Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los

ice-age-3-hauptplakat2002 landete 20th Century Fox mit „Ice Age“ einen Überraschungserfolg. Die an sich unspektakuläre Geschichte um drei völlig unterschiedliche Charaktere, die trotz aller Fremdartigkeit eine tiefe Freundschaft zueinander entwickeln, rührte sowohl das Herz, als auch die Lachmuskeln. Kein Wunder daher, dass sieben Jahre später bereits Teil 3 in die Kinos gelangt. Ob dieser den Charme des ersten Teils wiederholen kann oder die mit „Ice Age 2: Jetzt taut’s“ begonnene Talfahrt fortsetzt, soll in nachfolgender, cooler Kritik ergründet werden.

Ei(s)ige Zeiten
Das einst missmutige Mammut Manfred und Erdgeschichteabschnittsgefährtin Ellie freuen sich auf die Geburt ihres Kindes. Manfred ist derart aus dem Häuschen, dass er sogar einen Spielplatz für den Junior angelegt hat.
Derweil leidet Diego unter einer persönlichen Krise, da er keinen Jagderfolg mehr landet und sich folglich zu alt findet. Auch Sid hat seine Probleme mit der ungewohnten Situation: Warum soll nur Manfred Vater werden? Zufällig findet das tollpatschige Faultier in einer unterirdischen Eishöhle drei scheinbar von der Mutter verlassene, riesige Eier. Flugs nimmt sich Sid des noch nicht geschlüpften Nachwuchses an und bugsiert sie unter großen Mühen an die Oberfläche.

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Die Überraschung nach dem Schlüpfen ist groß: Drei Baby-T-Rex’ sehen in Sid ihre Mutter und ahmen dessen Verhalten nach. Während das Faultier überglücklich ist, bahnt sich Unheil an. Denn die Besitzerin der Eier sucht nach ihrem entwendeten Nachwuchs, findet diesen schließlich und verschleppt Sid in eine von der oberen Welt abgeschottete Unterwelt. Natürlich machen sich Sids Freunde auf, ihren Kumpel zu retten. Was sie nicht ahnen: Die riesige T-Rex-Mutter ist bei weitem nicht die größte Gefahr in der fremden Welt …

Back to the Roots?
Wer sich eine Rückkehr zum lakonischen Humor und dem streckenweise erstaunlich ernsthaften Plot erhoffte, wird, das kann vorweggenommen werden, enttäuscht sein. „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ reiht sich in die Garde ungezählter Fortsetzungen ein, die das ursprüngliche Konzept verwässern oder völlig hinter sich lassen und sämtliche rauen Ecken und Kanten abschleifen, um ein möglichst großes Publikum anzusprechen.

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Die gute News lautet: „Ice Age“-Fans müssen auf keinen ihrer Lieblinge verzichten. Die Urgesteine Sid, Manni und Diego sind ebenso vertreten wie Scrat, das cholerische Säbelzahn-Eichhörnchen. Freilich: Wie in Sequels oftmals üblich, gesellen sich zum bekannten Cast weitere Mitglieder hinzu. Nachdem sich die Anzahl der Protagonisten in Teil 2 quasi verdoppelte, setzt „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ noch eines drauf. Der durchgeknallte Unterwelt-Rambo Buck nimmt eine zentrale Rolle ein und empfiehlt sich durchaus für weitere Fortsetzungen. Außerdem findet Scrat eine artverwandte Seele weiblicher Natur, die, gleich ihm selbst, auf der Jagd nach Eicheln ist.

Die weiteren Nebenfiguren spielen quasi keine Rolle und sind lediglich Staffage, um die Handlung voranzutreiben. Eine Handlung, der de facto keinerlei tiefere Bedeutung mehr zukommt. Schließlich geht es rund eine Stunde lang nur darum, Sid aus den Klauen eines riesigen Untiers zu befreien und sich der Angriffe unzähliger Dinosaurier zu erwehren.
Somit erschöpft sich das immer noch vorhandene Potenzial der „Ice Age“-Reihe in einer technisch vorzüglich aufbereiteten Action-Achterbahnfahrt, die zwischendurch lediglich durch jede Menge optischer Gags und Dialogwitze aufgelockert wird.

Mehr ist manchmal weniger
Nicht alle Gags zünden, doch die Mehrzahl sorgt für Lacher und ein, zwei Ausreißer erinnern sogar an den hintersinnigen, sich an Erwachsene orientierenden Humor. Etwa, wenn Buck über einen Schmetterling zu berichten weiß: „Ich kann ihn schon als Raupe, bevor er sich geoutet hat.“

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Problematisch ist hingegen die massive Anzahl an Hauptfiguren, die einander die Show stehlen. Wenn Scrat in einer Parallelhandlung die Bühne betritt, müssen alle anderen Protagonisten ohnehin zurückstehen. Nach wie vor ist der glubschäugige Nager der eigentliche Star der Reihe und weiß zu überzeugen. Die Idee, ihm ein hinterhältiges Weibchen zur Seite zu stellen, sorgt für einige beschwingte Parodien und allerlei Aberwitzigkeiten, die zu gefallen wissen.

