Space Mutiny

Space-MutinyBei Space Mutiny handelt es sich um einen jener Filme, der weder absichtlich schlecht, noch unfreiwillig komisch ist – und deshalb beim Anschauen um so mehr schmerzt. Die bloße Vorstellung eines menschlichen Gehirns, das diesen Schwachsinn ersonnen hat, lässt einen an Darwins Evolutionstheorie zweifeln. Völlig jenseits aller Ratio gerät die schreckliche Gewissheit, dass irgendjemand Geld in dieses Projekt gesteckt hat und Schauspieler engagieren konnte, die nicht panisch flohen, sondern tatsächlich mitwirkten. Ob sie nach diesem Desaster ihre Namen änderten, ist mir leider nicht bekannt, würde mich jedoch nicht Wunder nehmen.

Um es vorweg zu nehmen: Selbst verglichen mit billigsten Pseudo-SF-Streifen aus den 50er Jahren ist Space Mutiny der vermutlich schlechteste Film, den ich jemals gesehen habe. Und glaubt mir, werte Freunde: Diese Augen haben viele Filme gesehen!

Die Story: Wir befinden uns an Bord der „Southern Star“, einem riesigen Raumschiff, das mit unbekanntem Ziel durchs Weltall gleitet. Weder ich, noch der Film haben eine Ahnung warum, aber ein paar Aliens, die sogenannten Bellerianerinnen, landen mit einem kleinen Raumschiff im Landehangar und erfüllen keinen anderen Zweck, außer jenem, die männliche Crew anzuschärfen.
Aus eben so unbekannten Gründen sabotiert der Big Boss des Bordsicherheits-Dienstes eben jene Sicherheit, indem er Bomben hochgehen lässt. Diese sehen wie Kernseifen aus, an die mittels Drähten ein Reisewecker aus Omas Antiquitätentruhe befestigt ist.
Ein verdächtig an Dolph Lundgrens „He-Man“-Darstellung gemahnender Muskelprotz soll diesem miesen Verräter das Handwerk legen.
Oder so was in der Art. Bereits nach etwa zehn Minuten drohte mein Gehirn mit Suizid, falls ich es zwingen sollte, diesen „Film“ bei vollem Bewusstsein anzuschauen.

Grundsätzlich sind Filme wie etwa „Anaconda“ auch nicht viel ausgeklügelter oder origineller. Aber wenigstens werden solche Filme von Leuten erstellt, die ein bisschen Ahnung vom Fach haben, während Space Mutiny die Kinnlade in Rekordtiefen sinken lässt.

Von Anfang an beschleicht den unvorsichtigen Zuschauer das mulmige Gefühl, es mit einem No Budget-Film zu tun zu haben. Filmtitel und diverse Namen werden mittels billiger Computereffekte eingeblendet. Nun gut.

Dann wird´s verblüffend. „Du, Stefan, da stimmt was nicht“-merkwürdig. Ein gigantisches, sauber modelliertes Raumschiff gleitet an der Kamera vorbei. Als Kind der 1970er Jahre erkennt man das Raumschiff: Es stammt aus Kampfstern Galactica. Und um es vorweg zu nehmen: Sämtliche (!) Weltraumszenen wurden aus dem Star Wars-Klon frech übernommen. Konsequenterweise ist der Film somit rund um irgendwelche Schnipsel aus Kampfstern Galactica errichtet worden.

Und nun wird´s völlig abstrus: Das Interieur der „Southern Star“ passt zu den aufwändigen Kampfstern Galactica-Modellen ungefähr so gut, als würde man einen Dinosaurier-Film der 60er Jahre mit Szenen aus Jurassic Park aufpeppen. Während über Ed Woods legendär trashige Filmsets gelacht wird, zeigt sich Space Mutiny von vergleichbarer Qualität: Die Brücke besteht aus Bürostühlen und Computermonitoren, die man vermutlich aus der örtlichen Müllkippe besorgt und entstaubt hat.

Die erbärmlichen Computergrafiken zeugen von der Absenz ordentlicher Programmierer und erinnerten mich an ein damals populäres Computerspiel, dessen Namen ich nicht mehr weiß. Wobei das Computerspiel 1988 bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hatte.

Ah, aber es wird noch besser: Der größte Teil des Filmes spielt in einer Fabrikhalle. Man ist ja wahrlich vieles gewohnt: Wackelige Kulissen und miese Bluescreen-Effekte. Aber ich kann mich an keinen Weltraumfilm erinnern, der tatsächlich in einer Fabrikhalle spielt! Wenn man wenigstens die Fenster überdeckt hätte … nun, das hätte angesichts der Rohre, Luftschächte, Ziegelwände, Deckenleuchten, Heliumflaschen und anderem auch nicht viel genützt.

