What We Become Kritik

What We Become Filmkritik

Dänische Filme sind ja schon irgendwie eine kleine Rarität. Und wenn man etwas Filmisches mit Skandinavien in Zusammenhang bringt, dann sind es oft Krimis, wie beispielsweise Erbarmen, Schändung oder die Millennium Trilogie. Aber einen dänischen Horrofilm? Und das auch noch im Subgenre Zombie? Da musste man wohl schon tief im Filmarchiv kramen, um auf einen passenden Film zu stoßen. Damit ist jetzt Schluss, denn mit What We Become steht der nächste Zombiefilm bereit, nur dieses Mal aus Dänemark. Ob der Film etwas für Walking Dead und Zombie-Fans im Allgemeinen ist oder ob What we become auch ganz schnell wieder im Filmarchiv verschwinden wird, das erfährt man in der nachfolgenden Filmkritik.

Da im Serienbereich die Zombieserie The Walking Dead ja momentan das Maß aller Dinge ist, werde ich nicht darumkommen, dass eine oder andere Mal darauf zu referenzieren. Aber stopp, ein Vergleich hinkt schon durch die Ausgangslage, denn er Zuschauer wird nicht wie bei The Walking Dead Mitten in die Zombie-Apokalypse reingeworfen, sondern sieht sich vielmehr wie beim Prequel Fear the Walking Dead erst einmal mit einer dörfischen Idylle konfrontiert. Im Mittelpunkt steht eine vierköpfige Familie, die in der Vorstadtsiedlung Sorgenfri (so heißt übrigens auch der Film im Originaltitel) im Norden von Kopenhagen wohnt und zuhause ist. Zwar schwelen innerhalb der Familie kleinere Konflikte, wie das angespannte Verhältnis zwischen Vater und dem pubertären Teenager-Sohn Gustav, alles im allem aber nichts, was man wahrscheinlich nicht in jeder zweiten Familie beobachten könnte. Die Kleinstadt-Idylle wird aber plötzlich getrübt, als eine mysteriöse Krankheit um sich greift und die Regierung Sorgenfri komplett von der Außenwelt militärisch abriegeln lässt. Unter der Bevölkerung wächst schnell die Unsicherheit, denn niemand weiß was genau los ist …


Was sich auf den ersten Blick wie das klassische Zombiefilm-Szenario liest, das man so von unzähligen Filmen schon nur zu gut kennt, entpuppt sich in seiner Gesamtheit dann aber doch als deutlich vielschichtiger. In seinem Langfilmdebüt gelingt dem dänischen Regisseur Bo Mikkelsen damit den etwas anderen Zombiefilm. Das fängt schon damit an, dass im Vergleich zu vielen anderen Zombiefilmen die Zombies gar nicht so sehr im Mittelpunkt des Geschehen stehen als man das gewohnt ist. Die primäre Gefahr geht für die Bewohner von Sorgenfri nämlich erst einmal nicht von den lebenden Toten aus, sondern von den Regierungstruppen. Von diesen werden die Einwohner nicht nur in ihren eigenen Häusern gefangen gehalten, sondern auch kaltblütig getötet, wenn ihre Anweisungen nicht Folge geleistet werden. In regelmäßigen Abständen findet eine Säuberung statt, bei denen kranke Bewohner deportiert werden. Einen Zombie bekommt man dann vergleichsweise spät zu sehen und auch die bekannte Zombieinvasion ist lediglich dem Schluss vorbehalten. Währenddessen immer wieder Andeutungen, eine schwelende ständige Gefahr, aber ohne die brachiale (und auch oft völlig übertriebene) Intensität, die man sonst so kennt.

An der ein oder anderen Stellen stört diese Passivität des Films aber dann doch. Etwa, wenn die Frau ihren Mann alleine im Haus zurücklässt und mit dem Auto flieht, da sie der Meinung ist, er hätte sich mit dem Zombievirus angesteckt. Als beide dann zufällig wieder bei Freunden zusammentreffen, wird dieser doch heftige Bruch zwischen den beiden lediglich mit einem kurzen Blickkontakt und ein paar spitzen Worten abgehakt. Auch, dass das Nachbarmädchen sich nach dem schmerzlichen Verlust ihrer Mutter gleich erst einmal auf einen heißen Quicky mit Gustav einlässt, wirkt in der plumpen Präsentation dann doch sehr unglaubwürdig. Mit einer etwas feineren und ausführlicheren Charakterzeichnung, wäre es nicht an dem Zuschauern gelegen, solche psychischen doch tiefgreifenden Probleme mit sich selbst im Stillen aufarbeiten zu müssen. Hier wäre doch deutlich mehr Potential gewesen, ohne den Fluss des eigentlichen Films zu stören.

Fazit:
Eine herrliche Abwechslung im dem doch sehr Schema-F Zombie-Genre mit kleinen Schwächen, über die man aber durchaus hinwegsehen kann. Für alle ist etwas dabei. Wer nach einem klassischen Zombiefilm sucht, der wird sich mit dem Ende von What We Become identifizieren können, wer hingegen Abwechslung möchte ist mit dem Mittelteil gut bedient. In der Gesamtheit bleibt so ein etwas anderer Zombiefilm, der aber leider dennoch weit von einem Meisterwerk entfernt ist.

Bewertung von What We Become:

8/10 Sternen


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