The witch next door Kritik

The witch next door

Der Jugendliche Ben (John-Paul Howard) wird als Strafmaßnahme zu seinem Vater (Jamison Jones) in ein abgeschiedenes Küstenstädtchen geschickt, nachdem er beim Stehlen von Medikamenten ertappt wurde. Dummerweise hat sich Ben, dessen Eltern sich vor kurzem Zeit getrennt haben, bei dem versuchten Diebstahl auch noch den Arm gebrochen. Bei seinem Vater soll er, weit weg vom gewohnten Umfeld, jeglichem Ärger fernbleiben und wieder auf den „Pfad der Tugend“ zurückgeführt werden. Am Yachthafen arbeitet er für den väterlichen Bootsverleih und findet immer mehr Gefallen an seinem Aufenthalt, was vor allem an seiner flirtwilligen Kollegin Mallory (Piper Curda) liegt. Doch in den dunklen Wäldern vor der Stadt ist ein uraltes, bedrohliches Wesen heimisch, das schon bald im Haus von Bens und Liams Nachbarn sein (blutiges) Unwesen treibt. Ben versucht seinen Vater zu warnen, doch da dieser ihm nicht glaubt, muss der Teenager auf eigene Faust ermitteln.

„The witch next door“ ist eine Gemeinschaftsarbeit der Brüder Drew T. und Brett Pierce. Brett Pierce arbeitete bislang als Regisseur fürs amerikanische TV, sein Bruder war unter anderem als Animationskünstler tätig. Ihr zweiter gemeinsamer Film feierte im vergangenen Jahr auf dem Fantasy Filmfest Premiere und wurde für ein Budget von rund 70 000 Dollar realisiert. Um Produktionskosten zu sparten, drehten sie in erster Linie in ihrer Heimatregion im US-Bundesstaat Michigan, darunter in dem kleinen, beschaulichen Dorf Northport. Dort spielt die Haupthandlung des Films.

Coming-of-Age, Familien-Drama, Hexen-Horror und Suspense – all diese (Sub-)Genres streifen die Pierce-Brüder in ihrem bildstarken, stark auf Atmosphäre ausgelegten, übernatürlichen Werk. Das macht letztlich auch den großen Reiz dieser kleinen, feinen Indie-Perle aus, die das Grauen langsam in den Film – und schließlich in Gestalt der titelgebenden Hexe in die Nachbarn von Ben – fahren lässt. Doch zunächst nehmen sich die Macher Zeit, um die Figuren einzuführen und dem Zuschauer die Charaktere näher zu bringen.

Ben ist ein Außenseiter in dem malerischen Küstenort und die anderen Jugendlichen machen sich über ihn lustig. Abwechslung in seinen Alltag bringt die toughe Mallory, zu der sich Ben hingezogen fühlt und die ihn wenig später bei seinem detektivischen Vorgehen unterstützt. Im Team nehmen sie es schließlich mit der mordlüsternen Hexe auf, die es vor allem auf Kinder abgesehen hat. Im ersten Drittel erinnert „The witch next door“ stark an erfolgreiche Serienformate und Teenie-Klassiker wie „Goonies“ und „Stranger things“. Zumal der Film ein gehöriges, nostalgisches Eighties-Flair versprüht.

Aber die Regisseure verbeugen sich ebenso vor Paradebeispielen des spannungsintensiven, klaustrophobischen Paranoia-Thrillers (etwa „Disturbia“ oder „The good neighbor“), wenn Ben immer seltsamere, schier unerklärliche Vorkommnisse im Haus nebenan bemerkt. Dann zieht „The witch next door“ die Spannungsschraube an. Mit metaphorisch aufgeladenen Bildern und reduziert eingesetzten, zum Miträtseln einladenden Hinweisen kündet sich der Horror auf leisen Pfoten und mit Bedacht an: von den im Garten der Nachbarn allmählich verwelkenden Blumen bis hin zu den mythischen Botschaften und in Baumstämme geritzten Symbolen, die in direktem Zusammenhang mit den Persönlichkeits- und Verhaltens-veränderungen der Nachbarn stehen.

Neben seiner atmosphärischen Optik und dem durch Mark und Bein gehenden Sounddesign überzeugt der Film am Ende sogar noch mit einer raffinierten Wendung, die die vorherigen Geschehnisse in einen gänzlich neuen Blick rückt.

Fazit: Cleverer, stark durchkomponierter Horror-Thriller, der unwahrscheinlich unterhaltsam umgesetzt ist und mit seiner zwischen Furcht, Panik und Hilflosigkeit angesiedelten Stimmung punktet.

Bewertung: 8/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.

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