Paranormal Investigations

Paranormal Investigations Filmkritik

“Blair Witch Project“ war beileibe weder der erste, noch der letzte günstig produzierte Horrorfilme, der in den Kinos Millionen Dollar einspielte und zum Kult avancierte. Der 2007 produzierte „Paranormal Activity“ entpuppte sich zwei Jahre später als sensationeller Blockbuster. Dem im selben Jahr entstandenen „Paranormal Investigations” war indes kein dermaßen überwältigender Erfolg beschieden.

Dabei hat der von Sean Tretta inszenierte Horrorschocker sämtliche Elemente für einen Überraschungshit: Einen auf Realismus angelegten Plot, unbekannte Schauspieler, drastische Effekte. Ob der mittlerweile in hiesigen Breiten auf DVD veröffentlichte Streifen zu Recht oder Unrecht im Schatten von „Paranormal Activity“ verweilte, wollen wir ganz investigativ im Nachfolgenden ergründen.

Ghostbusters, bitte kommen!
Peter Masterson (William McMinn) besitzt ein Haus, in dem es angeblich spuken soll. Wenig verwunderlich, war doch zwanzig Jahre zuvor eine ganze Familie darin binnen einer Nacht ausgelöscht worden. Nachdem er selber eine unheimliche Erscheinung in dem Haus erblickt hatte, engagiert er die Geisterjägerin Carter Simms (Patti Tindall) für Nachforschungen, ob an den paranormalen Erscheinungen etwas dran ist.

Gegen ihren Widerstand setzt er die Journalistin Yvette (Davina Joy) und den Kameramann Colin (Mike Marsh) unterstützend an ihre Seite. Angesichts der versprochenen Belohnung von fünftausend Dollar akzeptiert sie die Bedingungen und zieht in das Haus ein. Wenig später stößt die junge Mary Young (Lindsay Page) hinzu die erklärt, von Masterson gleichfalls ins Untersuchungsteam geholt worden zu sein.

Von Beginn weg herrscht nicht nur eine düstere, sondern auch eine potenziell gewalttätige Atmosphäre in dem verlassenen Anwesen. Zunächst ist Carter begeistert von den erfolgversprechenden Audio- und Videoaufnahmen, die zweifelfrei beweisen, dass in dem Haus ruhelose Geister ihr Unwesen treiben. Doch eine zufällige Entdeckung Yvettes wirft ein völlig anderes Licht auf die Vergangenheit der tief religiösen ehemaligen Bewohner. Als sich Mary Young ebenfalls als erzreligiöse Fanatikerin entpuppt, eskaliert die Situation und führt zu dramatischen Ereignissen …

Wenig origineller Basisplot kräftig aufpoliert
Zugegeben: Die Geschichte des Geisterhauses, in dem die Ermordeten eines grausigen Verbrechens nicht zur Ruhe kommen, hat einen längeren Bart als Kaiser Barbarossa. Was dem zumindest bislang noch unbekannten Sean Tretta jedoch überraschend gut mit “Paranormal Investigations” gelingt, ist das Variieren dieses uralten Themas. Mit dem Auftauchen der Geister und mysteriöser Stimmen wird auch der als ungelöst zu den Akten gelegte Mordfall neu aufgerollt. Nach und nach werden sämtliche Rätsel aufgelöst und ergeben ein neues, schauriges Bild. Wer sich an den legendären „Amityville Horror“ erinnert fühlt, liegt natürlich nicht ganz falsch. Doch während diese Filme zumindest teilweise auf realen, tragischen Vorfällen basieren, führt die vorgeblich „wahre Geschichte“ hinter “Paranormal Investigations” so manchen Zuschauer in die Irre. Ein dramaturgischer Kniff, der spätestens mit dem eingangs erwähnten “Blair Witch Project” enorme Popularität erlangte.

Dennoch kann man “Paranormal Investigations” keinerlei Trittbahnfahrerei vorwerfen: Der Streifen überzeugt durch ein ansprechendes Drehbuch und mehrere überraschende Plottwists. Mit rund 100 Minuten ist der Film eine Spur zu lange geraten. Ein paar dezente Schnitte vor allem in der ersten Filmhälfte hätten das Tempo erheblich gesteigert. Trotzdem langweilt der Streifen nicht, sondern hält das Interesse von Anfang an aufrecht. Erfreulicherweise verweigert sich Tretta dem ärgerlichen Trend, den Zuschauer über vieles im Dunkeln zu lassen und offene Fäden nicht zu verknüpfen. Sprich: Die aufgeworfenen Rätsel – Wer ermordete die Familie? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Weshalb benimmt sich Mary Young dermaßen merkwürdig? – werden klar, deutlich und doch berührend aufgelöst.

