The Commuter Kritik

The Commuter Kritik

Seit mehr als zehn Jahren pendelt Michael MacCauley (Liam Neeson) von seinem Vorort außerhalb Manhattans zur Arbeit in die Stadt. Die alltägliche Routine wird eines Tages jäh unterbrochen, als Michael eine geheimnisvolle Frau (Vera Farmiga) im Zug kennenlernt, die ihn in ein Gespräch verwickelt. Michael ist dabei alles andere als gut drauf, denn kurz davor hat er seinen Job als Versicherungsangestellter verloren. Umso hellhöriger lässt ihn werden, was die Frau ihm zu sagen hat: sie bietet ihm 100 000 Dollar, wenn er im Zug eine Person namens Prymm ausfindig macht. Diese unbekannte Person soll demnächst vor Gericht als Zeuge gegen eine Bande von Gangstern aussagen. Michael erhält nur zwei vage Hinweise auf Prymm – und eine Drohung: weigert er sich, sterben alle Unschuldigen an Bord sowie seine Familie. Ihm bleibt somit nichts anderes übrig als den heiklen, lebensgefährlichen „Auftrag“ anzunehmen. Er hat 60 Minuten Zeit.

„The Commuter“ ist der vierte Film, den Liam Neeson zusammen mit dem spanischen Regisseur Jaume Collet-Serra gedreht hat. Collet-Serra wurde 2005 mit dem Horrorfilm „House of Wax“ bekannt. Sechs Jahre später gelang ihm mit „Unknown Identity“ (mit Neeson in der Hauptrolle) der weltweite Durchbruch. Der Spanier und sein Team realisierten den Action-Thriller „The Commuter“ mit einem Budget von 30 Millionen US-Dollar u.a. in den nahe London gelegenen Pinewood Studios. Außerdem wurde an ausgewählten Schauplätzen in New York gedreht. „The Commuter“ ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt. Unter den Darstellern befinden sich u.a. Sam Neill („Jurassic Park“), Patrick Wilson („The Conjuring“) sowie Elizabeth McGovern („Kick-Ass“).


Die Grundidee und das Konzept von „The Commuter“ sind äußerst reizvoll und bieten die besten Voraussetzungen für einen kompakten, mitreißenden Action-Thriller. Zum einen ist der Handlungsort mit einem vollbesetzten – und noch dazu mit äußerst schmalen Gängen ausgestatteten – Zug, geschickt gewählt. Die Wahl des Schauplatzes setzt Regisseur Collet-Serra zwar einerseits enge Grenzen hinsichtlich Inszenierung und Story-Entwicklung. Andererseits entwickelt sich durch das begrenzte Setting jedoch ein intensives Kammerspiel auf Schienen. Denn für Michael gibt es keine Möglichkeit zur Flucht, er muss sich der Situation stellen. Ohne Platz und, vor allem, ohne sonderlich viel Zeit.

Und hier zeigt sich ein weiteres wichtiges Element der Dramaturgie. Ein Element, das ganz entscheidend ist für die fiebrige Spannung des Films, die sich im ersten Drittel immer wieder einstellt: die Entscheidung, den Film in Echtzeit zu erzählen. Die Handlung weist also die exakte Länge der Zugfahrt auf. Dass von diesem Muster ein enormer Reiz ausgehen kann, bewiesen schon ähnlich angelegte Thriller wie „88 Minuten“ mit Al Pacino oder auch „Gegen die Zeit“ mit Johnny Depp. Und auch in „Commuter“ ist die Echtzeit dafür verantwortlich, dass der Protaginsten gehörig unter Druck gerät und damit der Adrenalinspiegel beim Zuschauer ordentlich nach oben getrieben wird.

Dazu gesellen sich solide und handwerklich einwandfrei umgesetzte Action- und Nahkampfszenen in der Enge der Abteile. Diese zeigen Neeson in seinem Element. Trotz unzähliger Filme dieser Art, die der mittlerweile 65-jährige in den letzten Jahren gedreht hat. Leider krankt „The Commuter“ letztlich jedoch vor allem an zwei Dingen. Da ist zum einen die Ansammlung stereotypischer Figuren und altbekannte Muster, die in Produktionen dieser Gattung längst Standard sind und zum guten Ton gehören. Das beginnt bereits bei der oberflächlich gezeichneten, mysteriösen Frau, die mit dem unverhofften Angebot um die Ecke kommt. Die anschließend aber auch erst einmal untertaucht und zum weiteren Handlungsverlauf kaum noch etwas beizutragen hat.

Zu jenen altbekannten Mustern gehört unweigerlich auch eine an den Haaren herbeigezogene, sinnfreie Ausgangssituation, die als Aufhänger für eine wenig glaubwürdige Story dient. Eine obligatorische und stark abgenutzte Grundkonstellation, die schon zu Steven Seagals besten Zeiten Mitte der 90er-Jahre stark abgenutzt war: ein einfacher, friedliebender Gutmensch-Bürger gelangt durch den unerwarteten Jobverlust in finanzielle Nöte. Diese zwingen ihn letztlich dazu, sich auf das abstruse Angebote einzulassen um schnell an Geld zu kommen. Schließlich wartet zuhause ja eine Familie, die ernährt werden muss. Und natürlich handelt es sich bei dem Erpressungs-Opfer auch noch um einen Ex-Cop.

Fast noch ärgerlich als diese Allgemeinplätze sind die hanebüchenen, wenig glaubhaften letzten Minuten des Films, die wie hingerotzt wirken. Beim Finale hätte sich Collet-Serra definitiv mehr Mühe geben und mehr Einfallsreichtum beweisen müssen.

Fazit: Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten. Regisseur Collet-Serra und sein Hauptdarsteller Neeson zeigen das, was sie am besten können: geradlinige, schnörkellose Action ohne sonderlich viel Sinn und Glaubwürdigkeit. Wer sich an den (Neben-)Figuren vom Reißbrett und der enttäuschenden Schluss-Viertelstunde nicht stört, bekommt einen kompromisslos inszenierten Hochgeschwindigkeits-Reißer in beklemmender Enge geboten.

Bewertung: 6/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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