Wonder Woman Kritik (2017)

Die junge Amazonenprinzessin Diana Prince (Lilly Aspell), Tochter des Zeus, lebt auf einer abgeschotteten Fraueninsel. Ihre Mutter, die mächtige Königin Hippolyta (Connie Nielsen), herrscht über das Eiland und sorgt für eine gute Ausbildung ihrer Tochter. Diese interessiert sich auch für Kampfkunst und entwickelt sich im Laufe der Jahre zur mächtigsten Kriegerin aller Zeiten mit unglaublichen Fähigkeiten. Eines Tages macht sie (jetzt: Gal Gadot) Bekanntschaft mit dem Piloten Trevor (Chris Pine), der an die Insel gespült wird. Seine Erzählungen von der Welt der Menschen wecken in Diana die Sehnsucht, ihre Insel zu verlassen und andere Dinge kennenzulernen. Aber sie ist auch besorgt als Trevor von einem Krieg erzählt, der die Welt mit Tod und Leid überzieht. Und so begleitet sie Trevor, zu dem sie sich hingezogen fühlt, kurz darauf nach Europa. Auf dem Kontinent entwickelt sich Diana endgültig zur Superheldin Wonder Woman, die ihre Kräfte für das Gute einsetzt.

„Wonder Woman“ ist der erste Superhelden-Blockbuster, der von einer Frau gedreht wurde: Patty Jenkins. Jenkins wurde 2003 mit ihrem Oscar-prämierten Drama „Monster“ bekannt. Ab November 2015 drehte sie ihren ersten millionenschweren Popcorn-Film in London, Süditalien und Frankreich. Für die Hauptrolle konnte die israelische Darstellerin Gal Gadot gewonnen werden, die als Lasso-schwingende Halbgöttin bereits in „Batman vs. Superman – Dawn of Justice“ ihren Einstand gab. Gadot wird zudem in den kommenden „Justice League“-Filmen in die Rolle von Diana Prince/Wonder Woman schlüpfen. Um die Figur hatte sich eine Vielzahl von jungen Darstellerinnen beworben, darunter auch das Ex-Bondgirl Olga Kurylenko.




„Wonder Woman“ macht vieles richtig und damit weitaus besser, als einige (wenn nicht alle) der vorherigen DC-Comicverfilmungen (z.B. „Man of Steel“ oder „Dawn of Justice“). Zunächst einmal gefällt der Film durch seine immer wieder leicht trashig anmutende, poppig-bunte Optik. Diese hebt sich positiv von der durch Zack Snyder in den letzten Filmen installierten, überzogenen Gothic-Düsternis ab. Platz für bedrohliche Stimmungen und eine beklemmende Atmosphäre bleibt dennoch, etwa auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs (angesiedelt in Flandern), auf denen der Film auch seine Action-Karten voll ausspielt.

Actionreich wird es dann vor allem wieder am Ende, wenn Wonder Woman gegen den gefürchteten Kriegsgott Ares antreten muss. Auf ihre athletischen Fähigkeiten sowie ihre vielen hilfreichen Waffen und Gimmicks, kann sich der Zuschauer aber während aller Kampfszenen freuen. Sie sorgen auf der großen Leinwand für spektakuläre Szenen: vom kugelsicheren Schild über den magischen Armreif aus Metall bis hin zum Lasso, das jeden, den es umschließt zwingt, die Wahrheit zu sagen. In diesen rasanten, hitzigen Momenten, bedient sich Regisseurin zudem gelegentlich der Zeitlupen-Technik, allerdings – zum Glück – nicht in ausufernder, inflationärer Weise.

Ein Aspekt, der gerade in den jüngsten DC-Filmen häufiger zu kurz kam, war der Humor-Anteil. Auch das macht „Wonder Woman“ um Längen besser. Denn Petty Jenkins würzt ihren Film (im Übrigen auch der erste, in dem eine Frau als Heldin im Zentrum steht), mit viel augenzwinkerndem, selbstironischem Witz. Dieser speist sich nicht zuletzt aus der Prämisse des Aufeinanderprallens zweier völlig unterschiedlicher (Erfahrungs-)Welten: dem Clash zwischen Dianas Naivität bzw. Unerfahrenheit im Umgang mit der menschlichen Rasse und der modernen Zivilisation, in der – wer hätte es für möglich gehalten – Männer und Frauen sogar zum Spaß Sex haben. Und nicht nur zwecks Fortpflanzung. Die Unterhaltung zwischen Diana und Trevor über dieses Thema, gehört zu den lustigsten Sequenzen im Film.

Von diesen gibt es aber noch reichlich im Film. Augenblicke, die einen ein vergnügtes, verschmitztes Lächeln ins Gesicht zaubern. Der Lächerlichkeit wird hier aber zu keiner Zeit irgendeiner der Charaktere preisgegeben, weshalb „Wonder Woman“ auch meilenweit von peinlich berührendem Fremdschäm-Humor entfernt ist. Im Gegenteil: Jenkins nähert sich ihren (tatsächlich für eine Comic-Verfilmung enorm vielschichtigen) Figuren behutsam und mit Respekt an. Wonder Woman erscheint hier als selbstbewusste, toughe Superheldin, die sich nicht nur in einer von Männern dominierten Welt behauptet sondern diese nicht zuletzt gehörig in die Schranken weist. Es dauert nicht lange und der Name „Wonder Woman“ steht stellvertretend für Dinge wie Gerechtigkeit und den Kampf gegen Willkür und Machtansprüche (Erster Weltkrieg).

Und noch ein Wort zu Hauptdarstellerin Gal Gadot: wirkte sie bei ihrem ersten Auftritt in „Batman vs. Superman“ ab und an noch ein wenig hüftsteif und unsicher, so legt sie all dies bei ihrem ersten Solo-Abenteuer komplett ab. Sie passt hervorragend in die Rolle der stolzen, edlen Amazonen-Prinzessin und schafft es auch, ihr eine gehörige Portion (sympathische) Spitzzüngigkeit und Sarkasmus einzuverleiben.

Fazit: Der erste Millionen-Blockbuster über einen weiblichen Superhelden, erstmals inszeniert von einer Frau: diese Kombination passt wie die Faust aufs Auge. „Wonder Woman“ gehört dank einer spielstarken Hauptdarstellerin, der stylischen Optik sowie des augenzwinkernden Humors, zu den gelungensten Event-Movies des Sommers.

Bewertung 4/5

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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