The Expendables Filmkritik

Der Actionfilm der 1980er-Jahre ist tot – es lebe der Actionfilm der 1980er-Jahre! Ein Widerspruch in sich? Nicht unbedingt, wie einige Kinohits der letzten Zeit belegen. Noch vor wenigen Jahren galt der klassische Actionheld der Marke Sylvester Stallone als Ladenhüter, der zu ungunsten weichgespülter Schönlinge à la Matt Damon oder gebrochener Antiheldenfiguren mit öden Alltagsproblemen in die letzte Reihe verfrachtet wurde.

Doch ausgerechnet Mr. Rambo persönlich leitete 2008 mit seinem schlicht „Rambo“ betitelten vierten Teil seiner kassenträchtigen Filmreihe das verblüffende Comeback des adrenalingesteuerten Actionkinos ein. Mit „The Expendables“ gelang dem 64-jährigen New Yorker der größte Coup seiner Karriere: Nie zuvor versammelte sich ein dermaßen hochkarätiger Action-Cast um ein und denselben Film! Ob der Streifen die enorm hohen Erwartungen erfüllen kann? Folgt einfach dem blauen Licht …

Unverzichtbare Verzichtbare
Die mit allen Wassern und Waffen gewaschene Söldnergruppe „The Expendables“ rund um Barney „The Schizo“ Ross (Sylvester Stallone) befreite gerade Geiseln an Bord eines Schiff im Golf von Aden, als bereits der nächste Auftrag wartet. Der geheimnisvolle „Mr. Church“ (Bruce Willis) heuert Ross, Lee Christmas (Jason Statham), Yin Yang (Jet Li), Hale Ceasar (Terry Crews), Toll Road (Randy Couture) und Gunnar Jensen (Dolph Lundgren) an, den tropischen Inselstaat Vilena vom mit unerbittlicher Härte regierenden General Garza (David Zayas) zu befreien.

© 2010 Twentieth Century Fox

Ross nimmt den Auftrag und erkundet vorab mit Christmas die Insel. Dabei stellen die Beiden fest, dass Garza in Wahrheit völlig unter Kontrolle von James Munroe (Eric Roberts) steht, einem abtrünnigen Ex-Agenten der CIA, der den Kleinstaat für seine Kokaingeschäfte zu nützen beabsichtigt. Schnell wird Ross klar, was Sache ist: Der CIA möchte Garza und Munroe entmachten, um sich das Kokainmonopol über Vilena zu sichern. Die „Expendables“ dienen dabei nur als Schachfigur mit dem Ziel, das eigene Image nicht zu beschmutzen. Aber so einfach lassen sich die Söldner auch vom mächtigen Geheimdienst nicht vor den Karren spannen …

Aufmarsch der Action-Ikonen
Konsequenterweise wurde „The Exendables“ mit den Namen seiner Darsteller beworben. Was Stallone auf die Beine stellte, ist nicht weniger als der sensationellste Actioncast der Filmgeschichte: Jet Li, Dolph Lundgren, Mickey Rourke, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis, Randy Couture, Jason Statham, Steve Austin und natürlich Sly selbst in ein und demselben Ensemblefilm! Gewiss: Ein paar andere große Namen wie Jean-Claude Van Damme, Steven Seagal oder Kurt Russell fehlen noch für das formvollendete Action- Déjà-vu. Doch trotz der Absagen einiger 1980er-Action-Ikonen bietet „The Exendables“ einen Aufmarsch der Genre-Superstars par excellence.

© 2010 Twentieth Century Fox

Jedenfalls wird der Film in entsprechender Weise beworben, was sich bei genauer Betrachtung aber als Mogelpackung herausstellt. Die auf den Filmplakaten prominent beworbenen und in diversen Trailern zu bestaunenden Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis legen jeweils Cameo-Auftritte hin. Die gemeinsame Szene von Stallone, Schwarzenegger und Willis in einer Kirche (wovon sich auch Willis’ Tarnname „Mr. Church“ ableitet) ist zwar trotz völliger Absenz jeglicher Spezialeffekte oder Action der Höhepunkt des Films. Aber diese Sequenz dient einzig und allein Marketingüberlegungen und hat keinerlei Relevanz für den Plot. Sinnigerweise wurde die Szene an einem einzigen Tag nachgedreht und rückwirkend in den Film integriert.
Erheblich mehr Präsenz darf Mickey Rourke zeigen, der jedoch gleichfalls wenig zur Handlung beiträgt und lediglich ein paar altkluge Sprüche aus dem Actionwandkalender rezitieren darf.

