We Have Always Lived in the Castle Kritik

Constance Blackwood (Alexandra Daddario) und ihre jüngere Schwester Merricat (Taissa Farmiga) leben gemeinsam mit ihrem Onkel auf dem alten Familienschloss. Die Menschen in der Nachbarstadt meiden die Blackwoods, Kontakt zur Außenwelt besteht daher keiner. Der Grund: Vor einigen Jahren soll Constance ihre Eltern mittels eines Giftcocktails ermordet haben. Die Kleinstadt-Bewohner sind sich einig, dass die Blackwood-Schwestern zu weiteren Horrortaten im Stande sind. Sobald Merricat zum Einkaufen dann doch mal in die Stadt muss, erfährt sie folglich nur Hass und Verachtung. Frischen Wind aufs Schloss bringt unerwartet Cousin Charles (Sebastian Stan), der Constance bereits nach wenigen Tagen Avancen macht – sehr zum Missfallen ihrer Schwester, die in dem Gast eine Bedrohung sieht.

Nachdem sie in den letzten Jahren ausschließlich fürs US-amerikanische TV arbeitete, legt die aus Detroit stammende Regisseurin und Drehbuchautorin Stacie Passon mit „We have always…“ ihren zweiten Spielfilm vor. Der Film geht zurück auf den gleichnamigen Roman von Shirley Jackson, der 1962 veröffentlicht wurde. Planungen für eine filmische Umsetzung des Stoffes existierten bereits seit Sommer 2009. Ursprünglich sollte Rachel McAdams die Rolle der Constance Blackwood spielen.


Der Trailer dieses bereits 2016 gedrehten Films ließ vermuten, dass es sich bei „We have always…“ um klassischen (Gothic-) Horror alter Schule handeln könnte. Ganz im Stile von Filmen wie „Die Frau in Schwarz“, „Crimson Peak“ oder „The Others“: Allein stehendes Haus, tragische Familiengeschichte, stilvolle Kulissen und düstere Atmosphäre. In Wahrheit aber ist Passons neuestes Werk vielmehr eine Mischung aus Familien-Drama, Coming-of-Age und Thriller, angereichert mit Mystery-Elementen. Überraschende Schockmomente fehlen ebenso wie jene schauderhaft-abgründige Stimmung, die oben genannte Werke auszeichnete. Man sollte das Kino also nicht mit falschen Erwartungen betreten.

Im Zentrum steht eindeutig das komplexe Verhältnis zweier völlig gegensätzlicher Schwestern, deren Unterschiedlichkeit sich bereits in der Außenwirkung und Optik überdeutlich zeigt. Constance ist selbstsicher, kleidet sich modisch und trägt ihre Haare offen. Insgeheim sehnt sie sich nach dem Ausbruch aus dem – familiären – Gefängnis und der inneren Isolation. Merricat hingegen erscheint als verschüchtertes Mauerblümchen. Ihre gebückte Körperhaltung, dabei stets mit nach unten gerichtetem Blick, spricht Bände. Durch ihre geflochtenen Zöpfe wirkt die 18-Jährige außerdem wie ein kleines Mädchen. Merricat, die so manch bizarren Interessen nachgeht und skurrile Gewohnheiten pflegt, will die Familie zusammenhalten und alle „äußeren Einflüsse“ (sprich: Charles) beseitigen.

Die größte Spannung geht daher auch vom fragilen, letztlich undurchschaubaren Beziehungsgeflecht zwischen Merricat, Constance und Charles aus. Dass sich dieser „Dreikampf“ als derart fesselnd und dringlich erweist, ist den vorzüglichen darstellerischen Leistungen zu verdanken. Letztlich verhebt sich die Verfilmung allerdings an der ungeheuren Themenvielfalt, die schon das Buch überfrachtete. Es geht ums Erwachsenwerden, den Wunsch nach Freiheit und Eigenständigkeit, Abhängigkeitsverhältnisse, unterdrückte Gefühle, sexuelle Bedürfnisse, die Beschränktheit sowie Engstirnigkeit der Kleinstädter, Vorurteile und schließlich die Wahrung der häuslichen Idylle mit all ihrer Sicherheit und Beständigkeit. Das ist deutlich zu viel für einen lediglich 90-minütigen Film und sorgt für ein konfuses Gemisch aus zusammenhanglosen Inhalten und Ansätzen.

Fazit: Trotz gelungener schauspielerischer Darbietungen und authentischer Schauplätze erweist sich der Mystery-Drama-Thriller-Mix als unausgegorenes Durcheinander an zu vielen thematischen Ansätzen, Ideen und Inhalten.

Bewertung 5/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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