Predators

Der Mensch ist das erfolgreichste Raubtier dieses Planeten. Jedenfalls bis er es mit einer noch weitaus erbarmungsloseren, nahezu unbesiegbaren Spezies zu tun bekommt. Die Rede ist natürlich von den „Predators“, den namenlosen Jägern aus den Tiefen des Weltalls. 1987 erstmals in Erscheinung und von Arnold Schwarzenegger in den Allerwertesten getreten, sind die hünenhaften Aliens samt ihren coolen Kampfanzügen aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken.

Dabei wurde das vorhandene Potenzial bislang erstaunlich selten genützt. Drei Jahre nach dem beachtlichen Erfolg von „Predator“ erschien die unvermeidliche Fortsetzung „Predator 2“, die weder qualitativ, noch finanziell am Vorgänger anknüpfen konnte. Mit „Predators“ wagt nun Exzentriker Robert Rodriguez den Sprung ins kalte Wasser. Zwar agiert er im dritten Teil der „Predator“-Reihe lediglich als Produzent, doch seine Handschrift ist natürlich eindeutig erkennbar. Ob sich dies für den Filmfan gelohnt hat oder nicht, wird nachfolgend ergründet.

Die Jagdsaison ist eröffnet!


© 2010 Twentieth Century Fox

Acht Menschen schweben an Fallschirmen zu Boden. Acht Menschen, die allesamt das gleiche Schicksal zu teilen scheinen: Sie haben weder eine Ahnung, wo sie sich befinden, noch, weshalb sie über einem Dschungel abgeworfen wurden. Rasch kristallisiert sich der harte Söldner Royce (Adrien Brody) als Führungspersönlichkeit heraus und übernimmt das Kommando des kleinen Trupps, der aus militärisch bestens geschulten Verbrechern und Soldaten besteht.

Allmählich wird ihnen klar, dass sie sich nicht auf der Erde, sondern auf einem fremden Planeten befinden. Einen Planeten, der eine weitaus gefährlichere Spezies als Homo Sapiens hervorgebracht hat: Die Predators, welche die technologisch hoffnungslos unterlegenen Menschen listig zu jagen und dezimieren beginnen.
Trotz der schier aussichtslosen Lage geben Royce und die hübsche Isabelle (Alice Braga) nicht auf und leisten heftigen Widerstand. Dabei kreuzen sich ihre Wege mit denen von Noland (Laurence Fishburne), der bereits geraume Zeit auf dem Planeten überlebt hat und den Neuankömmlingen seine Hilfe anbietet – nicht ganz uneigennützig, wie es sich erweist …

Eine Sache des Überlebenswillens


© 2010 Twentieth Century Fox

Regisseur Nimrod Antal („Motel“) kehrt mit dem alles andere als billigen SF-Spektakel zu den Wurzeln zurück. Der Überlebenskampf findet im Dschungel statt und konzentriert sich auf das Wesentliche: Eine Handvoll verängstigter Menschen muss sich der technologisch und körperlich überlegenen Predators erwehren. Dieses ebenso simple, wie spannende Konzept machte bereits den 1987 entstandenen „Predator“ zum weltweiten Erfolg und Kultfilm. Naturgemäß mussten die Hauptrollen mit neuen Gesichtern besetzt werden, was zu einem zunächst absurden Schauspiel-Coup führt: Ausgerechnet Charaktermime und „Oscar“-Preisträger Adrien Brody in einer Schwarzenegger-Paraderolle? Um es vorwegzunehmen: Was auf den ersten Blick nach einer Hohn- und Spott-Orgie zu schreien scheint, erweist sich als verblüffend gute Wahl. Brodys Körper wurde in durchaus beachtliche Form gebracht. Mit Arnies Muskelbergen zu dessen besten Zeiten kann der New Yorker klarerweise nicht konkurrieren. Das erweist sich aber auch als unnötig, sind rohe Körperkräfte doch erst im Laufe des Showdowns wieder gefragt.

Den Überraschungseffekt von „Predator“ kann „Predators“ natürlich nicht wiederholen. Umso effizienter setzt Produzent Robert Rodriguez auf den reinen Action-Faktor und verzichtet auf abstruse Plotwendungen. Somit erkundet der dritte „Predator“-Film vertrautes Terrain und schafft das kaum für möglich gehaltene: „Predators“ schließt lückenlos an „Predator“ an, als lägen nicht mehr als zwei Dekaden, sondern höchstens ein, zwei Jahre zwischen der Fortsetzung und dem Original.

