Harriet – Der Weg in die Freiheit Kritik

Harriet Kritik

Harriet Tubman (Cynthia Erivo) quält sich Mitte des 19. Jahrhunderts wie so viele andere Afroamerikaner auf einer Baumwollplantage mit schwerer, zermürbender Arbeit. Mit ihrem Schicksal, für immer als Sklavin ihren Dienst tun zu müssen, will sie sich nicht abfinden. Sie entschließt sich zur Flucht. 1000 Meilen trennen sie von den rettenden Nordstaaten, zwischen ihr und der Freiheit liegen schier unüberwindliche Hindernisse wie Berge und reißende Flüsse. Letztlich gelingt ihr die beschwerliche Reise nach Philadelphia. Doch mit ihrer neu gewonnenen Freiheit will sich Harriet nicht zufriedengeben. Zumal es in den Südstaaten noch so viele Sklaven gibt (darunter auch ihr Ehemann). Und so tritt sie schließlich der Anti-Sklaverei-Organisation „Underground Railroad“ bei und begibt sich zurück in den Süden, um anderen Sklaven bei der Flucht zu helfen.

Der biografische Historienfilm „Harriet“ beruht auf wahren Begebenheiten. Er widmet sich Leben und Wirken der ehemaligen Sklavin und späteren Sklavenfluchthelferin Harriet Tubman, die in den USA heute zu den bekanntesten Personen der amerikanischen Geschichte zählt. Die von Kasi Lemmons („Candyman’s Fluch“) inszenierte Verfilmung entstand Ende 2018 vor allem im Bundesstaat Virginia. Lediglich 17 Millionen Dollar stand ihr an Budget zur Verfügung. Die Hauptrolle wurde mit der britischen Schauspielerin Cynthia Erivo besetzt, die einem breiten Publikum 2018 durch ihre Rolle in dem Thriller „Widows“ bekannt wurde.

Lemmons filmische Version der Lebensleistung dieser beeindruckenden Frau erweist sich von Beginn an als bildgewaltiges Manifest, das vor allem den Mut und die unbedingte Beharrlichkeit von Tubman in den Mittelpunkt rückt. Sie war angetrieben von dem dringlichen Verlangen, etwas zu verändern und die Situation für ihre Leidensgenossen zu verbessern. Cynthia Erivo entpuppt sich dabei als Idealbesetzung. Sie changiert gekonnt und ausgewogen zwischen Schmerz und Leid auf der einen Seite und Selbstlosigkeit sowie Entschlossenheit auf der anderen.

Überraschend ist, wie hoch die Action- und Spannungsanteile in „Harriet“ geraten sind. Vor allem die packenden Szenen der vielfach bei Nacht ablaufenden, unsicheren Fluchtversuche sind ein großer Gewinn für den Film. In diesen Momenten geht Regisseurin Lemmons elektrisierend und leidenschaftlich zu Werke, wenn sie den Flüchtenden mit ihrer Kamera dicht auf den Fersen ist und ihnen über die Schulter filmt – stets angeführt von der charismatischen, beherzt agierenden Tubman. Aufgrund der Strahlkraft der Titelfigur verkommen die meisten anderen Nebenfiguren jedoch leider zur Staffage.

Egal ob es sich um ihren Ehemann, den Sohn ihres früheren „Besitzers“ oder den Chef der „Underground Railroad“ handelt: Sie alle bleiben weitestgehend blass und wenig greifbar. Der größte Mangel jedoch besteht in der Tatsache, dass Lemmons viele weitere Leistungen und Lebensstationen von Tubman einfach nur kurz thematisiert (etwa eine folgenschwere Kopfverletzung in ihrer Jugend) oder ihnen überhaupt keine Beachtung schenkt. Keine Frage: Das Leben von Harriet Tubman, die über 90 Jahre alt wurde, bietet Stoff für zwei Filme und es ist eine Herausforderung, die wesentlichen Ereignisse in einem zweistündigen Film unterzubringen. Dass „Harriet“ jedoch Tubmans Kampf für das Frauenwahlrecht und ihr Engagement für die Frauenrechtsbewegung quasi nur nebenbei abhandelt und ganz knapp zusammenfasst, ist definitiv ein Ärgernis.

Fazit: Stark gespieltes, überwältigend bebildertes Biopic über eine unerschütterlich für ihre Überzeugung kämpfende Anführerin, das letztlich aber über wichtige Errungenschaften der Protagonistin hinweghastet und den Nebenfiguren zu wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Bewertung: 6/10

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