Sicario 2 Kritik

Sicario 2 Filmkritik

Über zwei Jahre sind für FBI-Agent Matt Graver (Josh Brolin) und Auftragskiller Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) seit ihrem gemeinsamen Einsatz mittlerweile ins Land gezogen. Früher als gedacht, befinden sich die ungleichen Partner erneut an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Dorthin haben die Drogenkartelle mittlerweile einen Großteil ihrer Aktivitäten verlagert. Immer öfter schleusen sie ihre treuen Gefolgsleute von Mexiko in die Staaten, um dort blutige Terroranschläge zu verüben. Einer der „umtriebigsten“ Schleuser ist kein geringerer als Kartellchef Carlos Reyes. Nach einem besonders verlustreichen Anschlag in einem Kaufhaus, soll Alejandro einen Krieg zwischen den Kartellen heraufbeschwören. Damit das gelingt plant er, die Tochter von Reyes zu entführen und die Tat einem konkurrierenden Kartell in die Schuhe zu schieben.

Obwohl „Sicario“ vor drei Jahren kein übermäßiger Kassenerfolg war (weltweites Einspielergebnis: rund 85 Millionen US-Dollar), stand bereits frühzeitig die Produktion eines Nachfolgers fest. Der Grund: Die überaus positive Resonanz der Kritik und die Vielzahl der Nominierungen bei den Oscars 2015. Erneut verfasste Taylor Sheridan das Skript für „Sicario 2“, ein Film, der ursprünglich als Prequel geplant war und die Vorgeschichte von Killer Alejandro Gillick erzählen sollte. Gespielt wird dieser von Benicio Del Toro, der ebenso wie Josh Brolin in seine alte Rolle zurückkehrte. Emily Blunt ist nicht mehr mit an Bord. Als Grund dafür nannten die Macher, dass die Geschichte ihrer Filmfigur Kate Mercer auserzählt sei. „Sicario 2“ entstand mit einem Budget von rund 40 Millionen US-Dollar überwiegend in der Millionen-Metropole Mexiko-Stadt.


„Sicario 2“ ist wesentlich rauer und gewalttätiger als der brillante erste Teil, der das Subgenre des Drogenthrillers vor drei Jahren neu definierte. Dies liegt in erster Linie am direkten, immer wieder dokumentarisch anmutenden Inszenierungsstil des Regisseurs Stefano Sollima. Denn nicht selten manövriert die (Hand-)Kamera den Zuschauer mitten ins Geschehen und macht ihn so zu einem Bestandteil der oft blutigen, ungemein dynamisch gefilmten Ereignisse auf der Leinwand. So entstehen Unmittelbarkeit und ein hoher Grad an Realismus. Zwei Merkmale einer jeden guten, wirkungsvollen Dokumentation. Deutlich wird dies etwa bei der Szene, die einen Überfall auf ein Autokorso zeigt sowie bei der atemberaubenden Verfolgungsjagd zwischen dem FBI und den Bandenmitgliedern. Durchs staubtrockene, weite Niemandsland zwischen Arizona und der mexikanischen Grenze brettern die Autos in dieser rasant inszenierten Actionsequenz, in der auch einige Hubschrauber zum Einsatz kommen.

Überhaupt die Action: Sie ist das dominierende Element in diesem erneut großartig besetzten (u.a. ergänzt Matthew Modine den Cast) Film. Spektakuläre Actionmomente waren im ersten Teil noch rar gesät. In „Sicario 2“ jedoch bleibt mitunter nur wenig Zeit und Luft zum Verschnaufen, derart häufig zeigt Sollima Explosionen, Schusswechsel, Überfälle oder Hinrichtungen. Damit verleiht er seiner durch und durch pessimistischen Botschaft Nachdruck: Der Drogenkrieg ist schmutzig, brutal, tödlich und kennt nur Verlierer. Auf allen Seiten. Ein Krieg, der aus den beiden Hauptfiguren zwei solch zynische, verbitterte und rabiate Zeitgenossen gemacht hat. Auch daran erweckt der Film keinen Zweifel. Graver und Gillick gehen nach einer „der Zweck heiligt die Mittel“-Logik vor und sie vertreten die trostlose These, dass Gewalt nun einmal Gegengewalt erzeuge.

Leider vernachlässigt Sollima aufgrund seiner Konzentration auf einnehmende Action die Story und die Figurenzeichnung. Vor allem bezogen auf letztgenannten Aspekt macht er es sich zu einfach. Jegliche Charaktere sind ausnahmslos unsympathisch, da sie durchweg als martialische und verrohte Zeitgenossen zu beschreiben sind. Auch die, die freilich auf der richtigen Seite des Gesetzes stehen. Das macht es für den Zuschauer nahezu unmöglich, in irgendeiner der Figuren auch nur einen Ansatz von Identifikationspotenzial zu erkennen. Eine vielschichtige, unbescholtene und als moralische Instanz fungierende Figur wie Kate Macer fehlt hier völlig. Kein Wunder, wenn in „Sicario 2“ sogar die Kinder fragwürdig handeln und bereits in jungen Jahren kriminelle Energie an den Tag legen. Unnötig ist zudem der Handlungseinschub, dass Gillick mit Drogenboss Reyes auch noch eine persönliche Rechnung zu begleichen hat. Der Grund dafür ist zwar tragisch, allerdings auch klischeehaft und damit wenig überraschend.

Fazit: Düsterer, durch und durch pessimistischer Drogenthriller mit einem hohen Anteil an roher, handgemachter Action, dem es jedoch an komplexen Charakteren mangelt. Auch wenn die Durchschlagskraft und Dringlichkeit des ersten Teils nicht erreicht werden, zeichnet „Sicario 2“ das realistische Bild eines von Mord und Brutalität durchzogenen Mikrokosmos, in dem es weder Hoffnung noch Humanität oder Mitgefühl gibt.

Bewertung: 7/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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1 Kommentar so far »

  1.  

    Christopher said

    August 1 2018 @ 16:21

    Ich fand den ersten Teil schon richtig gut und den zweiten werde ich mir auch gönnen.
    Danke für eine weitere absolut lesenswerte Kritik.

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