Während die Fabrikhalle wenigstens ausladend geräumig ist, sind alle anderen Locations minimalistisch geraten: Die Bordbrücke dürfte wohl in einer Garage aufgebaut worden sein und der Besprechungsraum hat die voluminösen Ausmaße einer Besenkammer, was angesichts der gigantischen Größe des Raumschiffs ein wenig seltsam anmutet.

Da man ja heutzutage sparen muss, wo es nur geht, wurde die Garderobe gleich völlig aus dem Filmetat ausgeklammert. Die Frauen tragen Badeanzüge, die Männer Overalls oder Mannschafts-Anzüge aus dem „Love Boat“-Fundus. Besonders gefinkelt: Die dem Bösewicht Kalgan ergebenen Sicherheitskräfte tragen Wollhauben und Skibrillen.
Der Held des Filmes, unser He-Man-Verschnitt, läuft übrigens die meiste Zeit im Feinripp-Unterhemd herum. Wahrscheinlich hat er während der Dreharbeiten seinen Overall verschludert.

Das einzige „futuristische“ Element an Bord sind die Personentransporter. Dabei handelt es sich offenbar um zwei Golfwägelchen, die in riesige Schuhkartons redesignt wurden. Woher die Vermutung mit Golfwagen? Wegen der Geschwindigkeit. Als der Bösewicht Kalgan (Waschmaschinen würden Kalgan kaufen!) vor unserem „He-Man“ flieht, setzt er sich in das Gefährt und braust davon. Pardon: tuckert davon. Mit etwas erhöhter Schrittgeschwindigkeit. Während „He-Man“ ihm leer nachglotzt ruft man als Zuschauer: „Geh ihm doch einfach nach! Da hast du ihn bald überholt!“

Die abschließende good-vs-evil- Konfrontation findet übrigens mit besagten Gefährten statt. Das Ganze sollte wohl wie ein modernes „Ben Hur“-Wagenrennen wirken, ist aber an Lächerlichkeit nur schwer zu überbieten. Etwa, wenn die Heldin mitten auf der „Straße“ steht, mit ihrer Plastik-Kanone auf den fahrenden Bösewicht schießt und der männliche Held ihr zuruft, sie möge sich in Sicherheit bringen. Wenn in einem Actionstreifen der Schurke mit zweihundert Sachen auf den Helden zuprescht, mag das Sinn machen. Doch wie gesagt: Das Fahrzeug ruckelt gemütlich vor sich hin …

Geht´s noch etwas idiotischer? Aber ja! Der Gute und der Böse spielen Schisshase. Etwa 20 Meter vor dem Zusammenprall springt der Gute aus dem Wagen. Was macht der Böse? Tut er es ihm gleich? Nein – er sieht lieber zu, wie der Wagen des Konkurrenten auf den dritten Wagen auffährt, in physikalisch zumindest in unserem Universum unmöglichem Winkel abhebt und ihm aufs Dach knallt. Und was folgt? Richtig: Eine Explosion. An Bord eines Raumschiffs sind offensichtlich benzinbetriebene Gefährte nicht das geringste Sicherheitsmanko.

Nicht weniger verblüffend sind die Schusswechsel: Der Held, groß und breit wie ein Kleiderschrank, steht ungeschützt wenige Meter vor einer erklecklichen Anzahl von Bösewichten. Während diese allesamt vorbeischießen, knallt er natürlich einen nach dem anderen ab. Gut, seien wir fair: Das war in Schwarzenegger- bzw. Stallone-Filmen oft nicht wesentlich anders. Aber vergegenwärtigt euch folgende Situation: Ein Bösewicht (Kalgans Vertrauter), der auf einem Krückstock geht, läuft mit einer Waffe in der Hand herum. Er dringt zu den Guten vor. Zwei der Guten laufen an ihm vorbei eine Stiege hoch. Der Böse knallt den vorderen der Beiden ab.
Bleibt der zweite Gute stehen? Kommt ihm das irgendwie merkwürdig vor? Dreht er sich wenigstens um? Schreit er um Hilfe? Nein, er läuft weiter und wird gleichfalls abgeknallt. Ende? Nein, es geht noch weiter! Wenige Meter vor dem Bösen stehen ein paar Gute um einen Tisch herum. Seelenruhig knallt der Böse einen nach dem anderen ab. Jau. Keiner der Guten läuft davon, schreit irgendwas, geht in Deckung (was angesichts des nicht vorhandenen Inventars ohnedies schwierig wäre) – sie stehen da und lassen sich abschießen. Fast erwartet man, dass sie mit den Armen herumfuchteln und brüllen: „Hallo! Erschießen Sie doch bitte mich als Nächsten!“

