Transformers – Die Rache

transformers-die-racheWovon träumen männliche Teenager bevorzugt? Heiße Schlitten und ebenso heiße Frauen – was liegt somit näher, als diese Sehnsüchte zu befriedigen? Im Jahr 2007 reanimierte der nicht gerade für subtile Autorenfilme bekannte Michael Bay die Spielzeug-Serie „Transformers“ und landete einen Volltreffer. Nur zwei Jahre später schickt er die verwandlungsfreudigen Blech-Aliens erneut ins Rennen, oder besser gesagt: In die CGI-Schlacht!
Ob „Transformers – Die Rache“ mehr als nur eine Zerstörungsorgie bietet, soll nachfolgend geklärt werden. Und, nein: Euer Bildschirm wird sich nicht in einen lustigen Roboter verwandeln …
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Unlustig ist das Studentenleben
Dauer-Teenager Sam (Shia LaBeouf) verlässt sein behütetes Zuhause, um aufs College zu gehen. Unabsichtlich jagt er noch das Haus seiner Erzeuger in die Luft, da ein Splitter des mächtigen Kristalls die elektronischen Helferchen in elektronische Killerchen verwandelt. Zum Glück steht ihm Bumblebee bei, der die Situation souverän, wenngleich sehr radikal rettet.

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© 2009 DW Studios L.L.C. und
Paramount Pictures Corporation

Doch auch auf dem College bleibt Sam von allerlei Verwicklungen nicht verschont: Freundin Mikaela (Megan Fox) ist sauer auf ihn, eine Studentin baggert ihn unaufhörlich an und das Zimmer muss er mit Verschwörungsfreak Leo (Ramon Rodriguez) teilen. Zu allem Überfluss planen die bösen Decepticons einen Großangriff. Tatsächlich scheint ihr Plan aufzugehen. Nur ein winziges Detail fehlt ihnen noch, um ihre Herrschaft zu komplettieren: Ein Code, der sich ungefragt in Sams Oberstübchen einquartierte. Plötzlich sehen sich Sam und Mikaela von den fiesen Robotern gehetzt …

Spielzeugkiste für Junge und Junggebliebene
Zugegeben: Wer von Michael Bay („Armageddon“, „The Rock“, „Pearl Harbor“) so etwas wie eine clevere Story mit feinen Untertönen erwartet, hat sich ohnehin im Kinosaal geirrt. Bays Konzept ist in fast jedem Film exakt dasselbe: Möglichst bombastisch möglichst viel in die Luft jagen. Ohne Küchenphilosophie betreiben zu wollen könnte man in Versuchung geraten, von einem auf männlichen Geschmack zugeschnittenes Blockbusterkino zu sprechen. Folgerichtig geriet Bays einziger halbwegs ernsthafter Film, „The Island“, zu einem veritablen Flop, trotz guter Kritiken.

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© 2009 DW Studios L.L.C. und
Paramount Pictures Corporation

In „Transformers – Die Rache“ spielt der Kalifornier deshalb seine Stärken aus: Die Inszenierung komplett hirnbefreiten Popcorn-Kinos, das eine Orgie der Destruktivität attraktiv bebildert. Mit dieser Absicht steht er natürlich nicht alleine da. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen: Um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können, muss es noch lauter poltern, muss noch mehr Zerstörungswut auf die Leinwand projiziert werden, muss die Zielgruppe wie magisch ins Kino gelockt werden.

Klarerweise bleibt dabei der Plot auf der Strecke. Während im ersten „Transformers“-Teil noch so etwas wie eine Rahmenhandlung eingeführt wurde und der Versuch einer Charakterisierung erfolgte, hält sich „Transformers – Die Rache“ mit derlei Kinkerlitzchen erst gar nicht mehr auf. Die Jagd nach einem Artefakt, das über Gedeih und Verderb der Menschheit entscheidet, ist natürlich ebenso wenig originell, wie die Figur des jungen Helden, der in der Stunde der Gefahr über sich hinauswächst.

Natürlich kann man einwenden, dass in einem Film wie diesem bereits die groteske Hintergrundgeschichte jegliche Ernsthaftigkeit unterwandert. Doch Regisseur Nolan bewies zuletzt mit seiner „Batman“-Interpretation, ebenso wie Tim Burton zwei Jahrzehnte zuvor, wie ein Comic anspruchsvoll verfilmt werden kann. Und um mehr handelt es sich bei den „Transformers“, die als Zeichentrickserie Bekanntheit erlangten, nicht.

