Red Riding Hood Kritik

red-riding-hoodRegisseurin Catherine Hardwicke sorgt 2008 mit ihrer Verfilmung des ersten Romans der „Twilight“-Reihe von Stephenie Meyer, „Biss zum Morgengrauen“, für einen weltweiten Boom des Genres Vampirfilm, teenie-gerecht und mainstream-kompatibel als Fantasy-Liebes-Schmonzette umgesetzt. Keine andere Regisseurin in Hollywood konnte mit einem Film an den Kinokassen mehr einspielen als Hardwicke mit „Twilight“. Der Vampirfilm-Virus grassiert bis heute und zieht allen voran die weiblichen Teenager in ihren Bann. Die logische Konsequenz: Zwei weitere, überaus erfolgreiche Verfilmungen („New Moon“, „Eclipse“) folgten und Vampir-Serien wie „True Blood“ oder „Vampire Diaries“ erzielen mit ihrer Mischung aus Horror- und Fantasy-Elementen auf der einen und Liebesfilm-Motiven auf der anderen Seite die höchsten Einschaltquoten. Mit welchen filmischen Zutaten Hardwicke diesen Erfolg erreichen konnte? Man nehme ein wenig Herzschmerz, eine ordentliche Portion Fantasy und hübsch anzusehende Hauptdarsteller, denen die Teenie-Herzen reihenweise zufliegen, und fertig ist der weltweite Bestseller. Einen erfolgreichen Blockbuster ähnlichen Kalibers möchte Hardwicke nun auch mit ihrer Verfilmung des klassischen Grimmschen Märchenstoffs von Rotkäppchen und dem bösen Wolf landen. „Red Riding Hood“ ist ihr erster Film seit „Twilight“.

Das Märchen von Rotkäppchen wurde bis heute dutzende Male verfilmt und gehört zu den absoluten Klassikern der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Nun nimmt sich Hardwicke dieses Stoffes an und wandelt den märchenhaften Oldie in einen romantischen Fantasy-Thriller im düsteren Gothik-Look um. Die Parallelen zu und übereinstimmenden Muster mit „Biss zum Morgengrauen“ sind unverkennbar, im Gegensatz zu „Twilight“ jedoch dreht sich hier alles um einen gefräßigen Werwolf und im Mittelpunkt steht diesmal kein Vampir-Teenager namens Edward sondern ein Kulleraugen-Beauty namens Valerie, die als moderne (und überaus attraktive) Neuinterpretation des traditionellen Rotkäppchens daherkommt.

Zur Story: Valerie lebt in dem entlegenen Dorf Daggerhorn und kann sich nicht über zu wenig Verehrer beklagen (eine weitere Gemeinsamkeit zu ihrer cineastischen „Twilight“-Cousine Bella). Um ihr Herz buhlen der schweigsame Holzfäller Peter (Shiloh Fernandez) und der wohlhabende Schmied Henry (Max Irons). Valerie liebt Peter, ihre Eltern haben sie jedoch schon Henry versprochen. Ihre Tochter solle es später nämlich einmal besser haben als sie selbst und ein Leben in Wohlstand und ohne Sorgen genießen. Parallel wird das Dorf in helle Aufregung versetzt, als ein seit langem mit Tieropfern besänftigter Werwolf wieder sein Unwesen treibt und sich das erste Mal seit Jahrzehnten bei Vollmond wieder über einen Menschen hermacht. Um sich der gefräßigen Bestie zu entledigen, rufen die Dorfbewohner den Hexenjäger Vater Salomon (Gary Oldman) herbei, der den Werwolf schließlich unter den Bewohnern selbst vermutet. Kurze Zeit später bekundet der große, böse (Wer)Wolf auch sein Gefallen an Valerie, doch die erste Begegnung mit ihm überlebt sie. Unterdessen bezichtigt Werwolfjäger Salomon sie der Hexerei. Und als Valerie sich ihr berühmtes rotes Cape umwirft und sich auf den Weg zur Großmutter durch den tiefen, finsteren Wald macht, steht schon der nächste Vollmond an…

AMANDA SEYFRIED als Valerie und SHILOH FERNANDEZ als PeterWARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. Photo Credit: Kimberly French