Interessant gestaltet sich auch das übliche Techtelmechtel zwischen männlichem und weiblichem Hauptdarsteller. Natürlich können sich beide anfangs nicht leiden, landen aber nach wenigen Worten in der Kiste (bzw. auf dem Boden, aus budgetären Gründen, da man sich keine Kiste oder ein Bett leisten konnte). Was daran so besonderes ist? Für gewöhnlich sollte die Hauptdarstellerin in irgendeiner Weise attraktiv sein und altersmäßig der Generation des Helden angehören. In Space Mutiny hat man das Gefühl, der Held (ca. dreißig Jahre alt) schäkere mit der Großmutter des Schiffs-Kapitän herum. Seit Harold und Maude hat es wohl kein altersmäßig derart weit auseinanderklaffendes Liebespaar mehr gegeben.

Frau Heldin ist überhaupt bemerkenswert: In der nicht minder obligatorischen „Guter-fällt-Bösen-in-die-Hand“-Szene droht ihr Kalgan, er würde ihre Zähne mittels Laser zerstören. Warum nimmt er ihr nicht einfach die Dritten raus?
Jedenfalls kommt es nicht zur erfolgreichen Ausführung der Folterung, weil Kalgan an anderer Stelle gebraucht wird. Ein fetter, nicht sonderlich intelligent wirkender Wachmann soll die wertvolle Gefangene bewachen. Wer in seinem Leben mehr als zehn Filme gesehen hat weiß, was nun folgt: „He, Süßer, komm doch mal her!“
Um sich unbemerkt unter Kalgans Leute mischen zu können (fällt auch gar nicht auf, wenn plötzlich eine Frau unter den Männern ist), zieht sie die Uniform des überrumpelten Wachmanns an. Und man höre und staune: Sie passt! Obwohl der Typ mindestens einen Kopf größer und korpulenter ist.

Das vermittelte Frauenbild mag in den 1950er Jahren en vogue gewesen sein; für einen Film aus 1988 befremdet es den aufgeschlossenen Zuschauer doch ein wenig, dass Frauen in erster Linie Lustobjekte darstellen. Die praktischen Fähigkeiten der Frauen beschränken sich bis auf eine Ausnahme darin, vom Helden gerettet zu werden, seltsame Balz-Tänze aufzuführen, in der Bord-Disco (zu abscheulicher 1980er Jahre Disco-Mucke) Hula-Hoop-Reifen (!) zu schwingen und dabei das Popöchen zu präsentieren, sowie im Servieren von Drinks.

Die intellektuelle Speerspitze der weiblichen Besatzung stellt eine leicht illuminiert dreinblickende („Mami, Papi – ich bin in einem Film!“) Dame, die anscheinend die Hangars per Computer überwacht. Sie ist auch die Hauptperson im mit Abstand dümmsten Filmfehler, der mir jemals untergekommen ist. Die junge Lady wird von Kalgan eliminiert … und ist wenige Szenen später quicklebendig auf der Brücke in ihre Arbeit vertieft! Alleine daraus lässt sich ersehen, wie konzentriert und engagiert die Filmemacher bei der Produktion vorgingen. Wie ist so etwas möglich? Wie kann man einen solchen Schnitzer „übersehen“?
Andererseits könnte man fast Absicht dahinter vermuten, nach dem Motto: Wenn wir schon einen wirklich schlechten Film drehen, dann aber richtig!
Insofern kann man Space Mutiny durchaus gelungen nennen: Ein schlechterer Streifen ist kaum vorstellbar.

Darsteller

  • Reb Brown … Dave Rider
  • John Philipp Law … Elijah Kalgan
  • James Ryan … MacPhearson
  • Cameron Mitchell … Alex Jansen

Regie
David Winters

Produktionsland, Jahr
USA / Südafrika, 1988

Space Mutiny Trailer
Da es scheinbar keinen Trailer von Space Mutiny hier der 10 minütige Anfang des Films. Auf YouTube findet man die restlichen Teil, falls man sich das antuen möchte:



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