Krieg der Welten

Krieg der WeltenDer bekannteste und erfolgreichste Regisseur aller Zeiten verfilmt einen der berühmtesten Romane aller Zeiten und besetzt die Hauptrolle mit dem größten Kinostar der Gegenwart. Welches Resultat kann man angesichts einer solchen Konstellation erwarten? Als nüchterner Betrachter und leidenschaftlicher Filmrezipient möchte man einwerfen: Im besten Fall eine zufrieden stellende Erfüllung der extrem hohen Erwartung, realistischerweise entweder leichte oder schwere Enttäuschung.Als Steven Spielberg die Verfilmung von H. G. Wells’ „Krieg der Welten“ ankündigte, waren sowohl Euphorie als auch Skepsis gleichermaßen stark vertreten.Ob Spielbergs Adaption überzeugen kann oder nicht, werden wir in dieser garantiert pazifistischen Kritik ausführen.

Der bekannteste und erfolgreichste Regisseur aller Zeiten verfilmt einen der berühmtesten Romane aller Zeiten und besetzt die Hauptrolle mit dem größten Kinostar der Gegenwart. Welches Resultat kann man angesichts einer solchen Konstellation erwarten? Als nüchterner Betrachter und leidenschaftlicher Filmrezipient möchte man einwerfen: Im besten Fall eine zufrieden stellende Erfüllung der extrem hohen Erwartung, realistischerweise entweder leichte oder schwere Enttäuschung.
Als Steven Spielberg die Verfilmung von H. G. Wells’ „Krieg der Welten“ ankündigte, waren sowohl Euphorie als auch Skepsis gleichermaßen stark vertreten.
Ob Spielbergs Adaption überzeugen kann oder nicht, werden wir in dieser garantiert pazifistischen Kritik ausführen.

Mars attacks!
Hundemüde beendet der einfache Dockarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) einen langen Arbeitstag und eilt nach Hause, wo er von seiner Ex-Frau Mary Ann (Miranda Otto) überrascht wird. Ray soll für ein paar Tage auf ihre gemeinsamen Kinder Robbie (Justin Chatwin) und Rachel (Dakota Fanning) aufpassen. Ray zeigt sich davon wenig begeistert, stimmt aber letztendlich zähneknirschend zu.

Wenig später ziehen buchstäblich dunkle Wolken am Horizont auf und stimmen auf das kommende Unheil ein. Blitze tauchen den Himmel in gleißendes Licht – noch ahnt niemand, dass es sich um außerirdische Invasoren handelt, deren Angriff unmittelbar bevorsteht.

Auf der Suche nach dem rebellischen Robbie, der seinen Wagen kurzerhand in Beschlag genommen hat, wird Ray Zeuge des Unfassbaren: Nachdem der geheimnisvolle Sturm alle Stromleitungen und sogar Automotoren kurzerhand ausgeschaltet hat, bohrt sich ein gigantisches, mechanisches Ungetüm durch den Straßenasphalt und beginnt kurzerhand mit der Auslöschung der Passanten.

Wie durch ein Wunder entkommt Ray dem Gemetzel und sieht sich plötzlich mit der wichtigsten Aufgabe seines Lebens betraut: Seine Kinder vor der Zerstörungswut der Außerirdischen zu retten! Eine schier aussichtslose Mission, denn selbst die geballte Feuerkraft der Armee vermag gegen den technologisch weit überlegenen Feind nichts auszurichten …

Ungünstige Vorzeichen
Bereits im Vorfeld sorgte das erhoffte Kino-Highlight „Krieg der Welten“ für aufgeregte Diskussionen und allerlei negative Publicity. Dies begann bereits mit den wenigen durchgesickerten Details zum Film – statt im viktorianischen England des ausklingenden 19. Jahrhunderts sollte der Streifen in der Gegenwart angesiedelt werden -, Tom Cruises umstrittener „Scientology“-Mitgliedschaft samt seltsamen Eskapaden, und endete in einem wahren Paukenschlag: Zu Pressevorführungen eingeladene Journalisten und Filmkritiker mussten vorab eine Erklärung unterschreiben, dass sie vor dem Starttermin keinerlei Kritiken veröffentlichen durften!
Diese bis dato einmalige Maßnahme ließ Schlimmes befürchten: Hatte Spielberg „Krieg der Welten“ völlig in den Sand gesetzt und war Produzent Paramount deshalb um Schadensbegrenzung bemüht?