Voller Körpereinsatz für die Jungs!
Fast zweieinhalb Stunden lang blitzt, donnert, kracht, knallt es auf der Leinwand. Aus gutem Grund, denn in den Atempausen zwischen den Kampfszenen wird Bays größte Schwäche schonungslos offengelegt, nämlich jene, eine in sich schlüssige, fesselnde Dramaturgie zu inszenieren. Was etwa ein Spielberg oder ein Cameron aus dem Ärmel schütteln, missglückt bei „Transformers – Die Rache“ auf ganzer Linie. Die Dialoge sind mehrmals jenseits der Schmerzgrenze, die Charaktere nerven und was Bay unter „Humor“ versteht, finden wohl allenfalls Frühpubertierende auch nur ansatzweise lustig.

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© 2009 DW Studios L.L.C. und
Paramount Pictures Corporation

Gefordert wird aus der mittelmäßigen Schauspielerriege nicht nur deshalb keiner. Zum Glück, denn Shia LaBeouf ist in der Hauptrolle überfordert und wird sogar von CGI-Autos an die Wand gespielt. Ihm zur Seite steht, liegt und räkelt sich Megan Fox, deren Aufgabe darin besteht, sich beschützen zu lassen und männliche Teenager anzuschärfen. Nicht, dass es sich um ein völlig neues Rollenprofil für eine hübsche, junge Schauspielerin handeln würde. Dennoch ist es ganz schön dreist, wie Bay ihre unterm Dekolleté wippenden Brüste gleich zigfach in Zeitlupe (!) ins Bild rückt oder ein Roboter sich an ihrem Bein verlustiert (!). Ob Miss Fox irgendwelche schauspielerischen Qualitäten besitzt, außer jene, möglichst auffällig zu posieren, ihre Brüste in die Kamera zu halten und die Lippen zu schürzen, bis man Angst hat, sie könnten wie Knackwürste aufplatzen, muss sie jedenfalls noch beweisen.
Den obligatorischen „funny sidekick“ gibt Ramon Rodriguez als Verschwörungsspinner Leo. Wobei „funny“ ruhig durch ein in der Bedeutung entgegen gesetztes Verb ersetzt werden darf.

Viel Lärm um viel Nichts
„Transformers – Die Rache“ ist zweifellos die bislang größte Zerstörungsorgie, die auf der Leinwand bestaunt, respektive ertragen werden durfte. Selbst als Actionfan ist man des Getöses und Gekraches schon nach kurzer Zeit überdrüssig und sehnt sich nach dringend nötigen Atempausen. Denn nichts langweilt rascher, als die Übersättigung. Und übersättigt fühlen sich Auge und Ohr bei „Transformers – Die Rache“ spätestens nach der dritten oder vierten Kampfszene zwischen den Metallkolossen.

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© 2009 DW Studios L.L.C. und
Paramount Pictures Corporation

Welcher Roboter zu welchem Zeitpunkt was genau macht, ist weder wichtig, noch nachvollziehbar: Schnelle Schnitte und eine sich ständig bewegende Kamera verhindern einen genaueren Blick auf das Geschehen. Wird gerade einer der Guten vermöbelt? Oder einer der Bösen? Unwichtig. Wichtiger scheint das optische und akustische Dauerfeuerwerk, das nur von unlustigen „Witzen“, Megan Fox’ Fahrgestell oder langweiligen Dialogen unterbrochen wird.

Abschließend muss man Michael Bay dennoch gratulieren: Gemäß dem Filmtitel transformierte er die Reste des Inhalts in eine komplett plotleere Form. „Transformers – Die Rache“ ist zweieinhalb Stunden Form ohne Inhalt. Wem dies genügt, wird bestens bedient. Doch Obacht: Kopfschmerztabletten nicht vergessen! Ihr werdet sie brauchen …


Darsteller

  • Shia LaBeouf … Sam Witwicky
  • Megan Fox … Mikaela Banes
  • Ramon Rodriguez … Leo
  • Isabel Lucas … Alice
  • Kevin Dunn … Ron Witwicky
  • Julie White … Judy Witwicky
  • John Turturro … Agent Simmons
  • Glenn Morshower … General Morshower
  • Josh Duhamel … Captain Lennox
  • John Benjamin Hickey … Theodore Galloway
  • Tyrese Gibson … Sergeant Epps

Regie
Michael Bay

Produktionsland, Jahr
USA, 2009

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