Doch aus dem einstigen tierischen Trio wurden in Teil 3 nicht weniger als sieben Hauptfiguren. Und ohne zu viel verraten zu wollen: Man kann sich auf noch mehr Protagonisten in Teil 4 einstellen. Dies gehorcht einer der ungeschriebenen Regeln für Hollywood-Filme, bringt aber eben auch die typischen Probleme mit sich. Ein sich langsam entspinnender, hintergründiger Plot ist in „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ nicht mehr zu finden, genau so wenig wie eine behutsame Charakterisierung.

Während in „Ice Age“ der tragische biographische Hintergrund zu Mannis mürrischem Verhalten und Hass auf Menschen in einer der wohl berührendsten Szenen der Animationsgeschichte sorgsam enthüllt oder Sids Naivität anschaulich und witzig zugleich offenbart wird, mangelt es der zweiten Fortsetzung an solchen Plotentwicklungen.
Am Schlimmsten erwischt es Neuzugang Buck, über den der Zuschauer praktisch überhaupt nichts erfährt. Selbst die wenigen Informationsschnippel drängen den Verdacht auf, seiner psychotischen Persönlichkeit entsprungen und dadurch ohnehin Lügen oder Übertreibungen zu sein.
Mehr noch: Sein Status als „Superheld“, der alles weiß und alles kann, über geradezu magische Kräfte und Fähigkeiten verfügt und es mit den größten Dinos aufnimmt, bildet einen Kontrapunkt zu den eingeschränkten Wirkungskreisen der übrigen Protagonisten.

Otto der Große, Scrat der Kleine

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Neben Scrat sorgt Sid für die meisten Lacher, was nicht nur an seiner kindlichen Arglosigkeit, sondern nicht unwesentlich am Sprecher liegt. Sid scheint Ostfrieslands obersten Ottonen, Otto Waalkes, wie von 20th Century Fox auf den Leib animiert zu sein. Ob Otto glucksend lacht, um Hilfe schreit oder stupide Kurzreden schwingt: Sids Mimik, Gesten und Körperhaltungen passen exakt zu jeder Situation. Mit der Verpflichtung Ottos als Sids deutsches Sprachrohr wurde ein Glücksgriff getätigt.

Abgesehen von Buck verfügen die übrigen Tiere in der Unterwelt über keine Sprache und sind lediglich damit beschäftigt, die Neuankömmlinge zu jagen und die aus „Jurassic Park“ gewöhnten Laute auszustoßen. Diese Reduktion kann sogar passabel funktionieren, wie etwa zuletzt „Wall-E“ bewies. Hier ist sie nur das übliche Klischee, das mitunter nervt und die Frage aufwirft, ob es nicht ein interessantes Experiment gewesen wäre, die T-Rex-Mutter mit einer verständlichen Sprache auszustatten.

Harmloser Spaß für Zwischendurch
An der technischen Umsetzung gibt es erwartungsgemäß kaum etwas zu bekritteln. Mitunter wirken die Figuren immer noch etwas „eckig“ und das erst im (überhasteten) Showdown zur Gänze enthüllte „Über-Monster“ ist schlicht und ergreifend hässlich. Doch sind dies nur Kleinigkeiten, die das Gesamtbild nicht stören.

Genauso rund läuft auch der Plot: Die manchmal sehr fiesen Kommentare bergen kein Konfliktpotenzial, sondern sind lediglich harmlose Rangeleien unter Freunden. Überhaupt werden zwar Konflikte kurz angerissen, doch versanden diese so rasch, wie sie aufs Tapet gebracht wurden.

Anders als „Ice Age“ verzichtet „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ auf düstere Szenen und das Motiv des Todes. Was sieben Jahre zuvor tatsächlich noch etwas heftiger Filmstoff für Kinder war, wurde ersatzlos gestrichen, um eine komplett harmlose Komödie für die ganze Familie zu bieten. Eltern können ihre Kleinen bedenkenlos den Film angucken lassen: Selbst die „Actionszenen“ sind derart harmlos, mit Gags versehen oder überdreht, dass sie auch für Kleinkinder leicht zu verdauen sind.

Wer einen leichten Sommerblockbuster ohne Anspruch und mit viel Humor und Situationskomik sucht, kommt an „Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los“ kaum vorbei. Der sarkastische Humor und düstere Unterton des Originals ist jedoch Vergangenheit.


Deutsche Sprecher:

  • Otto Waalkes … Sid
  • Arne Elsholtz … Manni
  • Daniela Hoffmann … Ellie
  • Thomas Fritsch … Diego
  • Michael Iwannek … Buck
  • Julien Haggége … Eddie
  • Rainer Fritzsche … Crash

Regie
Carlos Saldanha

Produktionsland, Jahr
USA, 2009

Ice Age 3 – Die Dinosaurier sind los Trailer

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