Kleinere Schwächen
Die Schwachstellen des Filmes sollen nicht unerwähnt bleiben. Zum einen wären da mehrere Ungereimtheiten zu nennen. Da findet etwa eine der Protagonistinnen wichtiges Beweismaterial zu den Morden, und zwar nicht in einem Versteck, sondern mitten im Haus. Angesichts der mit Sicherheit ausführlichen Nachforschungen der Polizei mutet dies nicht einfach unwahrscheinlich, sondern geradezu unmöglich an.

Für Befremden könnte der religionsfeindliche Unterton des Plots sorgen: Angehörige des christlichen Glaubens werden – wieder einmal – als gemeingefährliche Irre charakterisiert. Was zu früheren Zeiten noch als mutiges und kritisches Statement durchgegangen wäre, sorgt heute allenfalls noch für unfreiwillige Heiterkeit und befindet sich auf einer Stufe mit satanisch veranlagten Heavy-Metal-Fans, die in schwarzen Kutten herumlaufen und des Nachts Friedhöfe unsicher machen. Sprich: Manche Klischees sind inzwischen mehr als nur leicht angestaubt.

Einen weiteren Kritikpunkt liefern die schauspielerischen Darbietungen. Diese können nur bedingt zufriedenstellen, was angesichts der sehr soliden, stellenweise sogar mitreißenden Inszenierung bedauerlich ist.

Jedem Horrorfan zu empfehlen
Eingedenk der Schwächen überzeugt “Paranormal Investigations” trotzdem. Mit einem Minibudget realisiert, sorgt der Film für enorm dichte Atmosphäre und einige Gänsehaut-Momente. Vor allem der konsequente Schluss liegt noch lange nach dem Abspann schwer im Magen. Zart besaitete Gemüter sollten besser einen Bogen um den Streifen machen, der auch einige drastische Effekte aufweist.
Für Horrorfans gilt: Absoluter Geheimtipp! Zwar stellt “Paranormal Investigations” gewiss kein Meisterwerk dar. Doch innerhalb des Genres kann man ihn getrost ins obere Drittel der sehenswerten Filme aufnehmen.


Darsteller

  • Patti Tindall … Carter Simms
  • Davina Joy … Yvette
  • Lindsay Page … Mary Young
  • Yvette … Davina Joy
  • Mike Marsh … Colin
  • William McMinn … Peter Masterson

Regie
Sean Tretta

Produktionsland, Jahr
USA, 2007


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Thor said

    Februar 22 2010 @ 16:51

    Sorry, aber ich sehe das ganz anders. Dieser Film ist das absolut schlechteste was ich jemals gesehen habe. Zugegeben, es gibt 2-3 gute Effekte, aber das kann einen guten Film nun echt nicht ausmachen (zumal sie auch noch extrem rar gesät sind). Ich mag viele Low Budget Filme, aber dieser hier wirkte auf mich, als wäre das ein Studentenprojekt gewesen. Die schauspielerische Leistung war von der einen Hälfte der Akteure niederes Mittelmaß, aber die zweite Hälfte war so grottenschlecht, dass man ihnen keine Sekunde abgekauft hat, dass sie Angst hatten oder sonst etwas in diese Richtung. Dann noch eine absolut miese Tonverarbeitung in der deutschen Version, da wurde teilweise die englische Sprachspur gelassen und die deutsche drübergelegt, was dazu führt, dass einer der Akteure, als er von einer Druckwelle zu Boden geworfen wird zweimal “Uff” macht (einmal englische und einmal deutsche) und beide male so, als hätte ihn gerade jemand zur Seite geschoben und nicht als würde er gerade durch den halben Raum fliegen und auf den Boden prallen. Solche Stellen gab es immer wieder, was dazu führt, dass man ihn unfreiwillig komisch findet und ich mich mit ein paar Freunden am Ende köstlich amüsiert habe, aber nicht, weil der Film besonders schockierend war, sondern weil er einfach eher als Comedystreifen durchgegangen wäre. Am Ende gab es nur wenige wirklich beängstigende Stellen und der Film wirkte insgesamt etwas “leer”, er war lange Strecken über extrem trocken.
    Der absolute hammer für mich war dann aber die Wendung am Ende des Films. Innerhalb von 2-3 Minuten passiert alles ganz schnell, plötzlich sind alle tot und man überlegt noch was genau gerade passiert ist.
    Und noch etwas, dieser Film wird in Deutschland als “Uncut” verkauft. Es gibt nichts, dass man kürzen könnte! Es gibt ca 5 Stellen im Film die man als brutal bezeichnen könnte, in diesen fünf “fliesst Blut”, allerdings sieht man meistens nur ein wenig Blut an einer Wand, und das für einen kurzen Augenblick. Alles andere wird angedeutet, weswegen es mich wundert warum der Film nicht ab 16 freigegeben ist.
    Dieser Film überzeugt durch absolut nichts, ich rate jeden: Lasst die Finger davon, schaut euch Quarantine oder ähnliche Filme an, aber dieser hier ist absoluter Müll.

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