Verräter wie wir Kritik

Verräter wie Wir Filmkritik

Perry Makepeace (Ewan McGregor) und seine Frau Gail (Naomie Harris) wollen im Urlaub in Marokko eine erholsame, unbeschwert Zeit verleben. Mit der Ruhe ist es aber vorbei, als sie eines Tages Dmitri “Dima” Krasnov (Stellan Skarsgård) kennenlernen, der sich als russischer Geschäftsmann ausgibt. Kurz darauf erfährt das englische Paar aber, dass es sich bei dem undurchsichtigen Mann um einen Geldwäscher der russischen Mafia handelt. Dima will jedoch – angeblich – seine kriminelle Karriere hinter sich lassen und bittet Perry und seine Frau um Hilfe. Das Paar soll ihm bei seinem Ausstieg helfen und dabei unterstützen, in England beim MI6 Unterschlupf zu bekommen. Grund für den Sinneswandel des ehemaligen Mafia-Handlangers ist, dass einer seiner Freunde Opfer eines brutalen Anschlags wurde. Im Gegenzug will Dima dem britischen Geheimdienst wichtige und geheime Informationen über die russische Mafia zukommen lassen. Trotz erheblicher Bedenken und des Widerspruchs seiner Frau, willigt Perry ein, bei der streng vertraulichen Aktion mitzumischen.

Verräter wie wir“ (Originaltitel: Our Kind of Traitor) beruht auf dem Buch eines der erfolgreichsten Krimi- und Spionagethriller-Autoren der Welt: John le Carré. Le Carré war in den 60er-Jahren selbst für den MI6 tätig, was seinen Werken eine große Glaubwürdigkeit verleiht. 1964 quittierte er seinen Dienst und war fortan ausschließlich als Autor tätig. Zu den bekanntesten le-Carré-Verfilmungen zählen u.a. „Das Russland-Haus“ (1989) mit Sean Connery, „Der ewige Gärtner“ (2005) oder auch „Dame, König, As, Spion“ (2011) mit Gary Oldman. Regie bei „Verräter wie wir“ führte die Britin Susanna White, die hiermit ihren ersten Film seit sechs Jahren vorlegt. Gedreht wurde bereits Anfang 2014, die Dreharbeiten, die u.a. in Bern und Paris stattfanden, dauerten ca. zwei Monate. Für Hauptdarsteller Ewan McGregor ist es der erste Film seit dem Krimi-Komödien-Flop „Mortedecai“ von 2015.

Obwohl die männliche Hauptfigur Perry hier als etwas dröger Sauber- und Jedermann daherkommt, dessen Motivation für die Unterstützung eines ihm unbekannten Ex-Mafia-Schatzmeisters nie so ganz klar wird und die Dramaturgie ohne viele Überraschungen bleibt, ist „Verräter wie wir“ eine gelungene Le-Carré-Verfilmung. Dies ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass es – wie für Geschichten aus der Feder des mittlerweile 85-jährigen Schriftstellers üblich – keine wilden Verfolgungsjagden oder spektakuläre Action-Momente sind, die für Spannung und gute Unterhaltung sorgen. Le Carré legt mehr Wert auf tiefgründige, komplexe Charaktere sowie eine ausgefeilte Figurenzeichnung.

Regisseurin White trägt dem Rechnung und präsentiert ihre Protagonisten – wie le Carré in den Büchern – als teils fragwürdige, undurchsichtige Charaktere. Jeder hat seine ganz eigenen, persönlichen Gründe, wieso er handelt, wie er handelt. Egal ob es der, sich den Anweisungen seiner Vorgesetzten widersetzende MI6-Mitarbeiter Hector (gespielt von Damian Lewis) ist oder Perry selbst. Hector will sich die sensiblen Daten und Infos, die zur Zerschlagung der Mafia führen könnten, nicht entgehen lassen. Und Perry hat nach privaten Fehltritten, seiner Frau gegenüber wieder einiges gutzumachen. Mit seinem forschen Auftreten und der Akribie, mit der er sich nach und nach der Geheimaktion widmet, versucht er, Gaile (etwas blass und unterfordert: Naomie Harris) zu beeindrucken und verlorenes Vertrauen-Terrain wieder gut zu machen. Dieses Story-Element hätte es nicht unbedingt gebraucht, wirkt für manch einen evtl. aufgesetzt und ist letztlich daher sicherlich Geschmackssache.

Über jeden Zweifel erhaben sind hingegen die plastischen, betörenden Hochglanzbilder, die der britische Kameramann Anthony Dod Mantle („Dredd“, „127 Hours“) von den teils exotischen, teils edlen, immer aber optisch reizvollen Schauplätzen und Drehorten einfängt: von Paris und London über Bern und die russische Weltmetropole Moskau bis hin zu Marrakesch, der Hauptstadt Marokkos.

Fazit: Trotz unglaubwürdiger Motivation der Hauptfigur und eines überraschungsarmen Handlungsverlaufs, eine überzeugende und unterhaltsame John-le-Carré-Verfilmung. Der vielfältigen, in hübschen Hochglanzbildern eingefangenen Drehorte und vielschichtigen Figurenzeichnung sei Dank.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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