Mary Poppins Rückkehr Kritik

Mary Poppins Rückkehr Kritik

London in den 30er-Jahren: Seitdem das Kindermädchen Mary Poppins die Cherry Tree Lane verließ, hat sich vieles geändert. Michael (Ben Whishaw) und Jane Banks (Emily Mortimer) sind längst erwachsen und leben ihre eigenen Leben. Michael wohnt mit seinen Kindern John (Nathanael Saleh), George (Joel Dawson) und Annabel (Pixie Davies) sowie der Haushälterin Ellen (Julie Walters) zusammen, während Jane als Frauenrechtlerin aktiv ist. Für Michael ist das Leben als alleinerziehender Vater nicht immer leicht und es erfordert viel Anstrengung, seine Kinder bei Laune zu halten. Eines Tages passiert beim Drachenfliegen etwas Unglaubliches: Keine geringere als Mary Poppins schwebt mit ihrem fliegenden Regenschirm vom Himmel herab. Mary Poppins ist zurück, da Michael und seine Familie einen schmerzlichen Verlust überwinden müssen. Das geheimnisvolle Kindermädchen krempelt das Leben der Banks mit ihren zauberhaften Tricks, viel Poesie und reichlich Musik gehörig um.

„Mary Poppins“ gehört zu den erfolgreichsten und beliebtesten Musical-Filmen aller Zeiten. Im mit fünf Oscars prämierten Klassiker von 1964 schlüpfte einst Julie Andrews in die Rolle der mit magischen Fähigkeiten gesegneten Nanny. „Mary Poppins Rückkehr“ ist kein Remake des Originals, sondern ein an die Ursprungsgeschichte anknüpfendes Sequel. Beide Filme beruhen auf den Kinderbüchern der australischen Autorin P.L. Travers. Inszeniert wurde das 130-Millionen-Dollar Fantasy-Märchen von Rob Marshall. Marshall ist ein Spezialist für Musical-Filme, der mit Werken wie „Into the Woods“ und dem Oscar-prämierten „Chicago“ bereits große Erfolge bei Publikum und Kritik erzielen konnte.


Die Macher von „Mary Poppins Rückkehr“ waren in Interviews nicht müde zu betonen, dass sie sich bewusst für eine Fortsetzung und eben nicht für ein Reboot bzw. eine Eins-zu-Eins-Neuauflage entschieden haben. Das Original sei ohnehin unerreichbar und mit einer neuen Geschichte wolle man eigene Akzente setzen, so ihre Argumente. Um es gleich vorwegzunehmen: Rob Marshall und sein Team schaffen es problemlos, dieses Vorhaben umzusetzen. Natürlich hat man immer wieder einige Schlüsselszenen und prägnante Bilder des Films von 1964 vor dem geistigen Auge, an den „Mary Poppins Rückkehr“ unter anderem aufgrund der fehlenden Gesellschaftskritik nie heranreicht – so ehrlich muss man sein.

Dennoch funktioniert Marshalls Sequel als herzerwärmendes, kunterbuntes Fantasy-Märchen für die ganze Familie ausgesprochen gut. Und das liegt zum einen an der erlesenen Besetzung sowohl der Haupt-als auch der Nebenrollen. Emily Blunt ist als Mary Poppins eine Wucht. Die gestandene Charakterdarstellerin verleiht der fliegenden Nanny eine magische, mythische Aura ebenso wie eine zarte, verletzliche Note.

Denn immer wieder scheint in Nuancen und äußerst subtil durch, dass auf den Schultern von Mary Poppins eine große, emotionale Last zu liegen scheint. Dieses Geheimnisumwehte spielt Blunt mit einer interessanten, auf den ersten Blick widersprüchlichen Mischung aus schüchterner Zurückhaltung und resoluter Strenge. Die meisten Lacher haben die großartigen Nebendarsteller auf ihrer Seite: etwa Lin-Manuel Miranda als gutgläubiger Schornsteinfeger Jack oder Meryl Streep als Poppins ebenso flippige wie divenhafte Cousine.

Der größte Pluspunkt des Films aber sind seine bonbonbunten, phantastischen Zauberwelten, in die Poppins die Familie Banks und auch den Zuschauer entführt. Animierte Fabelwesen treffen auf handgezeichnete Fantasiefiguren und Tiere (hier wurde auf die gute alte, nostalgische Zeichentricktechnik zurückgegriffen). Und die vergnüglichen Musicalsongs verschmelzen mit den eingängigen Liedern von Mary Poppins, die vor zuckerwatteartigen, schillernden Kulissen oder an skurrilen Schauplätzen (sowohl unter Wasser als auch in der Luft) die Fantasie der Zuschauer befeuert. Und genau das ist die Botschaft des Films: Die Fantasie und die Freude – auch der erwachsenen – Zuschauer zu beflügeln. Allein dass „Mary Poppins Rückkehr“ dies beinahe so gut gelingt wie dem Original von 1964 war nicht zu erwarten und ist deshalb aller Ehren wert.

Fazit: Auch wenn dem mit einem fabelhaften Cast bestückten Fantasy-Märchen die unterschwellige Gesellschafts- und Sozialkritik des 1964er-Originals abgeht, verzaubert „Mary Poppins Rückkehr“ die Zuschauer vor allem mit den prachtvollen und kreativ umgesetzten Zeichentrick-Realfilm-Szenen.

Bewertung: 7/10

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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