Die wahren Actionhelden in „The Expendables“ sind somit Stallone, Jet Li, Dolph Lundgren, Jason Statham, Randy Couture und Steve Austin, wobei sich der nicht unbescheidene Sly den größten Anteil am Klopperkuchen reservierte. Vollkommen berechtigt im Übrigen, führte „Rocky“ doch auch Regie …

Platter Plot, geplättete Gegner
Seziert man den Plot von „The Expendables“, so fühlt man sich wahrlich in die 1980er-Jahre zurückversetzt. Vor Muskelmasse strotzende Alphamännchen mischen gesichtslose Horden von Gegnern auf und retten die in solchen Filmen unverzichtbare Schöne in Nöten – hier: Giselle Itié – vor den Schergen des Bösen. Der kritische Seitenhieb auf die Rolle der CIA im Drogenhandel ist mit einem Handkantenschlag vom Tisch gewischt und im Grunde genauso belanglos für die Handlung, wie der Verrat durch einen der Söldner oder James Munroes CIA-Vergangenheit.

© 2010 Twentieth Century Fox

Einerlei: Wer sich von „The Expendables“ mehr als ein Actionfeuerwerk erwartet, befindet sich ohnehin im falschen Film. Dieser Streifen bietet auf rund 100 Minuten jede Menge Ballereien, Faustkämpfe, Explosionen und zwischendurch ein paar coole Sprüche. Kurzum: Typisches Actionkino der Vergangenheit, das plötzlich wieder „in“ zu sein scheint. Über die Gründe für das Comeback des Adrenalinkinos kann man ellenlange Diskussionen führen: Ist das erwachsene Publikum steriler CGI-Zauberei überdrüssig? Sehnt es sich in wirtschaftlich und sozial unsicheren Zeiten zurück nach den wenig subtilen, dafür verlässlichen Haudraufs der Stallone-Kategorie? Oder handelt es sich um eine pure Nostalgie-Erscheinung, wie es das Revival trivialer Fernsehserien der 1960er- und 1970er-Jahren im Kinoformat darstellte?

Überflüssig, aber spaßig
Was auch immer der Grund für den Erfolg sein mag: „The Expendables“ ist ein höchst mittelmäßiger Film. Die Actionsequenzen sind hübsch anzusehen, jede Menge Kulissen und Gegner fliegen in und durch die Luft, und Stallone sowie Dolph Lundgren sind immer noch so cool, wie in ihren besten Zeiten. Dramaturgisch bewegt sich das Spektakel auf dem Niveau durchschnittlicher Actionkost der 1980er-Jahre und weckt visuell, wie auch inhaltlich Erinnerungen an das gefloppte Schwarzenegger-Vehikel „Phantom-Kommando“. Da werden etwa Maschinengewehrsalven auf die Helden abgefeuert, die überall einschlagen, nur nicht in den Körpern der Zielpersonen. Diese wiederum erledigen ihre Gegner mit einem einzigen Schuss, egal aus welcher Entfernung und in einer Szene sogar kopfüber.

© 2010 Twentieth Century Fox

„The Expendables“ entpuppt sich als hohles Actionkino alter Schule. Und trotzdem: Es bereitet ungeheuren Spaß, den Helden vergangener Jahrzehnte bei ihrer Rückkehr in ihr angestammtes Revier zu betrachten, das von humorresistenten Pappkameraden besetzt wurde. Ohne Stallone & Co wäre „The Expendables“ keinen näheren Blick wert. Doch dank des großartigen Casts und der geradlinigen Inszenierung handelt es sich um den vielleicht letzten Film einer vergangenen Ära. Allein dafür lohnt sich das Anschauen bereits, so man bei Filmtiteln wie „Rambo“ oder „Der City-Hai“ nicht vor Schmerz zusammenzuckt und derlei Filme als das erkennt, was sie sind: Pure Unterhaltung ohne pädagogisch erhobenen Zeigefinger, dass Gewalt pfui sei und sich alle Menschen doch bitteschön ganz doll lieb haben sollten. Das wäre zwar wünschenswert, aber bis es soweit ist erfreuen sich Actionfans weiterhin an Filmen wie „The Expendables“.


Darsteller

  • Sylvester Stallone … Barney Ross
  • Jason Statham … Lee Christmas
  • Jet Li … Ying Yang
  • Dolph Lundgren … Gunner Jensen
  • Eric Roberts … James Munroe
  • Randy Couture … Toll Road
  • Steve Austin … Paine
  • David Zayas … General Garza
  • Giselle Itié … Sandra
  • Mickey Rourke … Tool
  • Arnold Schwarzenegger … Trench
  • Bruce Willis … Mr. Church
  • Charisma Carpenter … Lacy
  • Gary Daniels … Der Brite
  • Terry Crews … Hale Caesar
  • Amin Joseph … Piratenanführer
  • Senyo Amoaku … Großgewachsener Pirat
  • Hank Amos … Paul

Regie
Sylvester Stallone

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

The Expendables Trailer


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