Schatten der Wahrheit Kritik

Mit „Schatten der Wahrheit“ nahm sich Erfolgsregisseur Robert Zemeckis zum ersten Mal des Genres „Thriller“ an. Durch Filme wie den Abenteuer-Klassiker „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ (1984), die „Zurück in die Zukunft“-Reihe (1985-1990) oder das Erfolgs-Drama „Forrest Gump“ (1994) entwickelte sich Zemeckis seit den 1980er-Jahren zu einem der erfolgreichsten Filmemacher der Traumfabrik. Seine Spezialität sind massenkompatible Unterhaltungsfilme für jedes Alter. Er beherrscht nicht nur den Blockbuster für die breite Masse, sondern beweist seit jeher auch sein Gespür für gesellschaftskritische Untertöne („Der Tod steht ihr gut“, 1992) und für Fragen wie Sinn, Herkunft und Ziel des menschlichen Daseins, die er filmisch zu beantworten versucht („Contact“, 1997).

Mit „Schatten der Wahrheit“ wagte sich der US-amerikanische Regisseur und Filmproduzent also auf für ihn unbekanntes filmisches Terrain. Für die Hauptrollen konnte er die Leinwandgrößen Michelle Pfeiffer und Harrison Ford gewinnen, deren Karriere zum Ende der 90er-Jahre ins stocken geriet (Pfeiffers letzter Kassenschlager lag mit „Dangerous Minds“ zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Jahre zurück). Zemeckis’ Ruf kam für Pfeiffer und Ford demnach sehr gelegen und half, deren Karriere wieder in die gewohnt erfolgreichen Bahnen zu lenken. Ein Umstand, der nicht zuletzt seinem rundum gelungenen Mystery-Thriller geschuldet ist, mit dem er seine inszenatorische Wandlungsfähigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit „Schatten der Wahrheit“ machte sich Zemeckis zum Meister aller Genres.

Zur Story: Eigentlich führen Dr. Norman Spencer (Ford) seine Frau Claire (Pfeiffer) eine glückliche Ehe. Allerdings hat Claire seelisch noch mit den Nachwirkungen eines Autounfalls vor einem Jahr zu kämpfen, den sie noch immer nicht verwunden hat. Als dann auch noch Tochter Caitlin (Katherine Towne) aus dem gemeinsamen Haus am See auszieht, um zu studieren, muss Claire lernen, mit der Einsamkeit fertig zu werden. Argwöhnisch beobachtet sie die Nachbarn und vermutet bald, einer Bluttat auf die Spur gekommen zu sein. Auf Norman kann sie in dieser schwierigen Situation kaum bauen, da dieser als angesehener Genforscher mehr Zeit in der Uni als zuhause verbringt. Aber auch im eigenen Haus geschehen bald rätselhafte Dinge. Claire beginnt, mysteriöse Stimmen zu hören und hat Erscheinungen von Toten. Norman nimmt die Ängste seiner Frau indes nicht ernst und hält sie schlicht für psychisch labil. Doch Claire kommt nach und nach einer düsteren Wahrheit auf die Spur, die sie bald in tödliche Gefahr bringt…

Fans klassischer Horrorfilme fühlen sich nicht zufällig immer wieder an Großmeister Alfred Hitchcock erinnert. Regisseur Robert Zemeckis zitiert überdeutlich Hitchcock-Klassiker wie „Rebecca“, „Das Fenster zum Hof“ und „Psycho“ und präsentiert „Schatten der Wahrheit“ daher in erster Linie als Hommage und Referenz an den Suspense-Meister. Auch jüngere Grusel-Filme wie „Shining“ und „Poltergeist“ dienten Zemeckis als Inspirationsquelle. Ihm gelingt es vorzüglich, mit seiner ruhigen und langsamen Erzählweise, die Spannung schrittweise und kontinuierlich zu steigern. Geschickt führt „Schatten der Wahrheit“ mit seiner stets bedrohlichen Atmosphäre und Grundstimung die Zuschauer nicht nur einmal auf die falsche Fährte, immer wieder wendet sich das Geschehen. Statt wie in seinen früheren Filmen auf den wirkungsvollen Einsatz computeranimierter Effekte zu bauen, stellt Zemeckis hier seine Darsteller ins Zentrum des Geschehens. „Schatten der Wahrheit“ wird getragen vom intensiven Spiel seiner beiden Hauptdarsteller, deren Gestik und Mimik und setzt darüber hinaus auf seine gezielt eingesetzten Schockmomente. „Schatten der Wahrheit“ ist ein Suspense-Thriller klassischer Machart, der sich vor Genre-Highlights wie „Sixth Sense“ und „Eine verhängnisvolle Äffare“ nicht verstecken braucht.

Was man dem Regisseur einzig vorwerfen kann ist die Tatsache, dass der Film zu früh deutliche Hinweise auf das Ende bereithält und damit die ein oder anderen Spannungs- und Überraschungsmomente einbüßt. Neben der allgegenwärtigen, bedrückenden Spannung und der gekonnt dargebotenen und wirkungsvollen Schockeffekte sticht vor allem die darstellerische Leistung von Michelle Pfeiffer heraus, die mit ihrer Leinwandpräsenz den Film trägt. Die Wandlung von der fürsorglichen und trauernden Mutter über ein labiles, psychisches Wrack mit Wahnvorstellungen bis hin zur tragischen Heldin stellt Pfeiffer glaubwürdig und intensiv dar. Michelle Pfeiffer brilliert in „Schatten der Wahrheit“ und zeigt hier ihre beste Vorstellung seit „Zeit der Unschuld“ (1993).

„Schatten der Wahrheit“ besticht als Grusel-Thriller klassischer Machart durch seine bedrohliche und düstere Atmosphäre und die gezielt eingesetzten Schockmomente. Der Film bedient sich gekonnt traditioneller Genre-Stilmittel und wird getragen von Michelle Pfeiffers Galavorstellung.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Harrison Ford
  • Michelle Pfeiffer
  • Diana Scarwid
  • Joe Morton
  • James Remar
  • Miranda Otto
  • Amber Valletta
  • Katharine Towne
  • Victoria Bidewell
  • Eliott Goretsky
  • Ray Baker
  • Wendy Crewson

Regie:
Robert Zemeckis

Erscheinungsjahr:
2000

Schatten der Wahrheit Trailer:




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