The Burrowers – Das Böse unter der Erde Filmkritik
Welches Wort passt nicht zu den anderen: Cowboys, Indianer, Western, Horror. Die Antwort: All diese Wörter ergeben in JT Pettys „The Burrowers – Das Böse unter der Erde“ einen buchstäblich tieferen Sinn. Originell ist der Ansatz, einen Horror-Western zu drehen, auf jeden Fall. Ob das junge Allroundtalent Petty mit seinem immerhin bereits vierten Spielfilm ein großer Wurf gelungen ist, wollen wir nachfolgend erkunden. Manchmal ist das Böse über der Erde und sitzt hämisch lachend vor einem Computer …

Nur ein toter Indianer, ist ein guter Indianer!
Der mittlere Western des Jahres 1879: Noch immer toben die Kämpfe gegen die stetig weiter zurückgedrängten Ureinwohner an und kommt es nicht selten zu fürchterlichen Massakern. Einem solchen scheint eine friedliche Farmerfamilie zum Opfer gefallen zu sein. Jedenfalls sprechen alle Anzeichen dafür, weshalb sich eine Gruppe mutiger Männer, unter ihnen Will Parcher (William Mapother), John Clay (Clancy Brown, bekannt aus „Starship Troopers“) sowie eine Einheit der US-Kavallerie unter der Führung des sadistischen Henry Victor (Doug Hutchison, „The Green Mile“) an die Verfolgung der vermeintlichen Übeltäter macht.

Tatsächlich kreuzen sich ihre Wege mit denen einer Rothaut, die sich jedoch als nicht besonders gesprächig erweist. Nachts verschwinden einige der Soldaten spurlos, was Victor als Fahnenflucht abtut. Doch Will, John und der dunkelhäutige Außenseiter Callaghan (Sean Patrick Thomas) stoßen auf die wahren Übeltäter – eine unterirdisch hausende Spezies unheimlicher Kreaturen, die sich nach dem Auslöschen der Büffelherden auf eine neue Beute spezialisierte …

Die wahren Monster sind … die Weißen!
Western – das waren in der Blütezeit der 1950er-Jahre Heldenepen über brave Cowboys, die tapfere Kavallerie und stumpfe Indianer- oder Mexikanerhorden, die man ruhigen Gewissens über den Haufen knallen durfte. Diese Zeiten sind freilich längst vorbei, wie „The Burrowers – Das Böse unter der Erde“ auf drastische Weise beweist. Seit PC nicht mehr das Akronym von „Personal Computer“, sondern Political Correctness darstellt, dümpelt das einst ruhmreiche Westerngenre dahin und gibt ab und an ein schwaches Lebenszeichen von sich. Denn: Ureinwohner, Mexikaner oder Schwarze als obligatorische Schurken? Das geht gar nicht! Folglich fällt die Rolle der Schurken den weißen Siedlern zu, was aus verständlichen Gründen gerade in den USA auf wenig Gegenliebe stößt.

Es sei denn, man schlägt im Plot einen cleveren Haken, wie es in diesem Horrorstreifen der Fall ist. Die Rede ist nicht davon, ein Horrorelement in einen Western zu packen oder die Indianer als edle Helden zu stilisieren. Weit gefehlt: JT Petty wendet eine richtig fiese Prämisse an, im Zuge derer Weiße, Schwarze und Indianer sich klugerweise gegen die unterirdische Bedrohung verbünden sollten, jedoch aus verschiedenen Gründen nicht dazu in der Lage sind. Hass auf das jeweils Fremde, dazu sprachliche und kulturelle Barrieren verhindert das für den erfolgreichen Abwehrkampf nötige Zusammenraufen.