Hinter der Story von „Red Riding Hood“ vermutet man ein spannendes Fantasy-Märchen, der Trailer mit seinen gestylten Hochglanz-Bildern vom abgelegenen, geheimnisvollen Dorf inmitten einer finsteren, atmosphärischen Waldszenerie lässt auf düsteren Horror hoffen. Tatsächlich hat Hardwicke sämtliche Zutaten zusammen, um daraus einen packenden Film zu kreieren: Eine charismatische Hauptdarstellerin (Amanda Seyfried, die ihr schauspielerisches Potenzial bereits in Filmen wie „Chloe“ und „Briefe an Julia“ unter Beweis stellte), große Namen (allen voran Gary Oldman als fanatischer Werwolfjäger und Julie Christie als Valeries Großmutter), ein guter Plot und eine überaus erfolgreiche und erfolgsverwöhnte Regisseurin. „Red Riding Hood“ nutzt diese Mittel jedoch nicht konsequent aus und ist am Ende leider nicht mehr als ein unausgegorener und blutleerer Mix verschiedener Genres. Stand bei „Twilight“ noch die Romantik klar an erster Stelle, kann sich „Red Riding Hood“ zu keinem Zeitpunkt eindeutig entscheiden, ob es nun mehr in Richtung spannender Werwolf-Film, packender Fantasy-Thriller oder kitschiger Märchen-Romanze gehen soll. Denn „Red Riding Hood“ ist nichts so richtig: selten spannend, zu fast keinem Zeitpunkt mitreißend oder dramatisch und die Love-Story um Peter, Valerie und Henry wirkt zudem aufgesetzt, künstlich und lässt einen so kalt wie die Schnauze des (schlecht animierten) Werwolfes. Zurück bleibt ein fader Nachgeschmack, ein Wirrwarr der Stile und Genres.

AMANDA SEYFRIED als Valerie Copyright: (C) 2011 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. Photo Credit: Kimberly French

Großes Plus des Films ist – neben Amanda Seyfried, die als „modernes“ Rotkäppchen dank ihrer Leinwandpräsenz eine alles in allem respektable Leistung abliefert – die Optik des Films. Die Panorama-Aufnahmen der geheimnisvollen Waldlandschaften und das sorgfältig nachgebaute, mittelalterliche Dorf überzeugen ebenso wie das intensive Spiel mit den Farben (die Farbe Rot zieht sich – im wahrsten Sinne des Wortes – wie ein roter Faden durch den gesamten Film und erinnert damit nicht zufällig an den Mystery-Thriller „The Village“) sowie die aufwendig zusammengestellten Bildkompositionen. Die Dorf- und Waldszenerie ist zudem eine deutliche Hommage an die magisch-mystische Geschichtenwelt der Gebrüder Grimm. Auch Gary Oldman enttäuscht in seiner Rolle als Hexenjäger Salomon sicherlich nicht, er alleine vermag die negativen Aspekte und Schwächen des Films jedoch natürlich nicht wettzumachen.

Copyright: (C) 2011 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC. Photo Credit: Courtesy of Warner Bros. Pictures

„Red Riding Hood“ ist kein filmischer Totalausfall. Visuell und darstellerisch weiß er zu überzeugen, auch werden bei der (mal mehr mal weniger romantischen) Dreiecks-Beziehung vor allem junge Mädchen anbeißen und ihre Freude haben. Da er als Horror-Thriller (was er wohl noch am ehesten sein möchte) jedoch die zwei entscheidenden filmischen Mittel vermissen lässt, Stimmung und Spannung nämlich, überwiegt am Ende doch die Enttäuschung.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider


Darsteller

  • Amanda Seyfried
  • Gary Oldman
  • Lukas Haas
  • Billy Burke
  • Julie Christie
  • Virginia Madsen
  • Shiloh Fernandez
  • Michael Shanks
  • Michael Hogan
  • Max Irons
  • Cainan Wiebe
  • Darren Shahlavi

Erscheinungsjahr
2011

Regie
Catherine Hardwicke

Red Riding Hood Trailer

 


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1 Kommentar so far »

  1.  

    langeweile said

    September 15 2011 @ 15:16

    boahr ich liebe diesen film 4 -eva

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