Overboard Kritik

Overboard Filmkritik

Frauen, Champagner und Urlaub auf seiner Yacht: mehr braucht Leonardo Montenegro (Eugenio Derbez), Haupterbe eines millionenschweren Großindustriellen, nicht zum glücklich sein. Selbst Arbeiten? Das kommt für den Schwerenöter gar nicht in Frage. Ganz anders die als Reinigungskraft für sein Boot engagierte Kate (Anna Faris). Die alleinerziehende Mutter muss jeden Cent umdrehen und kann ihren schmierigen, sie diffamierenden Arbeitgeber ohnehin nicht leiden. Doch die völlig überarbeitete Frau braucht das Geld dringend. Eines Tages sieht sie ihre Chance gekommen: Als Leonardo durch einen Unfall über Bord geht und sein Gedächtnis verliert, nutzt sie im Krankenhaus die Gunst der Stunde. Mit gefälschten Papieren stellt sie sich ihm als dessen Ehefrau vor. Der Schwindel fliegt nicht auf und Kate nimmt ihren falschen Ehemann mit zu sich nach Hause. Dort lässt sie ihn den Hausmann und Familienvater spielen. Leonardo kocht, putzt, bringt die Kinder ins Bett und jobbt sogar auf der Baustelle. Doch wie lange gelingt es Kate, den Schein zu wahren?

„Overboard“ ist ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1987, ein Komödien-Klassiker der 80er-Jahre, der Kurt Russell zu einem erfolgreichen Schauspiel-Comeback verhalf (dessen letzter großer Erfolg lag mit „The Thing“ bereits fünf Jahre zurück). Regisseur Rob Greenberg, der bisher vor allem mit Serien wie „Scrubs“ und „How I met your Mother“ Erfolge feierte, inszenierte die Neuverfilmung. Mit Ana Faris („Scary Movie“, „Alvin und die Chipmunks“) konnte er eine aufs komödiantische Fach spezialisierte Schauspielerin für die Hauptrolle gewinnen. Gedreht wurde im Mai und Frühsommer 2017 vor allem in Vancouver.


Den Machern muss man ja schon zu Gute halten, dass sie das Szenerio hier immerhin ins Gegenteil verkehren. Denn im Original war es noch die männliche Hauptfigur, die der unter Amnesie leidenden Frau aus Rache vorgaukelt, sie wären verheiratet. Nur um sich im Anschluss genüsslich daran zu laben, seine schwerreiche „Neugattin“ als Hausfrau und Mutter zu „missbrauchen“. Klar: Prämisse und Handlung waren auch schon 1987 höchst unglaubwürdig und arg weit hergeholt. Dennoch funktionierte das Konstrukt damals nicht zuletzt deswegen besser, da die Chemie zwischen Russell und Hawn schlicht großartig war.

Hinzu kommt, dass der erste Film komischer ist. Die Neuverfilmung krankt nämlich u.a. an der teils übertriebenen Tölpelhaftigkeit der Figuren (was sich etwa bei Leonardos Unfall zeigt), den schwach getimten Slapstick-Momenten und dem gerade im ersten Drittel leidlich komischen Wortwitz. Ein besonderes Ärgernis ist weiterhin, wie schematisch, überraschungsarm und hemmungslos klischeeüberfrachtet die Figur des arroganten, blasierten Multimillionärs gezeichnet ist. Leonardo lässt es sich – umgeben von seinen geistig beschränkten Gespielinnen – auf seiner edlen, sündhaft teuren Yacht gut gehen. Er liebt kostspielige Getränke, Wasser-Ski und das Wort „Arbeit“ kennt er nur aus dem Wörterbuch. Alles Elemente und Merkmale einer Figur, die nach Schema F angelegt ist. Und reichlich unsympathisch noch dazu.

Sympathien kommen, und das ist ein weiteres großes Problem des Films, aber ebenso wenig bei den anderen Charakteren auf. Denn auch Kate raubt einem mit ihrer nervtötend-lauten, schrillen Art den letzten Nerv und ist einfach nur überzeichnet. Dies alles hat zur Folge, dass man sich nicht in die Personen hineinversetzen und deren Handlungen sowie Sichtweisen meist nur schwer nachvollziehen kann. Sie bieten keinerlei Raum für Identifikation. Zudem ist „Overboard“ durchzogen von profillosen, deplatzierten und stümperhaft angelegten Nebenpersonen, die der Handlung wenig bis überhaupt nicht dienlich sind – und im Prinzip genauso unsympathisch erscheinen wie die Hauptcharaktere. Von Kates Freundinnen, die deren Rachegelüste radikal befeuern bis hin zu Leonardos einzig am Fortbestand des Familienimperiums interessierten Schwestern.

Wieso Regisseur Greenberg Leonardos Milieu und Familie überhaupt so viel Screentime zugesteht und sich auf einige mit dieser in Zusammenhang stehenden, unnötigen Nebenhandlungen konzentriert, bleibt ein Rätsel. Diese halbgaren Subplots dienen dem Filmemacher scheinbar lediglich dazu, seinen enttäuschenden Schluss rechtzeitig vorzubereiten und zu rechtfertigen. Am Ende überwiegt – wieder einmal – das Gefühl, ein belangloses und lustlos heruntergespieltes Remake eines zumindest soliden 80er-Jahre-Originals gesehen zu haben.

Fazit: „Overboard“ ist aufgrund des enervierenden Overactings, der misslungenen Komik und einiger überflüssiger Subplots eine in jeder Hinsicht misslungene Neuinterpretation.

Bewertung: 2/10


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