Vollidiot

Vollidiot FilmkritikWie lautet das unweigerliche Schicksal eines Bestsellers? Richtig: Er wird verfilmt! Kaum verwunderlich also, dass auch der literarische Sensationshit „Vollidiot“ für die große Leinwand adaptiert wurde. Der 2004 veröffentlichte Roman des Gagschreibers Tommy Jaud musste immerhin drei Jahre lang warten, bis ihm diese Gnade widerfuhr, die manchmal als Ritterschlag, viel zu oft aber als Faustschlag endet.

Ob das mit Oliver Pocher in der Hauptrolle verfilmte Popliteratur-Stück über einen sympathischen Loser überzeugen kann, erfahrt ihr in nachstehender, auch für Nicht-Vollidioten kompatibler Kritik.

Männlich, Single, erfolglos, ständig pleite, sucht …
Er hat’s nicht leicht, der gute Simon Peters (Oliver Pocher): Sein kärgliches Dasein finanziert er mit einem langweiligen Verkäuferjob in einen Telefonladen, bei Frauen blitzt er gnadenlos ab, seit ihn seine Freundin verlassen hat, und überhaupt nervt ihn alles an seinem Leben. Zeit etwas zu ändern! Doch auch ein Singleurlaub auf Malle bringt sein Leben nicht so richtig in Fahrt: Frustrierter als zuvor kehrt er nach Köln zurück.

Plötzlich scheint es aber das Schicksal gut mit ihm zu meinen: Bei einem Besuch in einer „Starbucks“ verblüffend ähnlichen Kaffeekettenfiliale lernt er seine Traumfrau Marcia (Ellenie Salvo González) kennen. Dummerweise bleiben dem ansonsten um keinen flotten Spruch verlegenen Simon beim Anblick ihrer Schönheit die Spucke und die Worte weg. Nur seine Jugendfreundin Paula (Tanja Wenzel) kann ihm jetzt noch helfen! Schließlich hat sogar sein dicker und lethargischer Kumpel Flik (Oliver Fleischer) inzwischen eine hübsche Freundin! Wäre doch gelacht, wenn es Simon nicht gelänge, einen ganz großen Coup zu landen.

Doch natürlich kommt alles anders, sodass Simon dem Filmnamen ein ums andere Mal alle Ehre macht …

Hier wird Ihnen nicht gelacht!
Wer Jauds Roman gelesen hat wird sich bestimmt die Frage gestellt haben, ob und wie ein darauf basierender Film funktionieren könnte. Die Antwort liefert Tobi Baumann (Unter anderem „Der Wixxer“): Könne funktionieren, wurde aber in diesem Falle gründlich in den Sand gesetzt. Der Gründe hierfür gibt es viele. Der Markanteste: Die Leinwandversion von „Vollidiot“ ist schlicht und einfach witzlos.

Dies liegt natürlich auch daran, dass Jauds oft lakonische und unter die Gürtellinie zielende Witze in seinen Büchern geschickt aufgeteilt sind und somit nicht auf wenige Seiten komprimiert nerven. Im Film jedoch stellt sich schon rasch ein Nerv-Faktor ein. Unverständlicherweise schafft es Co-Drehbuchautor Jaud nicht, den ambivalenten Charakter Simon Peters in bewegte Bilder zu übersetzen. Der Protagonist bleibt nicht nur blass, sondern wirkt zudem äußerst unsympathisch, was sich im Roman ganz anders verhält: Im Buch wird Simon als Versager geschildert, der zwar des Öfteren extrem unsensibel oder unfair agiert, im Grunde jedoch ein netter Kerl ist.

Pocher, bleib bei deinen Leisten(witzen)!
Eine grandiose Fehlbesetzung gelang bei der Hauptrolle: Oliver Pocher mag inzwischen über einen klingenden Namen verfügen. An Schauspieltalent mangelt es ihm dennoch an allen Ecken und Enden. Dies wäre nicht ganz so tragisch, wenn der restliche Cast sich ebenfalls auf niedrigem Niveau bewegen würde. Doch einem Schauspiel-Laien die Hauptrolle zuzuschanzen, während sich gestandene Leute aus Film und Fernsehen mit Nebenrollen begnügen müssen, befremdet.

Es stellt ein fragwürdiges Vergnügen dar, Pocher mit renommierten Schauspielern wie Oliver Fleischer oder Tanja Wenzel agieren zu lassen. Selbst Anke Engelke in einer durchaus geglückten Rollenwahl als „Eule“ genannte Chefin spielt den „Comedian“ locker an die Wand. Ein witziges Cameo bestreitet übrigens Herbert Feuerstein als steifer Gerichtsvollzieher.

Dem vorwiegend von einem jugendlichen Publikum verehrten Pocher ist die große Leinwand schlichtweg mehrere Nummern zu groß.

Dröge Inszenierung
Auch die Umsetzung selbst gibt Anlass zur Kritik. Brave TV-Optik verträgt sich mit dem meist zynischen Witz des Buches nicht. Es hat ganz den Anschein, als wollten die Produzenten auf Nummer sicher gehen, um einen Hit zu landen. Doch wie es im Leben oft so ist: Wenn man sich auf ein bestimmtes Ziel festlegt, verliert man den Sinn für die Details. Gerade ein solches popkulturelles Stück Literatur verlangt nach einer kompromisslosen Regie, frechen Dialogen und leichter Inszenierung. Das exakte Gegenteil wurde dabei erreicht: Brav, konturlos, ohne Ecken und Kanten, so präsentiert sich „Vollidiot“ dem Publikum.

Fast 2 Stunden lang prasseln meist müde Gagversuche auf den Zuschauer ein, guckt Oliver Pocher hilflos in die Kamera, mühen sich renommierte Nebendarsteller ab, den Film zu retten. Vergebens: Die filmische Version von „Vollidiot“ ist ein komplett enttäuschendes Wegwerfprodukt: Kaum ein Witz zündet, katastrophale Hauptrollenwahl, uninspirierte Kameraarbeit. Für einen Fernsehfilm würde das reichen, um irgendwo im Abendprogramm weder positiv, noch besonders negativ hervorzustechen. Eintrittsgeld zahlende Zuschauer legen jedoch eine weitaus höhere Messlatte an, die nicht einmal versehentlich angetastet wird.

Fazit: Bestenfalls für Oliver-Pocher-Fans leidlich interessant. Insbesondere Leser von Jauds Vorlage dürften aber vom Film enttäuscht sein.


Darsteller

  • Oliver Pocher … Simon Peters
  • Oliver Fleischer … Flik
  • Anke Engelke … Simons Chefin
  • Tanja Wenzel … Paula
  • Ellenie Salvo González … Marcia P. Garcia
  • Herbert Feuerstein … Gerichtsvollzieher
  • Tomas Spencer … Steve
  • Friederike Kempter … Tina

Regie
Tobi Baumann

Produktionsland, Jahr
Deutschland, 2007




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