The United States vs. Billie Holiday Kritik

The United States vs. Billie Holiday

In den 40er-Jahren erlebt die schwarze Jazz-Sängerin Billie Holiday (Andra Day) große Erfolge und wird sowohl von vielen schwarzen als auch weißen Menschen gehört. Einige ihrer Songs sind sehr politisch und prangern die Gewalt gegen Schwarze an, allen voran ihr bekanntestes Lied, „Strange Fruit“. Da Holiday mit ihren Liedern die langsam aufkommende Bürgerrechtsbewegung stärkt, will Bundesagent Harry Anslinger (Garrett Hedlund) die Sängerin aus dem Verkehr ziehen. Holiday ist aufgrund ihrer jahrelangen Heroinabhängigkeit angreifbar. Und so wird sie kurz darauf tatsächlich wegen Drogenbesitzes und -konsums verurteilt. Zwischen die Fronten gerät dabei vor allem Jimmy Fletcher (Trevante Rhodes). Der schwarze Bundesagent hat wesentlichen Anteil an den Ermittlungen gegen Holiday, doch ihn verbindet mehr mit der Künstlerin als er zugeben mag.

„The United States vs. Billie Holiday“ basiert auf dem 2016 erschienen Roman „Chasing the Scream“ und wurde von Lee Daniels inszeniert. Für Daniels ist es der erste Spielfilm seit „Der Butler“ (2013), in dem er sich bereits mit dem Thema der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung befasste. In den letzten Jahren inszenierte er ausschließlich Episoden für Serien wie „Empire“ oder „Star“. Seine Hauptdarstellerin, Andra Day, ist auch im wahren Leben Sängerin. Mit ihrem im Bereich R’n’B angesiedelten Debütalbum gelang ihr 2015 der Einstieg in die US-Charts.

Regisseur Daniels ließ in Interviews vor der Premiere sehr oft verlauten, dass sein Werk nicht als Biopic verstanden werden soll. Zurecht, denn stets der Wahrheit und realen Begebenheiten verpflichtet ist „The United States vs. Billie Holiday“ tatsächlich nicht. Vielmehr nimmt er sich erzählerische Freiheiten heraus und erweitert seine Protagonisten, etwa den hin- und hergerissenen Agenten Fletcher, um nicht bestätigte Charaktereigenschaften sowie Wesenszüge. Dieser Mix aus Fakt und Fiktion ist in Filmen dieser Art, die (angeblich) zu weiten Teilen auf realen Ereignissen beruhen, seit jeher problematisch. Wo endet das Bewiesene und Erwiesene, wo beginnen die Interpretation und These? Man weiß es nicht.

Es geht in diesem Mosaik aus Künstler-Porträt, politischem Drama und Drogen-Krimi zudem nie um die künstlerisch-kulturelle Lebensleistung von Holiday, als vielmehr schwerpunktmäßig um den rassistisch geführten Drogenkrieg der Bundesbehörden zur damaligen Zeit. Dass der Film darauf so vehement verweist und es zum Leitthema seiner Betrachtung macht, ist wichtig und unbedingt nötig, da er damit zur Aufklärung und Wissensbildung des Zuschauers beiträgt. Dennoch hätte „The United States vs. Billie Holiday“ ein wenig mehr auf die auch heute noch zentrale Bedeutung der Kunst Holidays für das Selbstverständnis vieler Schwarzer hinweisen können – oder sogar müssen.

Immerhin hört man einige in voller Länge dargebotene Stücke von Billie Holiday, die von der charismatischen, fabelhaft aufspielenden Andra Day auf unnachahmliche Weise zum Leben erweckt werden. Sie ist das Highlight des Films. Ihre Darbietung ist hingebungsvoll, präzise und voller Leidenschaft. Außerdem, und das hatten viele im Vorfeld nicht für möglich gehalten, reicht sie stimmlich wahrhaftig beinahe an die Überlebensgroße Holiday heran. Doch letztlich kommt auch sie nicht gegen die Drehbuch-Schwächen (viele Themen werden nur angerissen) sowie die verwaschene, verwirrende Gemengelage aus Drogen-geschwängerten, surrealen Träumen, Rückblenden und in der filmischen Gegenwart verorteten Szenen an.

Fazit: Trotz einer kraftvoll und glaubwürdig agierenden Hauptdarstellerin und wichtiger Botschaften, verkommt „The United States vs. Billie Holiday“ zum filmischen Mittelmaß. Denn zu vage und uneindeutig sind die Verflechtungen aus Wahrheit und Fiktion, zu unausgegoren die Inszenierung und Dramaturgie.

Bewertung: 5 / 10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.

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