JoJo Rabbit Kritik

Die deutsche Provinz 1945: Der zehnjährige Jojo „Rabbit“ Betzler (Roman Griffin Davis) ist, wie alle Jungen seines Alters, in der Hitler-Jugend aktiv. Der überzeugte „Jung-Nazi“ erlernt dort, wie man mit Waffen umgeht und was es heißt, zur deutschen Volksgemeinschaft dazuzugehören. Seit dem Tod seiner Schwester durch einen Grippevirus wird Jojo fürsorglich von seiner Mutter (Scarlett Johansson) umsorgt. Sie ist eine der wenigen Personen, die für Jojo von Bedeutung sind – einmal abgesehen von seinem imaginären Freund Adolf Hitler (Taika Waititi), der für den Jungen die Rolle eines Ersatzvater übernimmt. Jojos Weltbild bricht jedoch in sich zusammen, als er zuhause auf dem Dachboden das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) entdeckt. Seine Mutter hält sievor den Nazis versteckt – und Jojo gerät in einen Gewissenskonflikt. Denn ist es als überzeugter Nazi-Anhänger nicht seine Pflicht, das Mädchen zu verraten?

Schon sehr lange kämpfte der Neuseeländer Taika Waititi darum, den Erfolgs-Roman „Caging Skies“ (2004) von Christine Leunens verfilmen zu können. Immerhin befand sich das Drehbuch viele Jahre auf der berühmten „Black List“ Hollywoods. Jenem großen Blockbuster-Pool der Traumfabrik, in dem die besten noch nicht verfilmten Drehbücher und Stories lagern. Waititi wurde abseits seiner Heimat vor sechs Jahren durch die Komödie „5 Zimmer Küche Sarg“ bekannt. Seinen ersten Hollywood-Film drehte er 2017 („Thor 3“).

„Jojo Rabbit“ ist eine kluge, hintersinnige (Anti-)Kriegssatire, die vor pechschwarzem Humor nur so strotzt. Und dabei  genüsslich die gängigen NS-Klischees und -Rollenbilder ad absurdum führt. Da gibt es die gebährfreudige, verblendete Nazi-Übermutter, den verkommenen sowie alberne Kriegs-Rhetorik bemühenden HJ-Ausbilder (großartig: Sam Rockwell) und natürlich den „großen Dikator“ Hitler selbst, der Jojo mit Rat und wertvollen Tipps zur Seite steht.

Die Anspielungen Hitlers auf den NS-Größenwahn, die menschenfeindliche Rassen-Ideologie sowie seine ganz persönliche „Leidensgeschichte“ („Über mich haben die Menschen haufenweise fiese Dinge gesagt“) erweisen sich dank Waititis Gespür für treffsichere Pointen und punktgenaue One-Liner als jederzeit passend. Zumal Waikiki in seinem Spiel bewusst überzeichnet und über die Stränge schlägt. Mit all seinen inhaltsleeren Phrasen und propagandistischen Parolen gibt sich der Nazi letztlich selbst voll und ganz der Lächerlichkeit preis. Erwähnt werden soll an dieser Stell aber, dass „Jojo Rabbit“ stets den Respekt vor den Opfern des Schreckensregime wahrt. Der Humor ist selten übertrieben albern oder verkommt zu reinem Selbstzweck. Dasselbe gilt für die geglückte, clevere Auswahl der untermalenden Musiktitel, die textlich das Geschehen auf der Leinwand ironisch kommentieren.

Neben den unbekümmerten Auftritten von Waititi und der ausdrucksstarken Thomasin McKenzie überzeugt der so wunderbar unschuldig aussehende Roman Griffin Davis. Auf authentische und sensible Weise gelingt es ihm, die Gefühle seiner Figur offenzulegen und Verständnis beim Zuschauer hervorzurufen: Wie so viele andere Menschen wurde er Opfer einiger fanatischer Parteianhänger und seiner leichtgläubigen, naiven Mitmenschen, die sich von einem ebenso charismatischen wie selbstherrlichen Autokraten verführen ließen. 

Fazit: Mutige, augenzwinkernde und herrlich entlarvende Satire über den Irrsinn des Kriegs, Rassenwahn und  blinde Gefolgschaft – hochkarätig besetzt und mit ironischer Leichtigkeit gespielt.

Bewertung: 9/10

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