Planet 51

planet-51Auf dem Rasen einer gutbürgerlichen Familie landet am helllichten Tag ein außerirdisches Raumgefährt, dem eine furchteinflößende Gestalt entsteigt. Kurz darauf taucht das Militär auf, um den Eindringling in Gewahrsam zu nehmen, doch dieser kann fliehen und verbreitet Angst und Schrecken … der Plot kommt vertraut vor? Zugegeben: Klingt nicht besonders originell, bis man den Clou des spanischen Animationsfilmes „Planet 51“ herausfindet. Denn: Der „schreckliche Außerirdische“ ist in Wahrheit ein Astronaut der NASA und die verängstigten Leute leben auf einem weit entfernten Planeten.

Diese erfrischend neue Prämisse macht „Planet 51“ zu einem interessanten Science-Fiction-Streifen mit viel parodistischem Potenzial. Ob der Film auch hält, was er verspricht, erfahrt ihr in nachfolgender Kritik auf Erde 1.

Invasionspläne auf einer „Twix“-Packung?
Als erster Mensch setzt US-Astronaut Chuck Baker (im Original von Dwayne „The Rock“ Johnson gesprochen) seinen Fuß auf „Planet 51“. Ergriffen von diesem historischen Moment pfeift er ein Lied aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ und setzt an, die amerikanische Flagge zu hissen. Und bemerkt erst jetzt, dass er zwar der erste Mensch, aber beileibe nicht die erste intelligente Lebensform auf „Planet 51“ ist.

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Kleine, grüne Männchen mit Antennen auf den Köpfen starren ihn mit offenen Mündern an. Kein Wunder: Immerhin ist er mitten in ihrem Garten gelandet und hat das gemütliche Grillfest aufgescheucht. Es ist schwer zu entscheiden, wer den größeren Schrecken davonträgt: Chuck oder die Aliens? Immerhin leben die Bewohner des Planeten in ständiger Furcht vor außerirdischen Invasoren, die noch dazu verblüffend dem in seinem Astronautenanzug steckenden Chuck ähneln.

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Zu dessen Glück verrät ihn wenig später der Teenager Lem nicht dem fieberhaft nach dem Eindringling suchenden Militär. Im Gegenteil: Lem unterstützt Chuck nach Kräften, um ihm die Heimkehr zur Erde zu ermöglichen. Dies erweist sich als ungemein tückisch, denn inzwischen hat die hiesige Armee seine Raumfähre beschlagnahmt und kurzerhand an einen streng geheimen Ort gebracht, den es nach offizieller Darstellung gar nicht geben soll. Die größte Gefahr geht für den harmlosen Astronauten aber vom irren Professor Kipple (im Original gesprochen von Ex-Monty-Python John Cleese) aus: Der ist geradezu davon besessen, dem „Außerirdischen“ – dessen Invasionspläne auf einer „Twix“-Verpackung zu lesen sein sollen – das Gehirn zu entfernen, um es in aller Ruhe untersuchen zu können …

Science Fiction/Double Feature

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Was „Planet 51“ von ähnlichen Filmen unterscheidet, ist nicht nur die Betrachtungsweise: Statt eines auf der Erde landenden Aliens ist es ein Erdenmensch, der in eine völlig fremde Welt hineinplatzt und für Angst und Turbulenzen sorgt. Vielmehr gestaltet das Regie-Trio Jorge Blanco, Javier Abad und Marcos Martinez eine stark an die amerikanischen 1950er Jahre erinnernde Retro-Welt und füllt diese mit Außerirdischen. Was auf den ersten Blick bizarr klingen mag, funktioniert jedoch überraschend gut: Die jungen Frauen tragen Petticoats, die männlichen Teenager und Jugendlichen coole T-Shirts. In der Stadt reihen sich hübsche Reihenhäuschen mit gepflegtem Garten aneinander und sorgen für filmische Deja-vu-Gefühle.

