Rosemaries Baby Kritik

Die Filme des polnischen Regisseurs Roman Polanski zeichnen sich zu einem Großteil durch die starke emotionale Bindung aus, die zwischen dem Zuschauer und der Hauptfigur entsteht. Polanski ist ein Meister darin, sich seinen Protagonisten auf affektiver Ebene zu nähern und klaustrophobische und beängstigende Bilderwelten für deren zerrüttetes Innenleben zu kreieren. Schon 1965 – drei Jahre vor „Rosemaries Baby“ – bewies Polanski mit seinem verstörenden Psychothriller „Ekel“ sein Talent für surreale, traumhafte Bilder, die zum Spiegel für die menschliche Seele werden.

Im Zentrum seiner Filme stehen zerbrechliche Hauptpersonen, die sich – oft auf sich alleine gestellt – behaupten müssen und ums Überleben kämpfen. Dies war bei dem von Jack Nicholson gespielten Privatdetektiv Jake Gittes in Polanskis Krimi-Klassiker „Chinatown“ (1974) der Fall. Und ebenso bei dem polnischen Pianisten Władysław Szpilman, den Adrien Brody in dem Holocaust-Drama „Der Pianist“ von 2002 verkörperte. Auf die Spitze trieb Polanski sein Spiel mit der Gefühlswelt seiner Hauptdarsteller allerdings in dem leisen Horrorfilm „Rosemaries Baby“, der heute zu den großen Klassikern des Genres zählt. Der Film war seine erste US-Produktion und sein bis dahin erfolgreichstes Werk. „Rosemaries Baby“ war 1969 zweimal für den Oscar nominiert: für das beste Drehbuch und die beste Nebendarstellerin (Ruth Gordon). Gordon erhielt die Trophäe völlig zu Recht für ihre verstörende Darstellung einer wahnhaften Satanistin.

Rosemarie (Mia Farrow) und Guy Woodhouse (John Cassavetes), ein junges Ehepaar, ziehen in ein altes New Yorker Mietshaus. Dort werden sie schon bald von ihren Nachbarn, dem Ehepaar Minnie (Ruth Gordon) und Roman Castevet (Sidney Blackmer), mit geradezu aufdringlicher Freundlichkeit in Empfang genommen. Rosemarie wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Der anhaltende berufliche Misserfolg ihres Mannes, ein Schauspieler, macht dies jedoch finanziell nicht möglich. Als einer seiner Arbeitskollegen plötzlich erblindet, ergattert Guy die Hauptrolle in einem Bühnenstück und stimmt Rosemaries Wunsch nach einem Baby zu. Das Glück scheint perfekt. Eines Nachts träumt Rosemarie, sie würde von einem Monster vergewaltigt. Wenig später ist sie schwanger. Auf tragische Weise muss Rosemarie feststellen, dass die Castevets mit all den unheimlichen Vorgängen in Verbindung stehen.

Das Grauen kommt langsam und leise, aber gewaltig. Ohne Spezialeffekte und visuelle Spielereien schafft es Polanski mit reduzierten Mitteln, eine Sogwirkung zu entfachen, der man sich nur schwer entziehen kann. Die verwendete Musik, die sorgsam eingesetzten Klangeffekte sowie die klaustrophobische Atmosphäre durch die Wohnung als einzigem Handlungsort unterstützen eine sich schleichend aufbauende Spannung und Bedrohung. Diese gipfelt in einem verstörenden Finale, das lediglich den schockierten und entsetzten Blick Rosemaries benötigt, um zu verdeutlichen, dass sich ihre Befürchtung am Ende auf grausame Art bewahrheiten soll. Die bedrückende musikalische Untermalung stammt von Krzysztof Komeda, der bereits für die Musik von Polanskis „Tanz der Vampire“ (1967) verantwortlich war. Das von ihm komponierte Wiegenland, das den Vor- und Abspann beklemmend untermalt und von Mia Farrow selbst gesungen wurde, brennt sich ins Gedächtnis des Zuschauers ein.

Ebenso eindringlich geraten die Leistungen der Darsteller: Vor allem Mia Farrow und Ruth Gordon liefern sich ein darstellerisches Duell auf Augenhöhe. Farrow verleiht ihrer Rosemarie eine ungeheure Zerbrechlichkeit und Zartheit, weshalb man sie als Zuschauer jederzeit vor den sie umgebenden Gefahren schützend in den Arm nehmen möchte. Rosemarie ist hager, schwach und klein und kann sich in ihrer Naivität und Gutgläubigkeit nicht gegen ein sich immer stärker gegen sie verschwörendes Umfeld behaupten. Als ihr größter Feind entpuppt sich die von Ruth Gordon verkörperte Nachbarin Minnie Castavet, was Rosemarie jedoch erst dann bemerkt, als es bereits zu spät ist. Ruth Gordon spielt brillant die besorgte und gutherzige alte Dame, deren wahre Absichten und Schattenseiten sich erst im weiteren Verlauf der Handlung allmählich offenbaren. Für diese Leistung wurde sie 1969 mit einem Oscar ausgezeichnet. Das größte Plus des Films bleibt dennoch die von Polanski akribisch und konsequent vorangetriebene stetige Steigerung der bedrohlichen Atmosphäre und Spannung. Diese ist dermaßen effekt- und wirkungsvoll geraten, dass es einem auch heute noch die Sprache verschlägt.

„Rosemaries Baby“ zählt dank Polanskis stringenter Erzählweise, der bedrückenden Atmosphäre sowie der außergewöhnlichen Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen zu den größten Klassikern des Horror-Genres.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


Darsteller:

  • Mia Farrow
  • John Cassavetes
  • Ruth Gordon
  • Sidney Blackmer
  • Maurice Evans
  • Ralph Bellamy
  • Victoria Vetri
  • Patsy Kelly
  • Elisha Cook Jr.
  • Emmaline Henry
  • Charles Grodin
  • Hanna Landy

Regie:
Roman Polanski

Erscheinungsjahr:
1968

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