Zu scharf, um wahr zu sein Kritik

Zu-scharf-um-wahr-zu-sein-kritikWie lautet die sicherste Erfolgformel Hollywoods? „Boy Meets Girl“! In allen Varianten und Geschmacksrichtungen, meist mit Happyend-Garantie. Jim Field Smiths Romantikkomödie „Zu scharf, um wahr zu sein“ bewegt sich somit auf weidlich ausgelatschten Pfaden und verfügt nicht einmal über zumindest einen zugkräftigen Namen auf der Besetzungsliste. Entsprechend mau war der halbseidene Erfolg an den Kinokassen. Zu Recht? Oder vermag die Komödie um eine bildschöne, intelligente Blondine, die sich in einen ganz normalen Durchschnittstypen verliebt, zu überraschen? Das wäre zu schön, um wahr zu sein …

Uptown girl meets backstreet guy
Allzu gut meinte es das Leben mit Kirk (Jay Baruchel) nicht gerade. Pilot wollte er werden, Sicherheitsbeamter am Flughafen ist er geworden. Ein ehrbarer Job, den aber jeder andere genauso gut erledigen könnte. Noch dazu hat ihn seine Freundin Marnie (Lindsay Sloane) für einen anderen verlassen, wohnt aber nach wie vor bei seinen Eltern, womit peinliche Zusammentreffen vorprogrammiert sind. Nicht einmal seine Arbeitskollegen und zugleich besten Freunde Stainer (T.J. Miller), Devon (Nate Torrence) und Jack (Mike Vogel, bekannt aus „Cloverfield“) vermögen den deprimierten Loser aufzuheitern.

Doch eines grauen Tages geschieht das Unfassbare: Die bildhübsche, intelligente und geschäftlich erfolgreiche Molly (Alice Eve) scheint beim Einchecken an Kirk Gefallen zu finden. Einem glücklichen Zufall sei Dank vergisst Molly ihr iPhone, das Kirk findet und ihr zurückbringen möchte. Sie verabreden als Übergabeort eine Kunstgalerie, in der Eventmanagerin Molly eine Party veranstalt. Leider wird der schüchterne junge Mann der Tür verwiesen, nachdem er unabsichtlich ausgerechnet den Museumsdirektor mit seinem Getränk bekleckerte. Aber Molly bleibt an Kirk dran, zeigt Initiative und ist erfolgreich: Die beiden verlieben sich ineinander und werden ein Paar.

Sehr zum Missfallen von Mollys sarkastischer Freundin Patty (Krysten Ritter) und Kirks Freunden, die am Gelingen der Beziehung zweifeln. Und tatsächlich: Nach einem weiteren Missgeschick des tollpatschigen Kirk trennen sich die Wege des ungleichen Liebespaars …

Überraschend niveauvoll
Vorneweg eine Entwarnung: Der deutsche Titel „Zu scharf, um wahr zu sein“ suggeriert Anzüglich- und Schlüpfrigkeiten en masse. Viel besser bringt es der Originaltitel „She’s Out Of My League“ auf den Punkt: Molly bewegt sich in einer ganz anderen, weitaus höheren Liga als Kirk, was eine potenzielle Beziehung aussichtslos zu machen scheint. Auf dieser Prämisse baut der junge britische Regisseur Jim Field Smith seine erste große Hollywood-Komödie auf und liefert erstaunlich gute Arbeit ab.

Zugegeben: Übermäßige Originalität findet sich in seinem Streifen nicht. Würde man die Rollen vertauschen, würde sich an den Konsequenzen kaum etwas ändern. Im Wesentlichen besteht die aufgeworfene Filmfrage aber nicht darin, ob soziale Barrieren durch die Kraft der Liebe aufgehoben werden, sondern eher in der Frage nach dem Selbstwertgefühl eines frustrierten Menschen. Kirk wurde jahrelang von seiner Freundin, seiner Familie und seinem sozialen Umfeld darauf trainiert, die Schuld für jedes Missgeschick bei sich zu suchen, wodurch er nie gelernt hat, sich selbst zu lieben und zu achten. Dies wird in einigen gleichermaßen witzigen, wie auch unangenehmen Szenen deutlich, in denen Kirk sich unablässig bei anderen entschuldigt und von ihnen nebenher gedemütigt wird.