Dabei setzt die spanische Produktion noch eines drauf, indem sie die Paranoia der Bewohner von „Planet 51“ schlüssig erklärt: Die beliebten Science-Fiction-Filme berichten von grausamen Alien-Invasoren, die mit ihren Todesstrahlen das Militär besiegen und dank ihrer überragenden Intelligenz den Verstand der hilflosen Bevölkerung kontrollieren. Dass sich ein „echter“ Außerirdischer womöglich als friedlicher, patenter Zeitgenosse herausstellen könnte, ist in diesen Science-Fiction-Streifen nicht berücksichtigt.

„Alien“ inside!

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Wie es sich für eine computeranimierte Komödie gehört, spart „Planet 51“ nicht mit mehr oder weniger witzigen Parodien. Neben den üblichen Verdächtigen wie „Terminator“, „Star Wars“ oder „E.T. – der Außerirdische“ wird Ridley Scotts Geniestreich „Alien“ gleich mehrfach zitiert. Etwa, wenn Chuck mit düsterer Stimme sagt: „Im Weltall hört dich niemand schreien.“
Eine wunderbare optische Parodie auf das berühmteste Weltraummonster liefert Familienhund Ripley (!): Der kleine Köter kann seine enge Verwandtschaft zum eleganten Design des außerirdischen Killers nicht verleugnen. Zu allem Überfluss verspritzt er bei Bedarf auch noch Säure. Allerdings nicht als Blutersatz, sondern wenn er pinkelt …

Überbordende Parodien, dürftige Charakterisierungen
Doch so überreichlich auch das Angebot an Parodien oder popkulturellen Anspielungen – „Area 51“ – sein mag: Dies kann nicht über die mehr als dürftige Charakterisierung und den vorhersehbaren Plot hinwegtäuschen. Sämtliche Figuren bleiben völlig steril und farblos, was vor allem auf den nicht besonders sympathisch wirkenden Teenager Lem zutrifft. Ironischerweise kann einzig Chucks metallener Gehilfe „Rover“ – eine Mischung aus Pixars zuckersüßem „Wall-E“ und dem eher pragmatischem Marsmobil der NASA – ein Stückchen weit eine eigene Persönlichkeit entwickeln.

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Schade, denn die Gelegenheit zu großartigen Seitenhieben und fiesen satirischen Elementen wäre allemal vorhanden gewesen. Indes: Die Gelegenheit wird nicht genutzt. Stattdessen bewegt sich das Niveau der Witze meist auf schlüpfrigem bzw. harmlosem Niveau.

Technisch kann sich „Planet 51“ erwartungsgemäß nicht mit Pixar oder Dreamworks messen. Dies stellt jedoch kein Problem dar, da die naiv-simple Welt der 1950er Jahre keine großartigen visionären Gestaltungen verlangt.

Verschenktes Potenzial

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„Planet 51“ macht es dem Zuschauer wirklich nicht leicht: Die Prämisse ist großartig und einige Gags sind tatsächlich sehr gut gelungen. „Rover“ und das bizarre Hündchen „Ripley“ spielen sich rasch in die Herzen der Zuschauer, tauchen aber viel zu selten auf. Letzten Endes ist „Planet 51“ einfach nur eine umgekehrte Betrachtungsweise, was auf Dauer schlichtweg zu wenig ist. Die hohen Erwartungen kann der Film nicht erfüllen, obwohl er hinreichend unterhält. Nach eineinhalb Stunden bleibt einzig das Gefühl, dass „Planet 51“ sein enormes Potenzial nicht genützt hat. Mit mehr Mut und einer unbeschwerten Herangehensweise hätte die spanische Produktion ganz Großes bieten können. Nicht, dass das Endergebnis ungenießbar oder eine ähnliche Katastrophe wie „Himmel und Huhn“ darstellte. Aber mehr als ein paar Lacher und originelle Anspielungen wären auf jeden Fall drinnen gewesen.


Darsteller
Lem … Originalstimme: Justin Long
Neera … Jessica Biel
Chuck Baker … Dwayne Johnson
General Grawl … Gary Oldman
Professor Kipple … John Cleese
Skiff … Seann William Scott

Regie
Jorge Blanco, Javier Abad und Marcos Martinez

Produktionsland, Jahr
Spanien/GB, 2009

Planet 51 Trailer




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