Der Tag, an dem die Erde stillstand

Der Tag, an dem die Erde stillstand Rezension„Der Tag, an dem die Erde stillstand“ zählt seit mittlerweile fast sechzig Jahren zu den unumstrittenen Science-Fiction-Klassikern. Die Geschichte rund um den Außerirdischen Klaatu, der auf der Erde landet, um der Menschheit eine eindringliche Warnung zu hinterlassen, wurde 1951 von Robert Wise mit den damals vorhandenen technischen Mitteln fesselnd verfilmt.
Da Hollywood bekanntlich kaum etwas mehr als Remakes erfolgreicher Stoffe liebt, verwundert es beinahe, dass es so lange dauerte, bis sich jemand dieses Genre-Klassikers annahm.
Scott Derrickson, bislang eher unauffällig mit „Der Exorzismus von Emily Rose“ in Erscheinung getreten, konnte beim Remake aus dem Vollen schöpfen: Neben einem üppigen Budget durfte er auf Stars wie Keanu Reeves, Kathy Bates oder John Cleese zurückgreifen.

Ob die aufgewärmte Geschichte um Klaatu mundet oder doch nur fader Einheitsbrei ist, werden wir im Folgenden ergründen.
Stillgestanden, Erde! Lesen!

Der Tag, an dem die Erde stillstand

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Was die Gallier lange befürchteten, scheint New York zu widerfahren: Der Himmel wird in Form eines mysteriösen Objekts dem Big Apple auf den Kopf fallen! Zahlreiche Wissenschaftler der Ersten Garde, darunter Dr. Helen Benson (Jennifer Connelly), werden zu der prognostizierten Einschlagstelle gekarrt, um das offensichtlich künstliche außerirdische Objekt zu untersuchen.

Tatsächlich landet es im Central Park und der Außerirdische Klaatu (Keanu Reeves) entsteigt der gigantischen Kugel. Versehentlich wird Klaatu angeschossen, was seinen Beschützer, den gigantischen Roboter Gort, veranlasst, in Aktion zu treten. Kurze Zeit später zeigt sich, dass der schier unverwundbare Roboter noch das geringste Problem für die Menschheit darstellt. Denn: Die völlige Vernichtung der Menschheit droht …

Der Tag, an dem die Kritiker nicht stillstanden
Unvermeidlicherweise waren bereits im Vorfeld der Produktion die kritischen Stimmen laut geworden. Nicht ganz zu Unrecht, denn bekanntermaßen ist die Anzahl der gelungenen Remakes überschaubar, während die mittelprächtigen oder gar völlig misslungenen Remakes inzwischen Legion sind.
Die Frage aller Fragen lautete klarerweise: Kann es gut gehen, einen Klassiker mit modernen Produktionsmitteln neu zu verfilmen, ohne die Kernaussage des Originals zu verfälschen oder gar ins Gegenteil zu verkehren?
Ja, das kann durchaus gut gehen!
Ist es aber in diesem Fall nicht.

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Um es vorwegzunehmen: Was sich potenziell spannend und nachdenklich stimmend anhört, wird von Regisseur Scott Derrickson auf geradezu spektakuläre Weise vergeigt.
Am Remake von „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ stimmt einfach gar nichts, was an mehreren Faktoren liegt.

Sofort ins Auge springt der völlig missglückte Versuch, das Original lediglich technisch aufzupeppen, ohne die grundlegende Botschaft in den Hintergrund zu drängen. So löblich dieser Versuch auch sein mag: Bereits auf der optischen Ebene scheitert er gründlich. Die Effekte befinden sich für einen Multimillionendollarfilm im Jahre 2008 bestenfalls im Mittelmaß, zu oft weit darunter.
Insbesondere der Kampfroboter Gort, designtechnisch an der Version von 1951 gehalten, wirkt wenig überzeugend animiert. Die außerirdischen Raumschiffe erinnern an gigantische Lavalampen, ohne sich vollends in die Szenen integrieren zu können. Sie bleiben Fremdkörper im doppelten Sinne, was auch daran liegt, dass ihr verwaschenes Profil keinerlei Faszination ausübt.