Wie schon in „Predator“ liegt das Hauptaugenmerk auf dem Überlebenswillen der Protagonisten. Angesichts der Überlegenheit des anfangs unsichtbaren Gegners weder die Nerven, noch buchstäblich den Kopf zu verlieren, erweist sich als Kunststück, das nur wenigen Menschen gelingt. Schwarzenegger war so einer – Brody ist es auch. Der in Peter Jacksons „King Kong“ grandios fehlbesetzte Mime zeigt in „Predators“ vollen Körpereinsatz. Der Imagewechsel vom schöngeistigen Charakterdarsteller zum Science-Fiction-Rambo bereitet ihm sichtlich Spaß. Spaß, der sich auf den Zuschauer überträgt.

Im Dschungel hört dich niemand schreien
Zwei Stunden lang schleichen, ballern, kämpfen Brody & Co im Dschungel ums nackte Dasein. Viel mehr bot der Ur-„Predator“ auch nicht, weshalb „Predators“ sein Publikum völlig reell bedient. Fans des ersten Teils werden überrascht sein, wie viel 1980er-Jahre in dem 2010 produzierten Sequel steckt. Angefangen von den unverblümten Gewaltdarstellungen ohne Schnitte im Zehntelsekundentakt, über das erfreuliche Auftauchen des Scores von Alan Silvestri bis hin zur optischen Nachbildung vertrauter Szenen: Ein nostalgischer Augenblick jagt den nächsten.


© 2010 Twentieth Century Fox

Auch wenn Nimrod Antals Streifen nicht ganz die wuchtige Qualität und den Charme des John McTiernan-Klassikers erreichen kann: „Predators“ ist einer der unterhaltsamsten Actionfilme der letzten Jahre und macht keinen Hehl daraus, im Grunde nur Testosteron-Kino darzustellen. Eine Ehrlichkeit, die gerade im gegenwärtigen Hollywood verpönt ist. Lustvoll wird geballert, geprügelt und zwischendurch gestritten.

Freilich: Wer sich auch nur den Funken anspruchsvollen Kopfkinos erhofft, sollte um „Predators“ einen weiten Bogen machen. De facto bietet der Film lediglich die wiederholte Variation eines klassischen Plots: Eine Gruppe Menschen wird von etwas Übermächtigem bedroht und muss im Angesicht der Gefahr über sich hinauswachsen. Während im Schwarzenegger-Vehikel „Predator“ noch das Vietnam-Trauma zwischen den Schusswechseln durchschimmerte, reduzieren Antal und Rodriguez den Plot ihres Filmes auf die simple Formel: Überlebenskampf um jeden Preis!

Ein wunderbar in Szene gesetzter Kampf: Kein überflüssiger Pathos, Verzicht auf ganze Horden von Feinden, keine vermeintlich tiefschürfenden Dialoge. All dies gereicht „Predators“ zum großen Vorteil und hebt ihn fast auf die Ebene des berühmten Originals. Fast, denn: Das grobschlächtige Gespann Schwarzenegger und Jesse Ventura sind schlichtweg unersetzbar. Auch der grimmige Humor aus 1987 („Wenn es blutet, kann man es töten!“) kommt Brody nicht über die Lippen.


© 2010 Twentieth Century Fox

Sei’s drum: „Predators“ ist ehrliches Haudrauf-Kino mit einigen überraschend blutigen Effekten und einem Adrien Brody von seiner bislang unbekannten Seite. Hier lacht das Herz des Fans bodenständiger Action! Teil 4 ist angeblich bereits in Planung und wird am Ende von Teil 3 unmissverständlich angedeutet. Ausnahmsweise kein Grund zum Augenrollen, sondern zur Freude. Der fiese, seinem ganz eigenen Ehrenkodex verhaftete Predator ist zurück! Mit dem weichgespülten „Alien“-Jäger der AvP-Reihe hat er nichts mehr am Hut – und das ist gut so.

Fazit: Feingeister wenden sich mit Grauen ab. Alle anderen können sich an zwei Stunden spannender Menschenhatz unter fremden Sternen erfreuen!


Darsteller

  • Adrien Brody … Royce
  • Alice Braga … Isabelle
  • Topher Grace … Edwin
  • Walton Goggins … Stans
  • Oleg Taktarov … Nikolai
  • Laurence Fishburne … Noland
  • Danny Trejo … Cuchillo
  • Louis Ozawa Changchien … Hanzo
  • Mahershalalhashbaz Ali … Mombasa
  • Carey Jones … Predator #1
  • Brian Steele … Predator #2
  • Derek Mears … Predator #3

Regie
Nimród Antal

Produktionsland, Jahr
USA, 2010

Predators Trailer


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