Tanz der Teufel Kritik

Jedes Filmgenre hat die eine oder andere Perle hervorgebracht. Perlen, die mitunter einen anrüchigen Ruf genießen, wie etwa einer der bekanntesten Horrorfilme: „Tanz der Teufel“! Sam Raimis („Spiderman“, „Drag Me To Hell“) erster Spielfilm aus dem Jahre 1981 genießt heute zweifellos Kultstatus – und ist nach wie vor in Deutschland indiziert.

Ob der für seine „Gewaltdarstellungen“ gleichermaßen berühmte wie verteufelte Streifen nur ein harmloser Trash-Spaß ist oder, wie einige Kritiker meinen, menschenverachtend sei, soll nachfolgend geklärt werden. Im Gänsehaut-Marsch.

Von drauß’ vom Walde kommt es her …
Auf einen erholsamen, friedlichen Urlaub freuen sich die Jugendlichen Ash (Bruce Campbell), Freundin Linda (Betsy Baker) seine Schwester Cheryl (Ellen Sandweiss) und das befreundete Pärchen Scott (Richard DeManincor) und Shelly (Theresa Tilly). Als Refugium der Ruhe soll eine Waldhütte fern abseits der Zivilisation dienen. Doch bereits bei der Hinfahrt stehen die Omen auf Sturm: Plötzlich lässt sich der Wagen nicht mehr lenken und donnert beinahe in einen entgegenkommenden Sattelschlepper und später kracht eine Holzbrücke zusammen, unmittelbar nachdem sie überquert wurde.

Trotzdem lässt sich das Quintett die gute Laune nicht verderben. Nach der raschen Erkundung der kleinen Hütte entdecken sie einen Zugang zum Keller. Der draufgängerische Scotty durchstöbert das dunkle Gewölbe, in dem er unter anderem ein unheimliches, in Menschenhaut gebundenes Buch sowie ein Tonband mit darauf aufgenommenen Beschwörungsformeln findet. Neugierig geworden spielt Scotty das Band ab, woraufhin dämonische Kräfte entfesselt werden, deren Absichten unmissverständlich sind: Besitzergreifung der jungen Körper …


Geniestreich in jungen Jahren
Raimi war Anfang 20, als er den ersten Teil der später zur „Tanz der Teufel“-Trilogie anwachsenden Serie drehte. Dabei handelte es sich mehr oder weniger um die Kino-Version seines Kurzfilms „Within the Woods“. Unabhängig davon, ob man den Film positiv oder negativ bewertet muss man den Hut vor dem New Yorker ziehen: Mit einem Mini-Budget von nur wenigen tausend Euro, ohne Unterstützung eines großen Studios und die Rollen mit Laien-Darstellern besetzt, produzierte er einen Horrorklassiker, der Vergleiche mit ungleich größeren Produktionen nicht scheuen muss.

Berühmtheit erlangte etwa die „Shakycam“ genannte Methode, die Kamera auf ein Brett zu schnallen und von den Kameramännern die gewünschte Route entlang tragen zu lassen. In Verbindung mit höherer Abspielgeschwindigkeit ergaben sich bereits bei „Tanz der Teufel“ verblüffende Kamerafahrten.

Der Wald lebt!
Wichtiger noch als die technische Komponente ist natürlich das Drehbuch. Im Grunde handelt es sich natürlich um eine denkbar simple Horrorvariation bekannter Themen: Eine Gruppe Menschen erweckt unabsichtlich dunkle Wesenheiten zum Leben und büßt dafür auf schreckliche Weise. So weit, so bekannt. Nur: Sam Raimi verstand es, eine einzigartige Atmosphäre zu schaffen, die den Zuschauer unweigerlich in den Bann zieht. Statt eines Schlosses in den Karpaten oder eines gutbürgerlichen Apartments besann er sich eines der wohl ältesten Mythen-Schauplätze: Den dunklen, düsteren Wald!

Garniert mit Nebelschwaden und geschickt eingesetzten, undefinierbaren Geräuschen flößte der Wald selbst bereits einiges an Unbehagen ein. Berühmt-berüchtigt, und vielleicht der Hauptgrund für das langjährige Verbot des Filmes in Deutschland, wurde jene Szene, in der eine der jungen Frauen von der Flora des Waldes zu Boden gerissen und teilweise entblößt wird. Diese angedeutete Vergewaltigung durch Pflanzen ist nur eine der vielen irren Ideen des Films.

Dabei vermied es Raimi geschickt, die Dämonen selbst zu zeigen – vermutlich wohlwissend, dass jegliche Darstellung nur der Lächerlichkeit anheimfallen könnte. Jene Wesen, die im Wald hausen und die Urlauber bedrängen, bleiben unsichtbar, wenngleich ihre dumpfen Schritte und ihr Flüstern zu vernehmen sind.

Wo die Dämonen wohnen
Umso deutlicher treten die Verwandlungen der von den Dämonen Besessenen zu Tage bzw. zu Nacht. Gelbe Augen, verfaulende Haut, blutrote Lippen: Kein Klischee, das in Raimis Frühwerk nicht seinen gebührenden Platz fände. Und das Erfreuliche daran: Es macht trotzdem Spaß!

„Tanz der Teufel“ ist kein blutig ernster Film, sondern nimmt weder sich selbst, noch das Genre für voll. Ganz im Gegenteil: Der Streifen weidet sich genüsslich an den oft seltsamen Genrekonventionen und macht sich darüber lustig. Etwa, wenn Ashs Freundin Opfer einer Dämonenbesessenheit wird und sich trotz Ashs Liebesbekundungen nicht plötzlich wieder zurückverwandelt.

Knapp eineinhalb Stunden lang jagt eine spannende oder blutrünstige Szene die Nächste, wobei die Effekte von wechselnder Qualität sind Während die Dämonenfratzen durchaus ansprechend gelungen sind, macht sich das niedrige Budget vor allem gegen Schluss hin deutlich bemerkbar. Das größte Manko ist jedoch das Kunstblut, das an keiner Stelle auch nur annähernd echt, sondern wie Tomatenketchup wirkt. Ob dies ein bewusst eingesetztes ironisches Mittel darstellte oder dem Geldmangel geschuldet war, ist nicht ganz klar.

Meisterwerk satirischen Horrors
Klarer ist hingegen, dass „Tanz der Teufel“ ein gelungenes Meisterwerk ist. Und das nicht trotz, sondern gerade wegen der Bescheidenheit der eingesetzten Mittel. Natürlich ließe sich Raimis erster Spielfilm mit einem üppigen Budget und bekannten Schauspielern neu verfilmen. Doch der ganze Charme, die einzigartige Atmosphäre und die wunderbare Unbefangenheit der Darsteller-Crew gingen dabei flöten.

Bereits die Nachfolger „Tanz der Teufel II“ sowie „Armee der Finsternis“ konnten mit weitaus höheren Budgets nur bedingt überzeugen.

Übrigens entspricht der Originaltitel „Evil Dead“ dem Charakter des Filmes besser, als der eingedeutschte Titel. Denn während die Toten tatsächlich Übles im Sinne tragen, ist an keiner Stelle des Filmes von einem Teufel die Rede. Um ein etwas gröberes Missverständnis handelt es sich bei dem Buch mit den Beschwörungsformeln: Dieses wird als „Naturon Demonto“ betitelt und hat mit dem berühmten „Necronomicon“ aus der Feder H. P. Lovecrafts nicht das Geringste zu tun.

Fazit: Wer sich für das Horrorgenre interessiert oder einfach nur gruselige Unterhaltung sucht, ist mit „Tanz der Teufel“ bestens beraten.


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