Stan & Olli Kritik

Stan und Ollie Kritik

Das britisch-amerikanische Komiker-Duo Stan & Oli ist 1937 auf dem Höhepunkt angelangt. Abseits der Filmkulisse aber herrscht dicke Luft zwischen Stan Laurel und Oliver Hardy. Während Stan (Steve Coogan) den Knebelvertrag mit Studioboss Hal Roach (Danny Huston) nicht verlängern will, plagen Olli Existenzängste. Ihm fehlt das Selbstvertrauen, dem egoistischen Roach zu widersprechen. Das Ende des legendären Duos naht. Ein Zeitsprung ins Jahr 1953: Mehr als 15 Jahre nach ihren Erfolgen hangeln sich Stan und Olli von einem schäbigen Bühnenauftritt zum nächsten. Ihr Alltag ist geprägt von schäbigen Unterkünften und halbleeren Rängen. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme und Ärger mit den Ehefrauen. Gelingt den ehemals erfolgreichsten Komikern der Geschichte je ein Comeback?

Der künstlerische Output der in Deutschland vor allem unter dem Namen „Dick und Doof“ bekannten Comedians ist beachtlich: Zwischen den 20er- und frühen 50er-Jahren drehten die Beiden 80 Kurz- und fast 30 Spielfilme. Der erste Tonfilm war 1929 „Die brennende Nachbarin“. Realisiert wurde das Biopic vom Schotten Jon S. Baird, der mit TV-Serien wie „Babylon“ und „Vinyl“ bekannt wurde. Das Budget für den in Birmingham, Leicestershire und Bristol gedrehten Film belief sich auf zehn Millionen US-Dollar.


„Stan & Olli“ ist umwerfendes Schauspieler-Kino der ersten Güteklasse. Ein Film, exakt zugeschnitten auf seine beiden famos aufspielenden Hauptdarsteller, die wunderbar harmonieren und ihre Rollen mit Leidenschaft und Wahrhaftigkeit füllen. Die Chemie stimmt zu jeder Zeit. Das liegt sicher auch am ausgeklügelten, intelligenten Drehbuch von Jeff Pope, der John C. Reilly und Steve Coogan mal heitere und pfiffige, mal emotionale und von Schwermut durchzogene Sätze und präzise Dialoge in den Mund legt.

Das Besondere ist die schwer zu beschreibende, außergewöhnliche Beziehung zwischen den beiden Künstlern. Der höchst kreative Stan (er schrieb fast alle Gags, war am Schnitt beteiligt und führte Regie) und der etwas grobschlächtig wirkende, aber insgeheim feinfühlige Olli waren mehr als nur Freunde. Sie unterhielten bis zu dessen Tod 1957 eine von tiefem Vertrauen, Kollegialität und gegenseitigem Respekt geprägte, intensive berufliche wie private Beziehung. Trotz aller Streitigkeiten und Ärgernisse. Subtil spielt der Film immer wieder auf einige dieser Konflikte an, etwa als Ollie einst Filme mit einem anderen Partner drehte – und Stan daran fast verzweifelte.

Auch visuell kann der Film überzeugen. Das beginnt bereits bei der detailverliebten Maske. Denn John C. Reillys Doppelkinn und Steve Coogans Segelohren kommen dem Original tatsächlich sehr nah. Desweiteren legt Regisseur Baird Wert auf eine glaubhafte Ausstattung und realistische Kulissen, die unter anderem einen authentischen Eindruck der Theaterbühnen und Schauspielhäuser jener Tage vermitteln. Trotz der Tatsache, dass „Stan & Olli“ ein schwermütiger, nicht zuletzt trauriger Film über Themen wie verblassender Ruhm, das Altern und Vergänglichkeit geworden ist, kommt der Humor nicht zu kurz – gerade in den beschwingten, pointierten Szenen, die Stan und Olli mit ihren Ehefrauen zeigen. Darin wird der Geist legendärer Screwball-Comedies beschworen: ein Kampf der Geschlechter, von bissigem Wortwitz durchzogen.

Fazit: Von Altersmilde und einem tiefen Gespür für die Befindlichkeiten der vielschichtigen Figuren geprägter, großartig ausgestatteter Film über das bekannteste Komiker-Duo aller Zeiten.

Bewertung: 8 von 10 Sternen

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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