Shelter Filmkritik

Dem Horrorgenre liegt meist ein gewisser konservativer Grundgedanke inne. Die Welt, so scheint es, ist nur dann in Ordnung, wenn das Leben seine gewohnten Wege geht. Doch alsbald sich Änderungen ergeben, ist Feuer am Dach! Dies mag bei außerirdischen Monstern, Zombies oder Serienkillern noch schlüssig erscheinen. Aber gerade das Subgenre der psychologischen oder okkulten Thriller spielt mit religiösen Werten und Vorurteilen, die mitunter unangenehm wirken.

Der von Måns Mårlind und Björn Stein inszenierte Thriller „Shelter“ reiht sich in die Riege zahlreicher ähnlich gelagerter Stoffe ein. Ob er zu überzeugen vermag, erfahrt ihr in nachfolgender Kritik, die auch von Atheisten ruhigen Gewissens gelesen werden kann.

Nur nicht den Glauben verlieren!
Trotz eines schmerzhaften Schicksalsschlags – ihr Ehemann wurde ermordet – hält die Psychologin Cara Harding (Julianne Moore) fest an ihrem Glauben fest. Allerdings wurde sie im Laufe der Zeit zunehmend verbitterter und griff auch schon mal gerne zur Flasche. Da kommt es ihr ganz recht, von ihrem Vater und Mentor (Jeffrey DeMunn) gebeten zu werden, einen seiner Patienten zu untersuchen.

Zunächst wirkt der fesche Adam (Jonathan Rhys-Meyers) ganz normal, bis sich eine seiner beiden multiplen Persönlichkeiten nicht nur psychisch, sondern sogar körperlich manifestiert. Diese nennen sich David und Wesley und agieren völlig unterschiedlich. Cara, die dem Phänomen multipler Persönlichkeiten gegenüber skeptisch eingestellt ist, beginnt mit Nachforschungen. Dabei stößt sich auf Beunruhigendes: Bei David und Wesley handelte es sich um reale Menschen, die jedoch bereits vor vielen Jahren starben. Ihre weitere Spurensuche führt sie in buchstäblich okkulte Gebiete, in denen ihr Glaube harten Prüfungen unterzogen wird …

Großartige Julianne Moore als Lichtblick
Reden wir nicht lange um den heißen Einheitsbrei herum: Måns Mårlinds und Björn Steins
„Shelter“ bietet zwar eine anfangs spannende Prämisse, bricht aber nach etwa einer halben Stunde völlig auseinander. Was als Psychothriller beginnt endet – das soll an dieser Stelle verraten werden – in religiösem Kitsch der Sonderklasse. Selbst christliche Zuschauer könnten sich von den erbarmungslos rückständigen Thesen – wer nicht an Gott glaubt verdient schlimmste Qualen – unangenehm berührt fühlen. Mitunter überkommt einen das Gefühl, einem Propagandawerk erzkonservativer Katholiken beizuwohnen.

Nicht, dass an religiösen Untertönen irgendetwas verwerflich wäre. „Der Exorzist“ etwa wäre ohne sein theologisches Fundament undenkbar gewesen. Aber „Shelter“ übertreibt einfach dermaßen schamlos, dass einem spätestens beim Showdown die Luft wegbleibt.

Das ist doppelt bedauerlich. Denn zum einen wirft der Film zu Beginn interessante Grundsatzfragen zur Psychologie auf, die aber im weiteren Verlauf keine Rolle mehr spielen. Zum anderen zieht Julianne Moore wieder einmal alle Register ihres Könnens und beweist eindrucksvoll, weshalb sie eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation ist. Leider deckt sich ihr Können nicht mit der Fähigkeit, gute von schlechten Drehbüchern zu unterscheiden. Wäre dem so, müsste man sich für die tapfere Julianne fremdschämen, in Zelluloidgurken wie „Shelter“ aufzutreten.

Verschwendetes Potenzial
Nicht viel besser ergeht es Jungstar Jonathan Rhys-Meyers, der die unheilige Dreieinfaltigkeit verkörpern muss und dabei hart an der Genre-Satire vorbeischrammt. Wenn der Film einfach nur inkompetent inszeniert worden wäre, könnte man es noch leicht verschmerzen. Ärgerlich ist aber das viele verschwendete Potenzial. Neben der großartigen Hauptdarstellerin wissen die Kameraführung und vor allem die atmosphärischen Schauplätze zu gefallen. Aber was hilft’s, wenn der Plot allmählich von „interessant“ auf „unerträglich“ umschwenkt?

Spätestens bei einer „Hexenjagd“ in den Bergen kann man sich nur mühsam das Lachen verkneifen – so man denn noch nicht eingeschlummert oder geschockt auf den „Aus“-Knopf der Fernbedienung gedrückt hat.

Fazit nach über hundert Minuten schauriger Unterhaltung: „Shelter“ ist eine der ganz großen Enttäuschungen des Filmjahres 2010. Weshalb der Streifen bei uns erst gar nicht in die Kinos gelangte, sondern direkt auf DVD und blu-ray vertrieben wurde, ist angesichts der miserablen Qualität verständlich. Der guten Julianne Moore wollen wir an dieser Stelle einen fähigeren Agenten wünschen …


Darsteller

  • Julianne Moore … Cara Harding
  • Jonathan Rhys Meyers … David
  • Jeffrey DeMunn … Dr. Harding
  • Frances Conroy … Mrs. Bernburg
  • Nathan Corddry … Stephen Harding
  • Brooklynn Proulx … Sammy
  • Brian Anthony Wilson … Virgil
  • teven Rishard … Detective Danton
  • Charles Techman … Monty Hughes
  • John Peakes … Dr. Charles Foster
  • Chaz Moneypenny … Adam Sabre
  • Charles David Richards … Holiday-Inn-Rezeptionist
  • Rick Applegate … Warden Collins
  • Loretta Higgins … Doktorin
  • Tamara Johnson … Bibliothekarin
  • Michael Mihalich … Gouverneur
  • Paul J. Rosenburg … Wesley Crite

Regie
Måns Mårlind und Björn Stein

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

Shelter Trailer




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