotschaft erschließt sich bereits aus der Inhaltsangabe. Erfreulich ist, dass Fehlbaum ansonsten darauf verzichtet, auffällig und demonstrativ vor allem in Form von Dialogen auf die Schuld des Menschen an der Zerstörung der Erde zu verweisen. Denn das ist längst und allseits bekannt. Vielmehr lässt Fehlbaum Bilder sprechen. Und diese sind beeindruckend sowie die große Stärke von „Tides“. Der Mix aus Original-Drehorten, gewaltigen CGI-Kulissen und Studiobauten erweist sich als stimmig und vermittelt die trostlose, unheilvolle Endzeit-Stimmung auf dem einstmals blauen Planeten glaubhaft.

Zu Beginn informiert ein Infotext über die Vernichtung des Planeten durch Pandemien, Kriege und Umweltkatastrophen. Vor dem Hintergrund der noch immer nicht ausgestandenen, globalen Corona-Krise und der jüngsten Überschwemmungen in Deutschland könnte „Tides“ daher wahrlich aktueller und zeitgemäßer nicht sein. Etwas schade ist, dass der Film einige Inhalte und Themen, die er aufs Tableau bringt, stiefmütterlich und nur oberflächlich behandelt. Fehlbaum reißt sie nur an anstatt sie näher zu beleuchten. Dazu zählt unter anderem die Frage nach den Auswirkungen ultra-kommunistischer Systeme und Ideologien auf den Einzelnen. Denn auf Kepler 209 existiert eine gleichgeschaltete Gesellschaft, in der die Gemeinschaft alles, der einzelne aber nichts gilt.

Dafür können die (Neben-) Darsteller überzeugen, von denen die Französin Nora Arnezeder als toughe Einzelkämpferin und Iain Glen („Game of Thrones“) als undurchsichtiger Kepler-Exilant, der ein falsches Spiel spielt, herausstechen.

Fazit: Umwerfend bebildertes, von einer bedrückenden Stimmung durchzogenes Endzeit-Drama, das einige Themen nur unzureichend bearbeitet. Dafür brillieren die überzeugenden Schauspieler, die die inneren Konflikte ihrer Figuren für den Zuschauer spürbar machen.

Bewertung: 7/10

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