Voll Paula! Kritik

Voll Paula kritikDie Irrungen und Wirrungen im Leben von fünf jungen Leuten in Berlin, deren Alltag durch private Turbulenzen gehörig durcheinander gewirbelt wird: Da ist z.B. Paula (Eva Luca Klemmt), die die einmalige Chance erhält, ihre lange erträumte Schauspielkarriere zu beginnen. Sie wird zu einem Vorsprechen eingeladen und hinter der Bühne trifft sie auf Max (Sebastian Kolb), den sie sehr attraktiv und anziehend findet. Beim Vorsprechen haben auch Randolf (Ulrich Faßnacht) und Donnie (Eric Carter) teilgenommen, die ihre ganz eigenen Sorgen haben: Randolf verliebt sich Hals über Kopf in Louise (Karmela Shako), die Freundin von Paula. Louise jedoch erwidert die Gefühle für Randolf nicht und ist vielmehr an Donnie interessiert. Neue Karriere- und Gefühlsaussichten für die fünf jungen Menschen stehen bevor.

“Voll Paula!” ist das Langfilmdebüt des Regisseurs und Drehbuchautors Malte Wirtz, der seinen Film in Köln in nicht einmal drei Wochen gedreht hat. Die Low-Budget-Indie-Produktion drehte das Filmteam vor allem im beliebten Kölner Stadtteil Ehrenfeld, auf versteckten, brachliegenden Geländen oder Spielplätzen abseits des Massenauflaufs. “Voll Paula!” ist einer der ersten Kinofilme, die mit der besonders kompakten „Blackmagic Cinema“-Kamera – der kleinsten Digitalfilmkamera der Welt – gedreht wurde. Nach seinem Studium in Burghausen, arbeitete Wirtz vor allem für das Junge Theater Leverkusen und konzentrierte sich im Anschluss auf das Realisieren von Kurzfilmen für das Paul Hinze Kollektiv, das Filme, Dokus und Theaterstücke inszeniert. Mit seiner zeitgemäßen Ensemble-Komödie trifft er den Zeitgeist und bildet einen realistischen Ausschnitt aus dem Leben von fünf modernen Großstädtern ab, die das Chaos in ihrem Leben zu meistern versuchen.

“Voll Paula!” steht in der Verwirrung sowie Ratlosig- und Ziellosigkeit der Figuren oft symptomatisch für viele heutige Großstädter Mitte bis Ende 20, die sowohl im Berufs – wie auch im Privatleben oft nicht so genau wissen, wohin die Reise geht und welche Entscheidungen die Besten sind. Anstatt konsequente Entscheidungen z.B. für oder wider eine Stelle bzw. einen Job oder eine Person (einen möglichen künftigen Partner) zu treffen, lassen sich viele doch möglichst lange alles offen, auch aus Angst, vor den Konsequenzen. Zu groß ist zudem die sie umgebende Reizüberflutung, zu konfus und vieldeutig sind die Eindrücke um sie herum und man könnte die Entscheidung schließlich ja eines Tages einmal bereuen.

Stellvertretend für diese Gefühlslage steht quasi auch das Verhältnis von Max und Paula. Obwohl Beide ganz offensichtlich Sympathien füreinander hegen, kommen die Zwei aber lange Zeit nicht wirklich weiter, winden und quälen sich, weshalb der lang ersehnte Kuss einfach nicht zustande kommen will. Vor allem Eva Luca Klemmt spielt dabei die stets ein wenig neben der Spur wirkende, sympathisch-verwirrte Paula sehr überzeugend. Paula ist ein wenig durch, desorganisiert und – wie sie bei einem der vielen holprigen Dates mit Max betont – es fällt ihr schwer, einfach mal an nichts zu denken, da ihr Kopf quasi immer arbeitet, sie sich zu viele Gedanken macht und damit letztlich selbst im Weg steht – im Übrigen, wie die meisten anderen Figuren auch, die aber allesamt liebenswürdig und authentisch, fast dokumentarisch genau, gezeichnet bzw. angelegt sind.

Gelungen sind und für angenehmen Witz sorgen die Gastauftritte zweier Größen der deutschen TV- und Theaterlandschaft: Karsten Speck (“Das Traumschiff”, “Hallo Robbie” u.a.) tritt als gestrenger Theaterregisseur und Claus Wilcke (“Iron Sky”, “Pfarrer Braun” u.a.) als Impresario bzw. künstlerischer Leiter beim Casting auf. Der Film ist allen in allem leicht verdaulich, tut keinem Weh und ist sehr kurzweilig, was sich letztlich auch in der knappen, aber angenehmen Spieldauer von ca. 80 Minuten manifestiert.

Fazit: Harmlose, aber stets sympathisch-liebenswerte und realitätsgetreue Ensemble-Komödie über das private und berufliche Chaos von fünf modernen Großstädtern.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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