Unstoppable Kritik

Unstoppable
„Unstoppable – Außer Kontrolle“ zeigt Actionregisseur Tony Scott in Hochform. Scott kann hier das zeigen, was er am liebsten mag und auch am besten kann: schnelle, hektische Kamerafahrten, hohe Schnittfrequenz und ein lärmender, donnernder Soundtrack. Nach diesem Rezept inszeniert Scott seit bereits fast 30 Jahren effektvolle und ungemein unterhaltsame Actionfilme klassischer Machart und gilt heute als der erfolgreichste Regisseur in diesem Genre. Sein 1986 gedrehter Fliegerfilm „Top Gun“ genießt ebenso Kultstatus wie seine schnörkellosen Actionreißer „Last Boy Scout“ und „True Romance“ aus den 1990er-Jahren. Im vergangenen Jahrzehnt festigte er seinen Status mit Filmen wie „Domino“ (2005) mit Keira Knightley und „Die Entführung der U-Bahn Pelham 1-2-3“ (2009) mit Denzel Washington, diese Filme blieben jedoch weit hinter den kommerziellen Erwartungen zurück. Im vergangenen Jahr entschied sich Scott dann abermals für einen Film, in dem ein Zug die tragende Rolle spielt – und besetzte die Hauptrolle erneut mit Denzel Washington.

Scott und Washington erweisen sich auch bei ihrem fünften gemeinsamen Film als eingespieltes Team: Scott inszeniert gewohnt schnell, hart und laut, während Washington der Hauptfigur – wie in den meisten Fällen bei Scott ein tragischer Held, der zufällig in eine dramatische Situation gerät und in dieser über sich hinauswächst – emotionale und charakterliche Tiefe verleiht – soweit dies im Rahmen einer schnell erzählten Handlung wie im Fall von „Unstoppable“ eben möglich ist. Dem Film dient zudem ein wahres Ereignis als Vorbild. Die Handlung ist angelehnt an eine Begebenheit mit dem Namen „Vorfall CSX 8888“, die sich am 15. Mai 2001 im US-Bundesstaat Ohio zutrug: ein Zug im Rangierbahnhof Stanley Yard nahe der Stadt Toledo geriet außer Kontrolle und fuhr rund 100 Kilometer unbemannt durch dicht besiedelte Städte und bewohnte Gebiete.

Diese Grundthematik greift Scott in seinem Film wieder auf: Ein Arbeiter auf einem Rangierbahnhof in Pennsylvania leistet sich eine Nachlässigkeit mit schweren Folgen: Beim Rangieren eines Güterzuges schließt er die Bremsen nicht richtig an und verlässt den langsam anrollenden Zug, um eine Weiche manuell zu stellen. Da fährt die Lok mit ihren 39 Waggons auch schon an ihm vorbei. Der Zug transportiert eine hochgiftige Chemikalie und sollte er entgleisen, käme es in den dicht besiedelten Gebieten, denen er sich nähert, zu einer Katastrophe. 300 Kilometer weiter: auf einem anderen Rangierbahnhof bekommt der erfahrene Lokführer Frank Barnes (Denzel Washington) mit dem jungen Anfänger Will Colson (Chris Pine) einen neuen Kollegen zugeteilt. Bald erfahren die beiden von dem unbemannten Zug, der ihnen mit voller Geschwindigkeit entgegenfährt. Dank eines Nebengleises entkommen sie nur knapp einem Zusammenstoß. Frank beschließt daraufhin, mit seiner Lok den führerlosen Zug zu verfolgen. Wenn er es schafft die Lok anzukoppeln, kann die Bremskraft den außer Kontrolle geratenen Koloss vielleicht verlangsamen. Doch die Zeit rennt den beiden davon…

Tony Scott inszeniert hier ebenso wie sein heimlicher Hauptdarsteller (der Zug) durch das Bild rast: mit Hochgeschwindigkeit. Dabei lässt er dem Zuschauer keine Verschnaufpause und zieht das Tempo schon nach der ersten viertel Stunde gehörig an. Ist der Zug erst einmal in Bewegung gesetzt und rast als tickende Zeitbombe zunächst an unberührter Natur und dann an einer Stadt nach der anderen vorbei, gibt es kein zurück mehr: Wilde Kamerafahrten und verwackelte Bilder bestimmen nun Bildschirm und Szenerie, es geht Schlag auf Schlag und das in einer Mordsgeschwindigkeit. „Speed“ auf Schienen, sozusagen. Spätestens als Frank und Will den Zug (rückwärts!) verfolgen, entsagt der Film jedweder Logik. Im Zentrum stehen nun die (sehr sehenswert und realistisch inszenierten) Action-Sequenzen. Scotts Inszenierung ist grundsolide und handwerklich einwandfrei. Er beherrscht sein Fach seit vielen Jahrzehnten, das merkt man dem Film an.

Einen faden Beigeschmack hinterlässt jedoch die in die Grundstory integrierte „Buddy-Movie“-Idee zwischen Frank und Will, die äußerst künstlich wirkt. Der alternde, erfahrene Zugführer Frank (Washington) bekommt einen wesentlich jüngeren Kollegen (Pine) zugeteilt. Zunächst steht deren Beziehung unter keinem guten Stern, da die älteren Arbeiter zunehmend von den jungen verdrängt werden. Im Laufe der Zeit finden die beiden grundverschiedenen Charaktere aber zueinander und entwickeln sich – wie sollte es anders sein – für ein hehres Ziel (den Todeszug zu stoppen) sogar zu einem unschlagbaren Team. Dieses Motiv des klassischen Buddy-Movies (ein Ereignis zwingt die Charaktere zum gemeinsamen Handeln, um die Lösung der ausweglosen Situation in Teamarbeit erreichen zu können) hat man schon (zu) oft gesehen und ist ausgereizt, in erster Linie als Rahmenhandlung testosteron-geschwängerter Actionfilme. Das wirkt bemüht und aufgesetzt und hätte man an dieser Stelle lieber vermeiden sollen. Denzel Washington macht seine Sache als Zugführer Frank aber gewohnt solide ohne zu brillieren, Chris Pine als hübscher Berufseinsteiger Will jedoch bleibt blass und ausdruckslos und wirkt daher fehlbesetzt.

Fazit: „Unstoppable“ funktioniert als sinnfreier aber handwerklich ordentlicher Hochgeschwindigkeits-Actionfilm, der die Logik-Löcher und schauspielerischen Schwächen mit Tempo und rasanten Kamerafahrten kompensiert.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller

  • Denzel Washington
  • Chris Pine
  • Rosario Dawson
  • Ethan Suplee
  • Kevin Dunn
  • Kevin Corrigan
  • Kevin Chapman
  • Lew Temple
  • T.J. Miller
  • Jessy Schram
  • David Warshofsky
  • Andy Umberger

Regie
Tony Scott

Erscheinungsjahr
2010

Unstoppable Trailer


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