Für berechtigte Skepsis sorgte auch der Umstand der extrem kurzen Dreharbeiten. Nur etwas mehr als ein halbes Jahr zwischen Drehbeginn und Kinostart stellten für ein ehrgeiziges Mammutprojekt dieser Kategorie eine geradezu überhastete Produktion dar.
Bewahrheiteten sich die Unkenrufe eines filmischen Debakels?

Weniger schlimm als befürchtet, nicht so gut wie erhofft
Um es auf den Punkt zu bringen: „Krieg der Welten“ ist Lichtjahre von einer Zelluloid-Katastrophe epischen Ausmaßes wie „Battlefield Earth“ entfernt, enttäuscht letzten Endes aber dennoch. Die verhältnismäßig rasche Produktion merkt man dem Film an. Ironischerweise nicht in technischer Hinsicht, denn die Effekte sind grandios, sondern im Hinblick auf den Plot.

„Krieg der Welten“ erweckt den Eindruck eines ehrgeizigen Projekts, das aus terminlichen, vielleicht auch finanziellen Gründen kräftig gestutzt wurde. Das Ergebnis kann sich zwar sehen lassen, ist jedoch gerade deshalb eine Enttäuschung: Was Spielberg abliefert, ist ein Film mit mehreren Höhe- wie auch Tiefpunkten, der letztlich merkwürdig blass und unausgegoren wirkt. Kurzum: Einen solchen Film hätte jeder x-beliebige No-name-Regisseur gleichfalls zustande gebracht!

Flotter Beginn
Dabei startet „Krieg der Welten“ furios: Im Eiltempo werden die drei Protagonisten – Ray, Robbie und Rachel – vorgestellt und kurz charakterisiert, ehe die Außerirdischen (dazu gleich mehr) zum Sturmangriff blasen. In dieser Phase spielt Spielberg seine wichtigste Trumpfkarte aus: Ohne langes Vorgeplänkel, ganz im „Indiana Jones“-Stil, zündet er ein Actionfeuerwerk vom Feinsten, das den Zuschauer sofort in den Bann zieht.

Mit dem Auftauchen der ersten Kriegsmaschine der Invasoren startet das, worauf man in vielen vergleichbaren Filmen viel zu lange warten muss: Das Zerstörungswerk der Angreifer! Und hier ziehen die Produzenten sämtliche Register: Menschen werden buchstäblich pulverisiert, ganze Straßenzüge verwüstet, und in der wohl irrsten Sequenz des Filmes flüchten die Protagonisten in einem Auto, während hinter ihnen eine Autobahnbrücke explodiert und die Trümmer den Ferriers um die Ohren fliegen.

Behäbiger Mittelteil
Leider schaltet Spielberg nach diesem atemberaubenden ersten Akt der Destruktion kräftig zurück. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich die Familie nur noch auf der Flucht – potenziell spannend, filmpraktisch bieder bis langweilig umgesetzt. Denn: Das Moment der Bedrohung wird kaum noch ausgelotet.

Zwar gelingen durchaus spektakuläre Aufnahmen, wie der Angriff einer der „Tripod“ genannten Kriegsmaschinen auf ein hoffnungslos überladenes Fährschiff oder der verzweifelte Versuch der Armee, die mit einem undurchdringlichen Schutzschild gesicherten Tripods aufzuhalten. Doch die surrealen Bilder entfalten kaum jene Wirkung, die sie verbreiten sollten, nämlich Spannung.
Das Schicksal der Menschheit lässt merkwürdig kalt, und selbst die Ferriers bleiben einem charakterlich zu fern, um mitfiebern zu können.

In den Marssand gesetzter Schluss
Mit Fortdauer der knapp zwei Stunden verliert „Krieg der Welten“ kontinuierlich an Spannung, Dramatik und optischen Schauwerten. Einen Tiefpunkt in Spielbergs Filmkarriere stellt der Schluss dar. Fast drängt sich der Verdacht auf, zu diesem Zeitpunkt wäre ihm bereits alles egal gewesen.

Effekte top, Handlung Flop
Die Stärken des Films sind rasch aufgezahlt: Zum einen sind das die teilweise überwältigenden Effekte. Das Design der Tripods ist geradezu perfekt gewählt und schafft den schwierigen Spagat, sowohl dem mehr als hundert Jahre alten Roman, als auch modernen Ansprüchen gerecht zu werden.