Der Tag, an dem Keanu Reeves stillstand

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Da sich die Schauwerte des Filmes in bescheidenen Grenzen halten, lastet umso mehr Druck auf den Schultern der Schauspieler. Und auch in diesem Punkt hat sich keiner der Beteiligten mit Ruhm bekleckert.
Ausgerechnet Keanu Reeves liefert die beste Performance ab, indem er – wie in jedem seiner Filme – durch die Szenen schlafwandelt. Sein Klaatu bleibt ein oberflächlicher Schönling ohne jede emotionale Tiefe. Also genau das, was Keanu mangels Schauspieltalents perfekt beherrscht.

Jennifer Connelly als superkluge Frau Doktor Wissenschaftlerin ist gleichfalls hübsch anzusehen, nervt aber mit ihrer unablässigen „gleich heule ich“-Mimik. Die meist großartige Kathy Bates muss die undankbare Rolle der eiskalten Verteidigungsministerin ausfüllen – eine Rolle, die ihr leider überhaupt nicht steht.

Den in solchen Filmen nahezu unerlässlichen „alten, weisen Wissenschaftler“ verkörpert ausgerechnet John Cleese. Abgesehen von der Tatsache, dass der Ex-„Monty Python“ sichtlich gealtert ist, eine durchaus verzichtbare Rolle. Lediglich ein paar kluge Sprüche aus dem Abreißkalender moralischer Binsenweisheiten darf er rezitieren, ehe er wieder völlig aus dem Film verschwindet.

Im Gegensatz dazu nervt Jaden Smith als Adoptivsohn Jennifer Connellys von Anfang bis Ende. Offensichtlich ist Hollywood der strikten Ansicht, Kinder müssten in Filmen einfach nervig sein, ständig herumheulen und altklug wirken.

Der Tag, den die Erde fad fand
Was den Film jedoch zum Ärgernis macht, sind vor allem zwei Umstände: Zum einen wäre die mit der Eleganz eines Holzhammers dargebrachte Botschaft zu nennen. Radikale Umweltschützer mögen angesichts dieser – die Menschen sind böse und müssen deshalb vernichtet werden – feuchte Augen bekommen. Der normale Zuschauer wird sich jedoch die Frage stellen, ob es denn nicht zumindest eine Nummer kleiner ging.

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Zum anderen ist „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ schlicht und einfach grottenlangweilig. An keiner Stelle entfaltet der Film etwas Ähnliches wie einen Spannungsbogen. Ob die Landung Klaatus, seine Flucht vor der Armee oder Gorts Zerstörungskraft – jegliche Spannung wird bereits im Keim erstickt.
Selbst der eigentliche Höhepunkt des Streifens, die drohende Apokalypse, ist an Harmlosigkeit und banaler Bebilderung nur schwer zu unterbieten.

Angesichts dieser eklatanten Schwächen fallen die logischen Ungereimtheiten (welche Regierung schickt denn ausgerechnet ihre besten Leute an vorderste Front?) gar nicht mehr ins Gewicht. Zum Nachdenken – etwa, ob das Motiv der Außerirdischen moralisch vertretbar wäre oder wie die religiösen Bezüge (Sintflut, Arche, Klaatus Reanimation eines Toten) zu deuten wären – regt „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ gar nicht erst an.

Was nach nicht einmal zwei Stunden Laufzeit bleibt, ist eine riesige Enttäuschung über einen in jeglicher Hinsicht missratenen Film, der trotz Megabudgets, interessantem Ansatz und großer Stars blass und emotionslos wie Keanu Reeves Gesicht bleibt.
Wollen wir hoffen, dass die Außerirdischen unser Schicksal nicht von der Qualität solcher Streifen abhängig macht. In diesem Fall kämen wir in gewaltige Erklärungsnot …


Darsteller

  • Keanu Reeves … Klaatu
  • Jennifer Connelly … Dr. Helen Benson
  • Jaden Smith … Jacob Benson
  • John Cleese … Professor Barnhardt
  • Kathy Bates … Regina Jackson
  • Jon Hamm … Dr. Michael Granier

Regie
Scott Derrickson

Produktionsland, Jahr
USA, Kanada 2008

Der Tag, an dem die Erde stillstand Trailer


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