Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Indiana Jones und das Königreich des KristallschädelsNicht nur alteingesessene Indiana Jones-Fans freuten sich riesig auf das neuste Abenteuer des Archäologen unter dem Titel: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels. Zwar ist Indy und auch Harrison Ford, der ihn auf der Leinwand verkörpert, schon ein wenig gealtert, dennoch verspricht vor allem der Trailer zu Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels wieder viel Action. Dennoch waren viele schon vor Filmstart skeptisch, ob Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels an die Klasse der Vorgängerfilme anschließen kann. Hier erfährt man es.

Ungefähr 1,2 Milliarden guter Gründe sprachen für einen vierten Teil der Indiana-Jones-Filmreihe. So viel spielten die ersten drei Teile weltweit alleine in den Kinos ein. Das zigfache dieser Summe erzielten Video- und DVD-Verkäufe, sowie eine schier unüberschaubare Anzahl an Lizenzprodukten.

Indiana Jones ist nicht einfach ein globaler Hype, der ebenso rasch wieder verschwunden ist, wie er aufgetaucht ist, sondern ein popkulturelles Phänomen, das aus der westlichen Kultur nicht mehr wegzudenken ist. Praktisch jeder kennt den Abenteuer-Archäologen mit Schlapphut und Peitsche, und für Millionen Fans zählt das regelmäßige Eintauchen in Indys Welt mit geheimnisvollen Artefakten, dunklen Mächten und irren Actionsequenzen längst zur Tradition.

Was lange währt, wird endlich, schnappt Mister Jones sich seinen Hut
Vor diesem Hintergrund verwundert ein vierter Indiana-Jones-Teil keineswegs – vielmehr erstaunt, dass es fast zwei Jahrzehnte dauerte, bis Harrison Ford erneut in seine berühmteste und beliebteste Rolle schlüpfte.

Natürlich birgt ein solches „Comeback“ stets die Gefahr, den Charme des Originals vermissen zu lassen oder gar – Stichwort Star Wars – zur unfreiwilligen Selbstdemontage eines mühsam errichteten Denkmals beizutragen.
Ob es Steven Spielberg mit Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels besser gemacht hat, wollen wir nachfolgend ergründen.

Mit dem Mutt der Verzweiflung
Indiana Jones (Harrison Ford) und sein Freund Mac (Ray Winstone) befinden sich in einer denkbar ungünstigen Lage: Ein Heer russischer Agenten, angeführt von der eiskalten Irina Spalko (Cate Blanchett), hat die beiden entführt und auf eine geheime amerikanische Militärstation verschleppt. Dort befindet sich eine Kiste mit einem Außerirdischen an Bord, dessen Raumschiff 1947 in Roswell abgestürzt ist.

Alleine Indiana kann herausfinden, in welcher der unzähligen gelagerten Kisten jener E.T. aufbewahrt wird. Nachdem er die richtige Kiste herausgepickt hat, erwarten ihn zwei unangenehme Überraschungen: Mac stellt sich als Verräter heraus, der längst mit den Russen paktierte, und Irina Spalko sieht keinen Verwendungszweck mehr für den Archäologen und befiehlt seine Beseitigung.

Natürlich gelingt es dem cleveren Indiana dennoch, zu fliehen, aber das Abenteuer fängt jetzt erst richtig an, als ihn der Halbstarke Mutt Williams (Shia LeBeouf) bittet, ihm bei der Suche nach dem in Südamerika verschollenen Professor Oxley (John Hurt) zu helfen.
Indy kann die Hilfe kaum ablehnen, denn Mutt ist der Sohn Marion Ravenwoods (Karen Allen) – Indys einstige große Liebe …

Immer cool bleiben beim Atombombentest
Spielberg schlägt gleich zu Beginn ein atemberaubendes Tempo an: Nach dem kurzen Einstieg geht es bereits ordentlich zur Sache. Wie gewohnt meistert Indy schier ausweglose Situationen, steckt sämtliche Prügel locker weg und bleibt am Ende, der leicht verdattert dreinblickende Sieger.
Einen netten, durchaus ironischen Gag liefert der Film, wenn Indy auf seiner Flucht in einer merkwürdigen Kleinstadt Unterschlupf sucht – und bemerkt, dass sämtliche Einwohner der schmucken Häuser Puppen sind. Zu spät ereilt ihn die Erkenntnis, dass er sich auf einem Atombomben-Testgelände befindet und der Countdown bei der Zahl 0 angekommen ist…

Alter vor Schönheit
Die Entscheidung, den alten Haudegen Harrison Ford trotz seiner mittlerweile 66 Jahre uneingeschränkt in den Mittelpunkt des Filmes zu stellen, während der adrette Jungstar Shia LeBeouf meist in seinem Schatten steht, erweist sich als goldrichtig.
Gemäß Udo Jürgens musikalischer Weisheit „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, verkörpert Ford seinen Indy mit einer Spielfreude, die schlichtweg beeindruckend ist. Keine Spur Überdruss oder peinliche, nach hinten losgegangene „Selbstironie“ (wie man es leider Arnold Schwarzeneggers dritter Terminator-Verkörperung bescheinigen muss) – Harrison Ford ist Indiana Jones, ob mit knapp vierzig oder fast siebzig!

