The Limehouse Golem Kritik

the limehouse golem kritik

Das viktorianische London am Ende des 19. Jahrhunderts: die Bevölkerung lebt in Angst und Schrecken, denn die Metropole wird von einer unheimlichen Mordserie erschüttert. Unter der Bevölkerung kommt bald der schreckliche Verdacht auf, dass es sich bei dem Täter um ein grässliches Wesen aus der jüdischen Kultur handeln könnte: dem Golem. Hinzu kommt, dass der Mörder mit dem Blut seiner Opfer lateinische Verse an die Mauern des Londoner Limehouse-Viertels schreibt. Vor allem in diesem Viertel ermittelt daher auch der mit dem Fall betraute Scotland-Yard-Detektiv John Kildare (Bill Nighy). Limehouse gehört zu den dreckigsten, schäbigsten Vierteln der Stadt. Es ist die Heimat von unzähligen Kriminellen und zwielichtigen Gestalten. Im welchem Zusammenhang stehen die Verbrechen mit dem Viertel? Und was haben der Music-Hall-Besitzer Dan Leno (Douglas Booth) sowie die demnächst vor Gericht stehende Witwe Cree (Olivia Cooke) mit dem Fall zu tun?

„The Limehouse Golem“ beruht auf dem erfolgreichen Roman „Dan Leno and the Limehouse Golem“ von Peter Ackroyd, der 1994 erschien. Das Script verfasste die bekannte Drehbuchautorin Jane Goldmann, die Erfahrung mit Mystery, Fantasy sowie Horror-Motiven hat: sie lieferte bereits die Drehbücher zu Filmen wie „Die Frau in Schwarz“ oder auch „Die Insel der besonderen Kinder“. Inszeniert wurde der Film vom Spanier Juan Carlos Medina, der hier fiktionale Elemente mit wahren Ereignissen und historischen Personen verbindet. So existierte der Varieté-Besitzer Dan Leno tatsächlich. Gedreht wurde „The Limehouse Golem“ im Oktober und November 2015 in verschiedenen Städten Englands, darunter Leeds und Manchester. Gewidmet ist der Film dem Anfang 2016 verstorbenen britischen Charakter-Mimen Alan Rickman, der ursprünglich für die Rolle des Detektives vorgesehen war.


Die große Stärke des Films sind seine düster-bedrohliche Optik und die realistischen, oft in undurchsichtigen Nebel gehüllten Schauplätze. Regisseur Medina gelingt es, den Zuschauer glaubhaft ins London der 1880er-Jahre zu versetzen. Einer Zeit, in der die Stadt geprägt war von finsteren Gassen und gefährlichen, nebulösen Bezirken sowie unheilvollen Orten. Dort tummelten sich haufenweise undurchsichtige Personen, vor denen man sich besser fernhielt. In der Stadt herrschte Dunkelheit vor. Visualisiert auf der Leinwand heißt das: die Wohnungen der Menschen sind spärlich beleuchtet und weite Teile der Ereignisse im Freien spielen nachts, einzig vom dämmrigen Licht der Straßenleuchter erhellt.

Für weiteres Licht im Dunkeln sorgen darüber hinaus meist nur der Mond oder das Kerzenlicht in den vier Wänden der handelnden Personen. Diese Düsternis und visuelle Ausgestaltung weckt Erinnerungen an Mystery-Thriller sowie Gothic-Horror-Werke wie „From Hell“ oder „Die Frau in Schwarz“ mit Daniel Radcliffe aus dem Jahre 2013. Auch wenn Ermittler Kildare mit der Kutsche durch strömenden Regen auf den Straßen Londons unterwegs ist, denkt man unweigerlich an den herausragenden Schauer-Horror mit dem Ex-Harry-Potter-Star. Aber man fühlt sich bei „The Limehouse Golem“ natürlich zudem unweigerlich an „Jack the Ripper“ und klassischen „Who-dunnit“ erinnert – beides bringt Medina hier gekonnt zusammen. Er variiert die gängigen Versatzstücke dieser bekannten Konzepte und filmischen Motive.

Die nebelverhangenen, mystischen Bilder der alten Hafendocks oder der engen, von Menschen durchfluteten Straßen des dreckigen Großstadt-Molochs – dies alles erzeugt beim Betrachten ein beklemmendes Gefühl dauerhafter (An-)Spannung. Regisseur Medina frönt hier einem sehr ausgeprägten und detailverliebten formalen Gestaltungswillen. Einen passenden Gegenpart zu diesen dunklen, schauderhaften Bildern und Szenen, bilden die Atmosphäre und Vorgänge im Theater bzw. der Music Hall. Dort geht es meist exzentrisch und bunt zu, bei den schrillen Künstlern handelt es sich oft um – wie sie damals genannt wurden – „Freaks“: Entstellte, Kleinwüchsige oder schlicht von der Gesellschaft verstoßene Außenseiter und Geächtete (z.B. Ehebrecher oder Kriminelle).

Leider jedoch ahnt der Thriller- und Krimi-erfahrene Zuschauer schon recht bald, wie der Hase läuft. Da bringt es auch nichts, wenn Regisseur Medina immer wieder versucht, durch falsche Fährten und – kaum überraschende und eher harmlose – Twists, Verwirrung stiften zu wollen. Am Ende will er mit einer gewaltigen 180-Grad-Wende überraschen, was jedoch nur bedingt gelingt. Auch wären weniger Rückblenden im Film wünschenswert gewesen. Diese Form der Narration nutzt Medina auf fast schon verschwenderische Art, jedoch führen sie nur allzu oft zu erzählerischen Längen und einer künstlich gesteigerten Laufzeit. Immerhin: Bill Nighy liefert als vielschichtiger Detektiv, der sich immer mehr in den Fall hineinsteigert und irgendwann komplett den Durchblick zu verlieren scheint, eine herausragende Leistung.

Fazit: Düstere Mischung aus Schauerroman-Grusel und klassischer „Who-dunnit“-Story mit wahrhaftigem Setting und realistischer visueller Ausgestaltung. Leider ahnt man zu früh, was des Rätsels Lösung ist und auch die vielen falschen Fährten führen kaum in die Irre.

Bewertung: 6.5/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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