Die Schwächen sind ebenso schnell aufgedeckt: In erster Linie das Drehbuch. „Krieg der Welten“ wirkt völlig unentschlossen: Hommage an Wells’ Roman? Katastrophenfilm? Hohelied auf Werte wie Familie und Einigkeit?
Diese Unentschlossenheit zieht sich wie ein Roter Faden durch den Film. Während die Handlung in die Gegenwart verlegt wurde, bleiben einige Elemente aus Wells’ Vorlage im Film erhalten. Zum einen der aus heutiger Sicht anachronistische Schluss, zum anderen etwa das „Aufsammeln“ lebendiger Menschen als … ja, als was eigentlich? Im Roman dienen die Menschen als unfreiwillige Blutspender für die Außerirdischen. In Spielbergs Adaption bleibt es ein Rätsel, was die Aliens mit den Gefangenen anstellen.

Apropos Aliens: Auch in diesem Punkt offenbart der Film eklatante Schwächen. Statt beängstigender, lediglich von ihrem eiskalten Verstand gesteuerter Monstren sind es in „Krieg der Welten“ putzige Gremlins, die in einer unfreiwillig (?) komischen Szene ein Fahrrad observieren. Vielleicht fehlte Spielberg der Mut, erstmals in seinem Schaffen bösartige Aliens auf den Zuschauer loszulassen.
Ob es sich tatsächlich um Außerirdische handelt, bleibt übrigens ebenso im Dunkeln, wie so gut wie alle anderen Fragen. In Wells’ Roman stammen die Invasoren vom Mars, in Spielbergs Version werden sie von Blitzen (?) in ihre seit vielen tausend Jahren im Erdboden versteckten Kriegsmaschinen transportiert.
Außerirdische? Dimensionsreisende? Zeitreisende? Oder gar Dämonen? Wer die Angreifer sind, woher sie kamen und wieso sie die Tripods vor Ewigkeiten auf der Erde zurückließen, wird jedenfalls nicht erklärt.

Ego-Trip
Fast die gesamte Handlung wird aus Rays Sicht geschildert. Das ist zwar einerseits ein interessantes und realistisches Konzept, führt aber andererseits dazu, praktisch alle drängenden Fragen auszublenden. Aus Sicht der Produzenten clever, aus jener der Zuschauer ärgerlich. Denn natürlich würde man gerne einen Blick auf andere Schauplätze werfen, theoretische Ansätze geliefert bekommen, wer diese Wesen sind, und vieles mehr.

Vielleicht hat sich Spielberg mit „Krieg der Welten“ ganz einfach übernommen, irgendwann festgestellt, dass er die hohen Erwartungen kaum erfüllen würde können, und deshalb das Projekt möglichst rasch zu einem Ende gebracht.

Somit kann der Film außer in technischen Belangen nicht überzeugen und stellt eine Enttäuschung dar.
Wer eine werkgetreuere und bessere Verfilmung des Romans sehen möchte, ist mit der rund ein halbes Jahrhundert älteren Version besser beraten. Zwar entsprechen die Effekte naturgemäß nicht modernen Standards und wirken einige dramaturgische Effekte und Stereotypien ebenso veraltet, doch weiß die Handlung zu überzeugen und kann sogar einen – nicht nur für damalige Verhältnisse! – interessanten Überraschungseffekt setzen.

Übrigens haben die beiden Hauptdarsteller der ersten Verfilmung von „Krieg der Welten“ (in Deutschland als „Kampf der Welten“ erschienen; offensichtlich war man wenige Jahre nach Kriegsende noch stark sensibilisiert, was martialische Worte wie „Krieg“ betraf) einen winzigen Cameo-Auftritt in Spielbergs Version – ein bitterer Treppenwitz …


Darsteller

  • Tom Cruise … Ray Ferrier
  • Miranda Otto … Mary Ann Ferrier
  • Dakota Fanning … Rachel Ferrier
  • Justin Chatwin … Robbie Ferrier
  • Tim Robbins … Ogilvy

Regie
Steven Spielberg

Produktionsland, Jahr
USA 2005

Krieg der Welten Trailer 1,2 und 3

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Ein Kommentar

  1. Hallo !

    Ich finde diesen Film einfach super.

    Der Film hat tolle Schauspieler.

    Er ist sehr spannent und genial gemacht.

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