Lieblingsfeinde
Ein Abenteuerfilm lebt natürlich nicht nur von den Protagonisten, sondern auch von den Antagonisten. Und hier zeigt sich leider einer der Mängel des Films: Da Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels in den 1950er Jahren spielt, handelt es sich bei Indys Gegnern um Russen.
Diese können aber in Punkto Charisma und abscheulicher Faszination mit Nazis einfach nicht Schritt halten und sind zudem nach rund sechzig Jahren als „Standard-Bösewichte“ in westlichen Produktionen schlichtweg abgelutscht.

Handlung? Nebensache!
Angesichts zahlreicher Actionsequenzen, wie irre Verfolgungsjagden oder Angriffe tödlicher Urwaldbewohner, droht der Plot zu versinken. Zugegeben: Auch bei den ersten drei Indy-Filmen zählten die teils abstrusen Handlungsstränge, die Indy mal eben hierhin, dann wieder dorthin verschlugen, nicht zu den Stärken der Streifen. Aber die Handlung war stets logisch nachvollziehbar und ergab im Kontext der Filme Sinn.
Bei Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels kann man sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass viel zu viele Köche am Werk waren und den Drehbuch-Brei verdarben.

Entmystifizierung
Für teils herbe Kritik sorgte die Einflechtung außerirdischer Einflüsse auf die Handlung, die letzten Endes in ein ärgerlich kitschiges, banales Finale ohne richtigen Showdown abgleitet.
Spielbergs liebstes Steckenpferd, nämlich paranormale, mystische Begegnungen, bildete das Grundgerüst der ersten drei Indy-Filme. Die perfekte Mischung aus Realismus und dem immer noch stark in uns verankerten Wunsch nach mystischen Erfahrungen war es erst, die den Rahmen für die gewaltigen Erfolge bildete.

Diesen Rahmen verlässt Spielberg mit Teil 4, indem er das Mystische durch eine außerirdische Intelligenz ersetzt. So paradox es auch klingen mag: Technologisch uns weit überlegene Aliens flößen gewiss Respekt ein und versetzen in Erstaunen, doch der Hauch des völlig Unbegreiflichen, Transzendenten und Göttlichen, der vor allem Teil 1 und 3 belebte, lässt vor Ehrfurcht schaudern. Denn eben darin liegen unfassbare Geheimnisse und Mysterien, die sich nicht mit technischen Fortschritten rational erklären lassen.
Oder vereinfacht ausgedrückt: Ein außerirdisches Raumschiff, das in kürzester Zeit Lichtjahre überwindet, mag beeindruckend sein. Aber letzten Endes ist es nur ein extrem weit fortgeschrittenes Gefährt.
Die Bundeslade oder der Heilige Gral stellen hingegen göttliches Wirken dar, das unseren Verstand buchstäblich übersteigt.

Reif für die Helden-Rente?
Es fällt schwer, ein Fazit zu ziehen. Streckenweise, vor allem zu Beginn, ist die Atmosphäre der alten Indy-Filme klar zu spüren. Aber die enttäuschend lahme Story, blasse Gegenspieler, die völlig verschenkte Karen Allen und ein grandios vergurktes Finale machen einem doch schmerzlich klar: Einstiger Zauber lässt sich nicht beliebig wiederholen.

Somit fällt das Fazit zwiespältig aus: Einerseits ist Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ganz klar der bislang schwächste Teil der Reihe; andererseits war es wohl von Anfang an ein unmögliches Vorhaben, an den grandiosen dritten Teil quasi anknüpfen zu wollen.
Und trotz aller Schwächen und Unzulänglichkeiten kann man auch Teil 4 einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen, solange man sich dem Film nicht mit übertrieben hohen Erwartungen, die nun einmal die Vorgängerfilme wecken, nähert.

Angesichts des exorbitanten Erfolgs muss man jedoch von weiteren Indy-Filmen ausgehen, vermutlich mit Mutt Williams als designiertem Indiana-Jones-Ersatz.
Meiner Meinung nach hätte Indy seinen Hut und die Peitsche ruhig vor zwanzig Jahren an den Nagel hängen können.

Schauspieler

  • Indiana Jones … Harrison Ford
  • Irina Spalko … Cate Blanchett
  • Marion Williams … Karen Allen
  • Mutt Williams … Shia LaBeouf
  • Irina Spalko … Cate Blanchett
  • Marion Williams … Karen Allen

Regie
Steven Spielberg

Produktionsland, Jahr
USA, 2008

Indiana Jones Trailer

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