The Strangers

The Strangers KritikTödliche Bedrohungen einer Gruppe von Menschen, die sich fernab der Zivilisation ihrer Haut erwehren müssen, zählen zu den ältesten und beliebtesten Horrorgenre-Plots. Wenig verwunderlich angesichts der Fülle an Möglichkeiten, dem geneigten Zuschauer Furcht einzuflößen. Denn: Könnte dies nicht jedem von uns passieren?
Diese Urangst machte sich Bryan Bertino mit „The Strangers“ zueigen und landete einen Überraschungserfolg: Der Streifen spielte in den Kinos ein Vielfaches der Produktionskosten ein. Ehe die unvermeidliche filmische Fortsetzung folgt, wollen wir uns ganz freundschaftlich und zivilisiert dem ersten Teil widmen.

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Das junge Paar James (Scott Speedman) und Kristen (Liv „Hauptsache schön und Tochter eines bekannten Sängers“ Tyler) übernachtet in einem abgelegenen Bungalow, der James’ Eltern gehört. Anstatt einen romantischen Abend zu verbringen, sind die beiden jedoch gedrückter Stimmung, nachdem Kristen den Heiratsantrag ihres Liebsten abgelehnt hat. Mitten in diese partnerschaftliche Krise hinein platzt eine merkwürdige junge Frau (Gemma Ward), die angeblich ihren Freund sucht.

Noch ahnen James und Kristen nichts Böses. Dies ändert sich rasch, als James das Haus kurz verlässt, um Zigaretten aus der Stadt zu holen. Denn Kristen beginnt zu ahnen, dass sie nicht alleine im Bungalow ist. Zwar ist James nach seiner Rückkehr skeptisch, doch schon bald folgen die ersten Attacken maskierter Unbekannter …

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„Funny Games“ reloaded?
Der Vergleich zu Hanekes „Funny Games“ fällt fast zwangsläufig: Hier wie da wird ein Pärchen von Unbekannten im eigenen Heim überfallen und gefangen gehalten. Die Gründe hierfür – das sei verraten – erschließen sich weder in „Funny Games“, noch in „The Strangers“. Während Haneke aber auf Medien- und Gesellschaftskritik Wert legt, setzt Bryan Bertino auf oberflächliche Thriller- und sogar Splatterelemente. Dabei lässt der Film die Katze gleich zu Beginn aus dem Sack, indem das Ende unmissverständlich vorweggenommen wird. Somit beraubt sich der Streifen eines guten Teils seiner möglichen Spannung, was angesichts der folgenden Ereignisse höchst unglücklich anmutet.

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Denn nun folgt eine gemächliche, langweilige Einführung der Charaktere, die völlig missglückt, da sie bar jeglichen Esprits und Dialogwitzes ist. Minute um Minute darf man die beiden Protagonisten dabei beobachten, wie sie angesichts des abgelehnten Heiratsantrags stumm vor sich dahin leiden. Der ehemalige Profi-Schwimmer Scott Speedman und die aus „Herr der Ringe“ und „Aerosmith“-Videos bekannte Liv Tyler sind definitiv keine Charakterdarsteller und verleihen dem jungen Paar keinerlei emotionale Tiefe, sondern vielmehr völlige Leere. Vor allem Liv Tyler entwickelt ein beachtliches Talent darin, ausdruckslos ins Nichts zu starren. Ob dies für eine große Schauspielkarriere prädestiniert, ist eher fraglich.

Nur kurzes Aufflimmern von Spannung
Erst mit dem mysteriösen „Besucher“ gelingt dem Film kurzfristig ein Schwenk in die angestrebte Thriller-Richtung. Tatsächlich baut die Handlung plötzlich Spannung auf, wenn Kristen sich eines Eindringlings im Haus gewahr wird, während James meilenweit entfernt ist. Leider wird diese Spannung nicht weiterentwickelt, sondern bricht schlagartig wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Der Grund hierfür liegt zum einen in der Absurdität der fortschreitenden Handlung, auf die wir gleich zu sprechen kommen, zum anderen in der schematischen Abarbeitung zahlreicher altbekannter Klischees. „The Strangers“ bemüht sich erst gar nicht, den Zuschauer überraschen zu wollen. Im Gegenteil: Hartnäckig wird jedes, aber wirklich jedes abgegriffene Klischee bedient. Nicht nur Dank des gleich zu Beginn verratenen Filmendes weiß jeder, der in seinem Leben zumindest ein paar Thriller oder Horrorstreifen gesehen hat, wie die Handlung voranschreiten wird.

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Dabei gelingt es Regisseur Bryan Bertino mühelos, selbst die abstrusesten Plotentwicklungen mit einer ans Lächerliche grenzenden Ernsthaftigkeit zu inszenieren.
Beispiel gefällig? Wie verhält man sich, wenn man das Haus von Freunden aufsucht und dort angekommen beschossen wird, der Wagen der Freunde sich in ein Wrack verwandelt hat, ein unbekanntes Auto vor dem Haus steht, niemand zu hören ist und die Haustür augenscheinlich gewaltsam aufgebrochen wurde?

Antwort A: Man ruft die Polizei an und haut ab oder wartet, bis diese eintrifft.
Antwort B: Man schleicht sich ins Haus und vermeidet es, auch nur im Geringsten vorsichtig zu sein.

Selbstverständlich trifft Antwort B ins Schwarze! Nahtlos reihen sich die teilweise ans Übersinnliche grenzenden Fähigkeiten der Angreifer in die Riege der Abstrusitäten ein. Auch hierfür ein Beispiel: Eine Hand legt sich auf die Schulter des Protagonisten. Erschrocken sieht sich dieser um … und erblickt niemanden, was auf Grund der Location völlig unmöglich ist.

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Zwar zehren gerade Horrorfilme und Thriller zu einem Gutteil davon, nicht immer nachvollziehbare Plotentwicklungen aufzuweisen. Doch „The Strangers“ strapaziert das Element der Unglaubwürdigkeit über, weshalb man als Zuschauer – eingedenk der nicht vorhandenen Charakterisierung – weniger mit den Protagonisten mitfiebert, als sich vielmehr über die haarsträubend dummen Verhaltensweisen zu wundern. Jegliche Ernsthaftigkeit wird auf diese Weise natürlich unterminiert und ins Gegenteil verkehrt, sodass der Film einem Potpourri der beliebtesten Genre-Klischees gleicht. Darüber kann auch der unvermittelte Einsatz von Splattereffekten nicht hinwegtäuschen.

Wer sich zumindest einen Plot-Twist oder eine überraschende Erklärung für die Gewaltexzesse erhofft, wird drastisch enttäuscht. Kerzengerade bewegt sich „The Strangers“ auf ausgetretenen Pfaden, ohne eigene Ideen oder wenigstens die Ansätze dessen zu entwickeln.

Somit ist „The Strangers“ ein Film, der Genrefans ohne große Ansprüche zwar unterhalten wird, jedoch auf Grund der schwachen Darsteller, des undurchdacht wirkenden Drehbuchs und einfallslosen „Schockszenen“ lediglich Dutzendware bietet.


Darsteller

  • Liv Tyler … Kristen
  • Scott Speedman … James
  • Glenn Howerton … Mike
  • Gemma Ward … Maskierte Person
  • Kip Weeks … Maskierte Person

Regie
Bryan Bertino

Produktionsland, Jahr
USA, 2008

The Strangers Trailer


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