A Sound of Thunder

A Sound of ThunderFür gewöhnlich beschäftigen Filmflops weder Kritiker, noch das Publikum für längere Zeit. Ausnahmen bilden meist besonders desaströse Flops, die nicht nur an den Kinokassen Schiffbruch erlitten, sondern zudem von grottenschlechter Qualität waren. Beispiele dafür wären der inzwischen zu einem Kultfilm avancierte „Battlefield Earth“ (von, mit und über John Travolta), sowie der hier vorgestellte „A Sound of Thunder“.

Dabei waren die Grundvoraussetzungen für einen zumindest annehmbaren Unterhaltungsstreifen durchaus gegeben. Als Regisseur war Renny Harlin („Cliffhanger“) vorgesehen, die Hauptrolle sollte mit Pierce Brosnan der damals aktuelle James-Bond-Darsteller besetzen, das Budget war mit fast 80 Millionen Dollar üppig veranschlagt, und die literarische Vorlage stammte von Ray Bradbury, einem der bekanntesten und beliebtesten Science-Fiction-Autoren überhaupt.
Was konnte da noch schief laufen? Nun, so gut wie alles …

Ein Sprung in der Zeitschüssel
Im Jahr 2055 sind Zeitreisen technologisch möglich und werden exklusiv vom Unternehmen „Safari Inc.“ angeboten, das sich im Besitz des skrupellosen Charles Hatton (Ben Kingsley) befindet. Superreiche können unter der Führung von Travis Ryer (Edward Burns) viele Millionen Jahre in der Zeit zurückreisen und einen riesigen Raubsaurier abknallen, der ohnehin wenig später sterben würde.
Travis und seine Crew sind penibel darauf bedacht, keinerlei Spuren in der Vergangenheit zu hinterlassen, da dies verheerende Folgen für die Evolution bedeuten könnte. Doch natürlich kommt es wie es kommen muss: Ein „Fehltritt“ im wahrsten Sinne des Wortes zieht verheerende Konsequenzen mit sich. Die Welt, die Travis und Sonia Rand (Catherine McCormack), die Entwicklerin der Zeitreise, gekannt haben, ist verschwunden. Killerpflanzen und affenähnliche Ungetüme bedrohen die Menschheit – nur Travis und Rand könnten mit Hilfe der Zeitmaschine die finale Katastrophe noch verhindern …

Murphys Gesetz
Von Anfang an stand das Projekt unter keinem guten Stern. Die Prager Sets versanken in den Fluten des Hochwassers 2002, Renny Harlin verdrückte sich und die für „A Sound of Thunder“ verantwortliche Produktionsfirma schlitterte in die Pleite.
Kurzum: Bei diesem Film ging alles schief!
Zwar brachte der US-Verleih Warner den mehr oder weniger fertigen Film noch in die US-Kinos, doch verheerende Kritiken und die für ein Projekt solcher Größe schmalbrüstige Werbung machten den Megaflop perfekt.
Das Projektorlicht deutscher Filmhäuser erblickte „A Sound of Thunder“ erst gar nicht und wurde direkt auf Video bzw. DVD vermarktet – ein Kuriosum für einen Film dieser Größenordnung!

Kruder Plot, unsympathische Charaktere
Wie eingangs bereits erwähnt, basiert der Film auf einer Kurzgeschichte des SF-Genies Ray Bradbury. Tatsächlich lassen sich viele der Storyelemente dieser Geschichte in „A Sound of Thunder“ wiederfinden. Doch um einen abendfüllenden Spielfilm zu produzieren, reichen wenige Seiten einer Kurzgeschichte natürlich nicht aus, weshalb der Basisplot gehörig aufgeblasen werden musste – und alleine daran scheitert der Film auf grandiose Weise.
Die Idee, mit Hilfe von Zeitreisen die Geschichte zu ändern, ist natürlich nicht neu, nichtsdestotrotz jedoch reizvoll.

Leider versteht es der Film nicht, aus dieser reizvollen Prämisse eine halbwegs plausible, spannende Geschichte zu machen. Im Gegenteil: Die Logiklöcher – zwar bevölkern einige durch die Änderung des Zeitflusses geschaffene Monstren die Welt, doch auf die Entwicklung der Menschen hat dies praktisch keinen Einfluss genommen, da sämtliche (!) Figuren trotz dramatischer Veränderungen sowohl existieren, als auch die Protagonisten wiedererkennen, was nicht den geringsten Sinn ergibt – sind dermaßen gewaltig, dass sie selbst dem unbedarftesten Rezipienten förmlich ins Auge springen.

Die Protagonisten selbst sind von selten unsympathischer Erscheinung. „Held“ Travis Ryer schlafwandelt durch die Handlung, das obligatorische „love interest“ Sonia Rand ist das personifizierte Anti-Viagra auf zwei Beinen und „der böse Kapitalist“ Charles Hatton entpuppt sich als banaler Geldschneider. Einzig und allein die Frage, wer die grandiose Idee hatte, Ben Kingsley mit einer grauenhaften Perücke zu demütigen, vermag zumindest marginales Interesse zu wecken.

FX – war wohl nix!
Zu fragwürdigem „Ruhm“ sind inzwischen die CGI-Effekte gelangt, die zwischen nostalgischem Flair früher Computereffekt-Versuche und bestenfalls halbfertig schwanken. Angesichts des exorbitanten Budgets ist die völlig indiskutable CGI unverständlich: Wofür wurden die fast 80 Millionen Dollar aufgewendet? Keinesfalls für die lausigen Effekte zumindest.
Die Dschungelszenen gemahnen an B-Movies aus den 1960er Jahren und sind buchstäblich leblos: Abgesehen von den Darstellern und dem Dinosaurier rührt sich absolut gar nichts!
Apropos Dinosaurier: Der gemeuchelte Allosaurus (fälschlicherweise oft mit dem weitaus berühmteren T-Rex verwechselt) ist bestenfalls als erster CGI-Entwurf zu bezeichnen – im Gegensatz zu einer Art Seeschlange, deren „Animation“ geradezu peinlich wirkt.

Den Vogel an unterirdisch schlechten „FX“ schießt die futuristische Stadt ab, die wie einem alten Computerspiel entnommen wirkt. Seinen Augen traut man auch kaum, wenn zwei der Protagonisten durch die „Stadt“ schlendern, wobei klar ersichtlich ist, dass die Darsteller auf einem Laufband marschieren, während im Hintergrund eine Rückwandprojektion abläuft.

A Sound of Disaster
Das unlogische Drehbuch, unsympathische Protagonisten, fehlbesetzte Darsteller (Ben Kingsley!) und vor allem die komplett missratenen CGI-Effekte ergeben einen wahrlich spektakulären Flop. Der einzige Unterhaltungswert, der dem Film inne liegt, ergibt sich aus dem Erstaunen darüber, wie ein erfahrener Regisseur wie Peter Hyams mit einem Megabudget im Rücken ein solches Machwerk allen Ernstes produzieren konnte.
Nicht wenige der an der Produktion Beteiligten dürften sich eine reale Zeitmaschine gewünscht haben, um ihre Entscheidung von 2005 revidieren zu können …

Darsteller

  • Edward Burns … Travis Ryer
  • Catherine McCormack … Sonia Rand
  • Ben Kingsley … Charles Hatton
  • Jemima Rooper … Jenny Krase
  • Wilfried Hochholdinger … Dr. Andrew Lucas
  • David Oyelowo … Officer Pay

Regie
Peter Hyams

Produktionsland, Jahr
USA, Deutschland, Tschechien, 2005

A Sound of Thunder Trailer

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