Duell – Enemy at the Gates

Das Drehbuch zu „Duell – Enemy at the Gates“ schrieb Jean-Jacques Annaud und Alain Godard. Die Musik stammt von James Horner. Der im Jahre 2001 veröffentlichte Film spielt während der Schlacht von Stalingrad im Jahr 1942.

Vorlage für den Film ist William E. Craigs Buch Enemy at the Gates: The Battle for Stalingrad von 1973. Der somit teilweise auf wahren Begebenheiten und Charakteren basierende Film entstand in den Filmstudios von Babelsberg in Deutschland.

Mit Kriegsfilmen ist das so eine Sache. Bis Mitte der 1940er Jahre waren die meisten Kriegsfilme reine Propaganda für die jeweils wohlgesonnene Regierung. Berührende, unparteiische Filme wie „Im Westen nichts Neues“ bildeten rühmliche Ausnahmen.
In den 1950er/1960er Jahren reflektierten sowohl Hollywood, als auch Deutschland sowie der ehemalige Ostblock die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.
Das hierbei gezeichnete Bild war fast immer das gleiche: Heldenhafte Amis oder Russen besiegen die bitterbösen Deutschen. Deutsche Filme milderten das ganze natürlich etwas ab, was teilweise zur Verharmlosung des in wacher Erinnerung befindlichen Regimes führte. Bis Ende der 1970er Jahre dümpelte der Kriegsfilm lustlos dahin, ehe der Vietnam-Krieg plötzlich Gegenstand vieler Produktionen unterschiedlicher Qualität wurde.

Vor einigen Jahren wurde der Zweite Weltkrieg wieder entdeckt. Aus amerikanischer Sicht durchaus verständlich, konnte sich „God’s own country“ nach Selbstzerfleischungen in Bezug auf die Kriegsverbrechen im Vietnam-Krieg, fragwürdigen Militäraktionen wie gegen den Irak oder Libyen und diversen Skandalen nach der guten alten Zeit zurücksehnen, als man noch strahlender Befreier der Menschheit vor dem Joch des Faschismus war.

Frankreichs Star-Regisseur Jean-Jacques Annaud (Der Name der Rose) wollte gleichfalls eins obendrauf setzen mit Enemy at the Gates, dem immerhin bis dato teuersten europäischen Film überhaupt.

Bereits 1993 wagte sich der deutsche Regisseur Joseph Vilsmaier mit seinem Film „Stalingrad“ an jenen (vermeintlichen, denn zu diesem Zeitpunkt war die Niederlage des Deutschen Reiches bereits längst besiegelt) Wendepunkt des Krieges, der zugleich eine der größten menschlichen Katastrophen darstellte.

Mit einem ungleich höheren Budget präsentierte Annaud seinen Blickwinkel des Krieges.

Der dürftige Inhalt dieser Schlachtplatte: Der Kampf um Stalingrad, dessen Symbolwert höher als der strategische Wert war, wird 1942/1943 mit aller Entschlossenheit geführt. Die russische Armee scheint der Wehrmacht hoffnungslos unterlegen und kann der ballistischen Übermacht des Feindes ausschließlich die Körper seiner mehr oder weniger freiwilligen Soldaten entgegensetzen.
Die Moral der Roten Armee ist am Boden. Da kommt es nur gelegen, dass der russische Heckenschütze Vassili Zaitsev (Jude Law) vom Polit-Offizier Danilov (Joseph Fiennes) zum Kriegshelden aufgebaut wird, der den Mut des russischen Volkes repräsentieren soll. Ein deutscher Befehlshaber nach dem anderen wird von Zaitsev erbarmungslos eliminiert, was die Wehrmacht unter Zugzwang setzt.
Und diese kontert mit dem deutschen Major König (Ed Harris), dem besten Scharfschützen westlich des Rio Grande, Verzeihung, westlich der Wolga.
Ein mit allerlei Tricks und Kniffen geführtes Duell der beiden besten Schützen der verfeindeten Armeen setzt an…

„Enemy at the Gates“ ist ein fragwürdiger Film. Die Eröffnungssequenz ist vielversprechend, erinnert jedoch sehr stark an den mindestens genau so verqueren „Der Soldat James Ryan“: Verängstigte russische Soldaten werden von der Wehrmacht noch vor Beginn einer der unzähligen Schlachten angegriffen und dezimiert. In dieser Phase verspricht der Film durch seinen grausamen Realismus einiges. Verstörend wird da etwa ein wahnwitziger Sturmangriff auf eine der deutschen Fronten präsentiert: Jeweils zwei russische Soldaten müssen sich ein Gewehr teilen. Fällt der Inhaber des Gewehres, darf es der Überlebende an sich nehmen. Rückzug ist verboten. Im Kugelhagel der Deutschen fällt ein Russe nach dem anderen, bis die Überlebenden den streng untersagten Rückzug antreten. Und von ihren eigenen Kameraden gnadenlos als Verräter niedergemäht werden.
An diesem Punkt wird der Wahnsinn des Krieges schonungslos aufgezeigt und man wagt zu hoffen, dass ein kritischer, unsentimentaler Kriegsfilm folgen würde.

Mitnichten! Alles, was nun folgt, könnte man getrost als Wildwest-Film bezeichnen. Der mutige Revolverheld muss sich dem sinistren Gegenspieler stellen und gewinnt die Liebe der schönen Bardame, in diesem Fall Soldatin.
Denn Rachel Weisz, die die russische Soldatin Tania Chernova verkörpert, darf nicht mehr als ihr hübsches Gesicht präsentieren. Jude Law bleibt ein blasser Kriegsheld ohne biographischen Hintergrund. Und Ed Harris, über dessen Wiedersehen man sich immer wieder freut, wurde nicht nur in eine Uniform, sondern auch in ein Rollenklischee gepresst.

Die Unverfrorenheit, mit der Annaud den Stil alter Western kopiert ist tatsächlich beeindruckend: Wenn Major König mit dem Zug in Stalingrad eintrifft, natürlich im edelsten Ambiente und stets adrett und korrekt gekleidet, denkt man automatisch an die Ankunft des schwarzen Revolvermannes in einer „Wells, Fargo&Co“-Postkutsche.

Und während, vom Film in weiterer Folge quasi völlig ausgeblendet, ringsum das sinnlose Blutvergießen erst so richtig beginnt, haben der böse Deutsche und der gute Russe nichts anderes im Sinn, als sich gegenseitig das Licht auszublasen.
Verstecken, auflauern, Fallen stellen – erinnert mehr an Cowboy und Indianer-Spiele aus der Jugend. Vielleicht durfte Annaud ja an diesen nie teilnehmen und musste sein Kindheitstrauma mit einem solchen Film ausbügeln.

Um es abermals zu verdeutlichen: In Stalingrad fielen Millionen Soldaten und Zivilisten, hunderttausende gerieten in Gefangenschaft, die der größte Teil nicht überlebte. Und all dies wird auf ein „Peng, Peng, du bist tot!“-Spiel reduziert.
Dazu gesellt sich passenderweise ein Happy End, das in bester „Deus ex Machina“-Manier alle Probleme aus Sicht des Helden löst.
Dies kommt eben heraus, wenn europäische Regisseure denken, sie müssten mit der Brechstange amerikanische Vorbilder kopieren.

Darsteller

  • Joseph Fiennes
  • Jude Law
  • Rachel Weisz

Regie
Jean-Jacques Annaud

Produktionsland, Jahr
Deutschland, England, Irland: 2001

Duell – Enemy at the Gates Trailer

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