Dass sich Kirk und Molly finden werden, kann man bei einer Romantikkomödie dieses Schlags ohnehin voraussetzen. Die Spannung speist sich deshalb aus dem Umstand von Kirks schüchterner Unterwürfigkeit seiner Umwelt gegenüber: Kann er diese endlich überwinden und sich als vollwertiger Mensch fühlen oder bleibt er in seinem Hamsterrad gefangen?

Komödie mit Charakter
Vor allem die Charakterisierung erweist sich als ganz große Stärke des Films. Sowohl Molly, als auch Kirk werden als sympathische Figuren mit all ihren Stärken und Schwächen gezeigt, ohne je in Versuchung zu geraten, einen von ihnen der Lächerlichkeit preiszugeben. Mollys Selbstbewusstsein erweist sich als gar nicht so groß, wie es anfangs zu vermuten wäre.
Abstriche muss man bei den Nebenfiguren machen. Kirks Freunde sind wenig mehr denn eindimensionale Pappkameraden ohne Profil. Dafür gesteht Regisseur Smith Mollys Ex-Freund Cam (Geoff Stults) zu, mehr als ein attraktiver Pilot zu sein, dem die Frauenherzen leichthin zufliegen. Cam freundet sich auf eine etwas seltsam scheinende Weise mit Kirk sogar an und erweist sich nicht als Kotzbrocken, wie es in derlei Komödien meist der Fall ist. Mollys Freundin Patty gibt hingegen Rätsel auf: Zickig, unsympathisch, an den Mitmenschen komplett desinteressiert – wieso sie mit der herzensguten Eventmanagerin eng befreundet sein sollte, wird nicht ausgeführt.

Keine Überraschungen bietet der Plotverlauf. Geradezu klassisch durchläuft der Film mehrere Phasen, inklusive kurzfristiger Trennung auf Grund von Missverständnissen, und steuert auf ein Happyend zu. Der Weg zu diesem Happyend ist jedoch mit vielen witzigen Dialogen, meist gelungener Situationskomik und romantischen Szenen gespickt. Kurzum: Diese Romantikkomödie bedient nicht nur das Herz, sondern auch das Zwerchfell! Nicht jeder Witz sitzt und einige Klischeefiguren nerven doch mit der Zeit. Aber diese kleineren Schwächen verzeiht der Rezipient gerne angesichts der lockeren Ernsthaftigkeit, mit der ein alter Hut in neue Form gebracht wird.

Die wenig bekannten Darsteller kosten ihre Rollen bis zur letzten Szene aus. Alice Eve verkörpert sehr glaubhaft eine Karrierefrau mit Wunsch nach echter Liebe, während Jay Baruchel einen äußerst sympathischen Loser zum Besten gibt.

Fazit: Nicht perfekte, aber weitgehend gelungene romantische Komödie. „Zu scharf, um wahr zu sein“ hat sogar eine Botschaft: „Glaube an dich selbst“. Auch nicht originell, aber immer wieder gern gehört …

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Rainer Innreiter


Darsteller

  • Jay Baruchel … Kirk
  • Alice Eve … Molly
  • T.J. Miller … Stainer
  • Mike Vogel … Jack
  • Nate Torrence … Devon
  • Lindsay Sloane … Marnie
  • Kyle Bornheimer … Dylan
  • Jessica St. Clair … Debbie
  • Krysten Ritter … Patty
  • Debra Jo Rupp … Mrs. Kettner
  • Adam LeFevre … Mr. Kettner
  • Kim Shaw … Katie
  • Jasika Nicole … Wendy
  • Geoff Stults … Cam
  • Hayes MacArthur … Ron

Regie
Jim Field Smith

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

Zu scharf, um wahr zu sein Trailer


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2 Comments so far »

  1.  

    Robby said

    April 26 2011 @ 00:40

    Leider wieder so ein Film den Mann sich nur einmal anschauen kann & typisch amerikanischer schnulziger Kitsch!

  2.  

    Erik said

    September 26 2014 @ 13:20

    Sehr gut geschriebene (und wie ich finde, auch zutreffende) Kritik zum Film.

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