Um dem fiesen Handlungsverlauf noch eins draufzusetzen, hätten die rivalisierenden Menschengruppen tatsächlich die Möglichkeit, der Bedrohung Herr zu werden. Stünde dem nicht der unauslöschliche Hass entgegen, der kurzsichtige Rachsucht oder schlichtweg Dummheit über jegliche Logik siegen lässt. Wenn nach rund eineinhalb Stunden Laufzeit der Abspann erscheint, bleibt der Zuschauer nachdenklich zurück. „The Burrowers – Das Böse unter der Erde“ verweigert sich vielen herkömmlichen Genrekonventionen genauso, wie einem möglichst spektakulären Showdown. Im Gegenteil: Alltägliche Probleme und zwischenmenschliche Schwierigkeiten prägen einen guten Teil des Filmes, was gewiss nicht allen Rezipienten gefallen wird. Doch mit oberflächlichem Horror gibt sich JT Petty nicht ab. Er verlagert die Schreckensebene wenige Zentimeter unter die Erde. Mehr zu verraten wäre ein filmisches Sakrileg …

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte
Dass sich die erst gegen Ende des Filmes in ihrer ganzen Schönheit (Hässlichkeit?) präsentierenden Kreaturen nicht rein zufällig Menschen als Beute suchen, entbehrt weder einer gewissen Logik, noch beißender Ironie. Denn ursprünglich ernährten sich diese Wesen von Büffeln, welche von den weißen Männern an den Rand des Aussterbens geschossen wurden. Welches andere Lebewesen bietet in der kargen Prärie als einziges einen halbwegs adäquaten Ersatz? Richtig: Der Mensch …

Multitalent JT Petty ist nicht nur Regisseur, sondern auch Schriftsteller und Autor von Videospielen. Am Bekanntesten dürfte wohl seine Vorlage zu „Splinter Cell“ sein. Mit dem 2008 in Szene gesetzten „The Burrowers – Das Böse unter der Erde“ liefert er ein fesselndes, wie auch intelligentes Feuerwerk an originellen Ideen und fiesen Anspielungen ab. Hier ist noch das Drehbuch der Star, schließlich rekrutierte Petty seine Darsteller aus der zweiten Hollywood-Garde. Der Glaubwürdigkeit tut dies dank der soliden Schauspielleistungen keinen Abbruch.

Nicht wenige Kritiker sahen im Ursprung der Kreaturen deutliche Anspielungen zu den Werken des Horrorautors H. P. Lovecraft. Durchaus berechtigt, möchte man hinzufügen, sobald man der äußeren Form der Wesen gewahr wird.

Die Schauwerte reduzieren sich auf die Weite der Prärie und die technisch saubere Umsetzung der Kreaturen. Völlig ausreichend für diesen Film, der sich auch in den Dialogen auf das Wesentliche konzentriert und keine ellenlangen Erklärungen oder nervige „humoristische“ Ergüsse aufs Auge drückt.

Ein Film wie aus einem Guss: Originell, spannend, fies und mit einem düsteren Schluss versehen, der einem bitter in der Kehle steckenbleibt. Mit diesem Streifen weckt Petty Lust auf mehr.
Klares Fazit: Aufgeschlossenen Horrorfans sei dieser Film ans Herz gelegt!


Darsteller

  • Clancy Brown … John Clay
  • William Mapother … William Parcher
  • Jocelin Donahue … Maryanne Stewart
  • Alexandra Edmo … Faith
  • Sean Patrick Thomas … Callaghan
  • Karl Geary … Fergus Coffey
  • Christopher Hagen … Vater
  • Doug Hutchison … Henry Victor
  • Galen Hutchison … Dobie Spacks
  • Laura Leighton … Gertrude Spacks
  • Suzi McLaughlin … Mother
  • David Midthunder … Dull Knife
  • Brighid Fleming … Little Sister
  • Jon Kristian Moore … Big Brother
  • Anthony Parker … Ten Bear
  • Cole Resch … Little Brother
  • Tatanka Means … Großer Ute-Indianer
  • Harley Coriz … Kleiner Ute-Indianer
  • David Busse … Soldat #1
  • R.J. Rice … Soldat #2

Regie
JT Petty

Produktionsland, Jahr
USA, 2008

The Burrowers – Das Böse unter der Erde Trailer




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1 Kommentar so far »

  1.  

    Bernie said

    Mai 8 2020 @ 19:05

    Ein Horror, dieser Film…
    Einzig die schönen Landschaften am Drehort New-Mexico sind wirklich sehenswert. Die Protagonisten durchwegs schwach. Nur der zynisch, gemein rassistische Soldatenkommandant und die Darsteller der Indianer wirken interessant und authentisch. Die Ausstattung des Films ist in Ordnung, fällt aber auch der unterirdisch bösen Handlung zum Opfer.
    Verschwendete Zeit.

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