Madame Bovary Kritik

Madame Bovary filmkritik

Die attraktive Emma (Mia Wasikowska) will dem eintönigen Leben auf dem Hof ihres Vaters entkommen und heiratet deshalb den Dorfarzt Charles Bovary (Henry Lloyd-Hughes). Sie träumt seit jeher von einem spannenden Leben in wohlhabenden Verhältnissen. Zwar entflieht sie tatsächlich der Armut des Elternhauses und ihr mangelt es materiell an nichts, jedoch gestaltet sich der Ehealltag schon kurz darauf als ernüchternd. Ihr Mann hat kaum Zeit für sie und interessiert sich nicht – wie Emma es leidenschaftlich tut – für Luxus und die schönen Künste. Deshalb versucht sie, ihrer Langeweile und den ereignislosen Tagen durch außereheliche Affären zu entfliehen. So begegnet sie u.a. dem anziehenden Juristen Léon (Ezra Miller), dem Inneneinrichter Lheureux (Rhys Ifans), der ihre Leidenschaft für Luxus teilt, und einem eloquenten, edlen Marquis (Logan Marshall-Green). Doch schon bald wird ihr klar, dass die Männer ihre Gefühle nicht bedingungslos teilen.

„Madame Bovary“ gehört zu den größten Klassikern der Weltliteratur. Der Roman von Gustave Flaubert erschien erstmals 1856 in einer Zeitschrift und war zur damaligen Zeit ein Skandal, da er laut konservativen Kreisen zu Ehebruch und sittenwidrigem Verhalten aufrief. Der Gesellschaftsroman wurde bis heute unzählige Mal für Kino und TV adaptiert, zu den bekanntesten Verfilmungen zählt die Version von Claude Chabrol von 1991, in der Isabelle Huppert die Hauptrolle spielte. Die jüngste Verfilmung mit Mia Wasikowska in der Rolle der depressiven, liebessüchtigen Madame Bovary stammt von Regisseurin Sophie Barthes. Für Barthes ist es nach dem Drama „Cold Souls“ der zweite Spielfilm. Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2013 in der Normandie statt.


Zwar reicht die Romanadaption zu keiner Zeit an die herausragende, da zutiefst stimmige und melancholische sowie hinsichtlich Stimmung und Ausstattung ähnlich gelagerte Klassiker-Verfilmung „Jane Eyre“ (ebenfalls mit Wasikowska) von 2011 heran, dennoch: Regisseurin Barthes gelingt mit ihrem zweiten Film ein alles in allem gelungener, mitreißender Film, der vor allem bzgl. seiner authentischen und detailgenauen Kulissen, Kostüme und visuellen Ausgestaltung zu überzeugen weiß. Glaubhaft wird der Zuschauer in die Normandie des frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts versetzt. Hier muss sich der Film zu keiner Zeit hinter dem Glanzstück und Meisterwerk „Jane Eyre“ verstecken, das im Gegensatz zu „Madame Bovary“ aber einen klaren Vorteil aufweist: es ist werkgetreuer.

Sophie Barthes nimmt sich nämlich die Freiheit heraus, einige wesentliche Aspekte und Inhalte des Romans wegzulassen. Dies wird dazu führen, dass einige Kinobesucher – die das Buch und damit die ganze, vielschichtige Persönlichkeit von Emma Bovary nicht kennen – ihr Verhalten und ihre hohen Anforderungen und Ansprüche an ein sorgenfreies Leben im Luxus nicht nachvollziehen können. Denn woher diese Phantasien und Träume rühren, verschweigt der Film weitestgehend. Dies stellt zwar eine nicht unerhebliche aber auch die einzige größere Schwäche des Films dar. Denn abgesehen davon bietet das Werk herausragendes Schauspielerkino mit einem furios aufspielenden Ensemble.

Mia Wasikowska passt (allein rein optisch) perfekt in die Rolle der fragilen, zarten Madame Bovary, die sich nach Leidenschaft und einem luxuriösen Lebensstil sehnt. Die heftigen Stimmungsschwankungen, unterschiedlichen Gefühlsregungen und cholerischen Anflüge ihrer Figur stellt sie glaubhaft und emotional dar. Wenn sie z.B. scheinbar grundlos am Esstisch in Tränen ausbricht, vor den Angestellten des Hauses Zusammenbrüche erleidet oder minutenlang schweigsam aus dem Fenster starrt, dann wird hier nachdrücklich und realistisch eine Erkrankung gezeigt, die heute unter dem Namen „Depression“ bekannt ist.

Fazit: Sinnliche, atemberaubend ausgestattete Literaturverfilmung mit epischen Landschaftaufnahmen und einer eindrücklichen Leistung von Hauptdarstellerin Wasikowska. Schade nur, dass der Film wesentliche Merkmale der Persönlichkeit Bovarys aus der Romanvorlage verschweigt.

Diese Filmkritik schrieb unser Redakteur Björn Schneider.


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